Jacqueline Fehrs grosser Irrtum

Die FDP setzt sehr wohl auf Frauen im Bundesrat.

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Hie und da reibt man sich bei der Lektüre von Gastartikeln im «Tages-Anzeiger» die Augen. So am Donnerstag. Der ganze erste Abschnitt des Texts von SP-Regierungsrätin Jacqueline Fehr war entweder bewusst faktenfrei verfasst – ganz nach dem Motto «don’t bother me with facts» – oder zeugte davon, dass Fehr die Medien nicht verfolgt hatte und daher nicht wissen konnte, was die FDP-Frauen Schweiz am Tag nach Didier Burkhalters Rücktrittsbekanntgabe effektiv kommuniziert und gefordert hatten: nämlich unmissverständlich eine Frau.

Wir FDP-Frauen haben allerdings transparent und in weiser Voraussicht den Zielkonflikt zwischen den Ansprüchen der Frauen und denen des Tessins auf einen Bundesratssitz thematisiert. Zudem haben wir eine mittelfristige Strategie für den Fall formuliert, wenn es denn diesmal noch nicht klappen sollte. Was immerhin, realistischerweise und aufgrund reicher Erfahrung, nicht auszuschliessen ist. Eine umfassende, saubere Lageanalyse, strategisches Denken und Planen in Varianten darf man von Führungspersönlichkeiten erwarten. Auch Risiko- und Chancenbewertung sollten für verantwortungsvolle Führungspersonen ein gewohntes Vorgehen sein.

Doppeltes Frauenticket

So forderten die FDP-Frauen Schweiz in einer Medienmitteilung eine Frau und – in einem Interview mit dem «Tages-Anzeiger» –, noch konkreter, ein doppeltes Frauenticket bei einer nächsten Vakanz. Diese ist immerhin zeitlich absehbar. Es gilt dabei interne und demokratisch geführte Parteiprozesse zu respektieren und nicht nur polemisch Wind zu machen. Zudem konnte man erfahren, dass ich als Präsidentin persönlich mit den relevanten Kandidatinnen der lateinischen Schweiz (Sadis, De Quattro und Moret) Auslegeordnung und Strategie umfassend erörtert hatte.

Jacqueline Fehr hatte 2010 gegen Simonetta Sommaruga die Wahl zur Bundesrätin verpasst. Es ist zu hoffen, dass sich Fehr nicht aus Enttäuschung über diese Niederlage jetzt so unbedarft als Frauenexpertin positioniert. Oder hat sie deswegen verdrängt, dass die linke Seite der Bundesversammlung die äusserst fähige FDP-Kandidatin Karin Keller-Sutter seinerzeit nicht geschlossen unterstützt hatte? Es fällt jedenfalls schwer zu glauben, dass sich SP-Politikerin Fehr nicht nur um die erfolgreiche Wahl linker, sondern auch bürgerlicher Frauen sorgt.

Jeder hat seine Aufgabe und Rolle im (politischen) Leben. Die Aufgabe von Jacqueline Fehr ist es heute, bestmöglich für Zürich zu handeln – als Regierungsrätin. Sie könnte daher die Frauenpolitik weise ihrer SP-Frauen-Präsidentin Natascha Wey überlassen. Es sei denn, sie wollte sich einfach für die Nachfolge von Simonetta Sommaruga selbst ins Gespräch bringen. Oder wollte sie vielleicht indirekt ihre freisinnige Regierungskollegin Carmen Walker Späh treffen?

Walker Späh in den Bundesrat

Denn schon bald muss sich Fehr als Regierungsrätin wieder bestätigen lassen und will ihrer linken Wählerschaft wohl daher beizeiten gefallen. Walker Späh, meine Vorgängerin als FDP-Frauen-Präsidentin, hat bis zur Stabübergabe im April 2017 sieben Jahre für die nationalen Anliegen der Frauen beherzt gekämpft. Sie könnte in einer nächsten Bundesratskandidatenrunde aktuell werden. Sie wäre jedenfalls eine weitere, brillante FDP-Kandidatin und dürfte bis dahin als Volkswirtschaftsdirektorin von Zürich überzeugen.

So hat meist alles halt seine tieferen Gründe, auch kleine Gehässigkeiten und Rundumschläge in einem Gastartikel. Wie heisst es so schön: «Die Hunde bellen, die Karawane zieht weiter . . .»

In der Ruhe liegt die Kraft, liebe Frau Regierungsrätin Fehr!

Korrektur: Durch einen Fehler in der Redaktion hiess es in einer früheren Version des Gastbeitrags, Jacqueline Fehr sei in der SP-internen Auswahl zur Bunderatskandidatin unterlegen. Tatsächlich aber war Fehr SP-Kandidatin. Die Bundesversammlung wählte aber Simonetta Sommaruga, die zweite Frau auf dem SP-Ticket.


(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 11.08.2017, 21:31 Uhr

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Doris Fiala

Die Zürcher PR-Unternehmerin ist Präsidentin der FDP-Frauen Schweiz und seit 2007 Nationalrätin.

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