Kampf der Kriminalität: Genf nimmt Unterricht in New York

Wie keine andere Schweizer Stadt leidet Genf an einer steigenden Kriminalitätsrate. Nun inspiriert sich die Rhonestadt von der Verbrechensbekämpfung in New York.

Holt sich Hilfe aus Übersee: Die Genfer Polizeidirektorin Isabel Rochat.

Holt sich Hilfe aus Übersee: Die Genfer Polizeidirektorin Isabel Rochat.

(Bild: Keystone)

Genf kann von New York lernen, wie die Kriminalität im Zaum gehalten werden kann. Zu diesem Schluss kommt die Genfer Polizei- und Sicherheitsdirektorin Isabel Rochat nach einem Besuch in der Metropole.

Rochat traf sich gestern (Ortszeit) in New York mit hochrangigen Sicherheitsexperten, die mitverantwortlich sind, dass die amerikanische Grossstadt eine verhältnismässig niedrige Kriminalitätsrate aufweist. In Genf haben in den letzten Monaten Einbrüche und gewalttätige Auseinandersetzungen, die auch diplomatische Kreise der UNO-Stadt berührten, für Schlagzeilen gesorgt.

«Obwohl man Genf nicht direkt mit New York vergleichen kann, lassen sich trotzdem einige Ansätze zur Kriminalitätsbekämpfung auch in der Rhonestadt anwenden», bilanzierte die Regierungsrätin nach einem Treffen mit Mitarbeitern des ehemaligen New Yorker Bürgermeisters Rudolph Giuliani. Während seiner Amtszeit hatte sich die Metropole am Hudson in den 90er Jahren von einem Sündenpfuhl in eine der sichersten Grossstädte verwandelt.

Sorge zum Quartierleben

Rochat zeigte sich beeindruckt von der «Theorie der eingeschlagenen Fensterscheibe», nach der Giuliani vorging: In einem Quartier, in dem ein kaputtes Fenster nicht repariert wird, würden bald weitere folgen. Der damit erlangte schlechte Ruf werde dann auf den ganzen Strassenzug übertragen. Die Lehre für die Behörden sei: In Zusammenarbeit mit der Bevölkerung dafür sorgen, dass dem Quartierleben Sorge getragen werde.

Die Genferin sprach sich für eine erhöhte Polizeipräsenz in ihrem Kanton aus. Diese allein könne das Problem aber nicht lösen. «Zum Tango braucht es immer zwei - die Bevölkerung muss Respekt vor den Gesetzeshütern haben und mit ihnen zusammenarbeiten», sagte Rochat.

Dafür müsse die Polizei so reorganisiert werden, dass sie - ähnlich wie in New York - in der Bevölkerung verankert und von ihr in Anspruch genommen werde. «Es braucht eine Gemeindepolizei, die die Leute im Quartier kennt», sagte die Regierungsrätin in New York.

Steigende Kriminalität in Genf

Einerseits müsse die Polizei streng und entschieden eingreifen, andererseits die Menschenrechte aber klar respektieren und keine Angst verbreiten, sagte sie vor den Medien weiter. Eine solche Schutzkraft einzurichten bedürfe nicht nur des politischen Willens, sondern auch der Bereitschaft in der Bevölkerung, der Polizei diese Rolle zuzugestehen.

Die Rohnestadt leidet mehr als andere Schweizer Städte unter steigender Kriminalität. Die Regierungsrätin begründete dies unter anderem mit der Tatsache, dass der Kanton eine lange Grenze mit Frankreich besitze und schon immer den Ruf einer offenen Stadt gepflegt habe. Davon habe die Stadt zwar viel profitiert, das Image bringe zum Teil aber auch negative Aspekte mit sich.

Dass Genf eine Firma zur Sicherheitsberatung - wie sie etwa Giuliani heute führt - beiziehen könnte, sei nicht auszuschliessen, sagte Rochat. Vorerst will sie aber die in den USA gewonnen Erkenntnisse verarbeiten und den Regierungskollegen darlegen.

mrs/sda

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