Jetzt braucht es Massnahmen statt Gefühle

Der öffentliche Verkehr ist längst «too big to fail» – gerade deshalb sollten Politik und Verwaltung genau hinschauen.

Die Kollegen des tödlich verunfallten Zugbegleiters hielten am 09. August eine Gedenkminute im Zürcher Hauptbahnhof ab. Die defekten Wagen fahren unterdessen weiter. Foto: Andrea Zahler

Die Kollegen des tödlich verunfallten Zugbegleiters hielten am 09. August eine Gedenkminute im Zürcher Hauptbahnhof ab. Die defekten Wagen fahren unterdessen weiter. Foto: Andrea Zahler

Dominik Feusi@feusl

Beim öffentlichen Verkehr läuft es nicht mehr so rund wie auch schon. In den letzten drei Jahrzehnten wurde das Angebot stark ausgebaut, und die Zahl der Personen, die es nutzen, hat enorm zugenommen.

Die Folgen werden in den Chefetagen seit Jahren offenbar unterschätzt: von höheren Unterhaltskosten für Netz und Betrieb über überfüllte Züge, Verspätungen, Zugausfälle und defekte Wagen bis hin zu gefährlichen Situationen mit Todesfolge wie am vergangenen Wochenende. Und die zur Entlastung bestellten Zugkompositionen leiden seit Jahren an Kinderkrankheiten, was ihre Einführung in den Betrieb verzögert.

Es genügt nicht, dass Bahnen, Trams und Busse besser funktionieren als in unseren Nachbarländern.

Das Problem ist seit mehr als zehn Jahren bekannt. Die jetzige Führungsriege hat es zum Teil schon von ihren Vorgängern geerbt, aber wenig dagegen unternommen. Was nützen die Tränen von SBB-Chef Andreas Meyer, wenn sein Unternehmen offiziell Wagen trotz Defekten herumfahren lässt?

Die Öffentlichkeit zahlt Jahr für Jahr Milliardenbeträge an Subventionen in die Infrastruktur und den Betrieb des öffentlichen Verkehrs. Er ist für die Schweiz längst «too big to fail». Die Aufsicht durch das Bundesamt für Verkehr und das Parlament ist jedoch eher klein geraten. So klein, dass die Politik letztes Jahr sogar sicherheits-relevante Berichte wie die Ereignisdatenbank des Bundesamts für Verkehr vom Öffentlichkeitsprinzip ausgenommen hat.

Es genügt nicht, dass Bahnen, Trams und Busse besser funktionieren als in unseren Nachbarländern. Sie müssen – gerade wegen ihrer Bedeutung im Alltag der Bevölkerung – höchsten Standards genügen, sonst lässt sich die milliardenschwere Umverteilung und Wettbewerbsverzerrung zuungunsten des Individualverkehrs nicht rechtfertigen. Darum sollte die Politik den SBB und den anderen Anbietern nicht alles durchgehen lassen, sondern von den Verantwortlichen Rechenschaft und Massnahmen einfordern – oder sie auswechseln.

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