Zum Hauptinhalt springen

Die FDP-Frauenkandidatur ist lanciert

Die «eiserne Lady mit Samthandschuhen» will Bundesrätin werden. Wer ist die Waadtländer Staatsrätin Jacqueline de Quattro?

Regierungsrätin und Judo-Meisterin: Jacqueline de Quattro. Foto: Keystone
Regierungsrätin und Judo-Meisterin: Jacqueline de Quattro. Foto: Keystone

Das Kandidatenfeld für die Wahl des Nachfolgers oder der Nachfolgerin von FDP-Bundesrat Didier Burkhalter nimmt Konturen an: Nach Ignazio Cassis hat am Wochenende auch die 57-jährige Waadtländer FDP-Staatsrätin Jacqueline de Quattro ihre Kandidatur angekündigt. Sie liess ihre Bewerbung über ihre persönliche Mitarbeiterin der Nachrichtenagentur SDA ausrichten. Anschliessend tauchte de Quattro unter und war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Die Kandidatur der Westschweizerin kommt insofern überraschend, als de Quattro bisher ihre Bewerbung davon abhängig machte, ob die Waadtländer FDP-Nationalrätin Isabelle Moret kandidiert. Noch Ende Juni erklärte de Quattro der «NZZ am Sonntag», Moret sei die natürliche Kandidatin: «Wenn sie antritt, unterstütze ich sie voll und ganz.» Doch die 46-jährige Moret tut sich mit ihrer Entscheidung schwerer als de Quattro. «Ich überlege noch», teilte sie gestern auf Anfrage mit.

Doris Fiala, Präsidentin der FDP-Frauen Schweiz, gratuliert de Quattro «für ihren Mut». «Sie zeigt, dass hervorragend qualifizierte Frauen nicht zögerlich sind und ihre Ansprüche stellen.» Damit sei auch klar, dass es bei der Bundesratswahl nicht zu einer Einerkandidatur mit Ignazio Cassis komme, so wie dies FDP-Präsidentin Petra Gössi auch angekündigt habe.

Druck auf Tessiner

Fiala hält das Vorgehen von de Quattro für «sehr klug». Sie handle nicht nur im eigenen Interesse, sondern im Sinne der FDP Frauen. Mit ihrer Ankündigung erhöhe de Quattro den Druck auf die Tessiner Freisinnigen, neben Cassis auch noch eine Kandidatin aufzustellen. Dazu biete sich die frühere Staats- und Nationalrätin Laura Sadis an. Die Delegierten der Tessiner FDP entscheiden am 1. August, wen sie ins Rennen schicken, die Waadtländer FDP am 10. August. Ins Gespräch bringt sich auch der Waadtländer FDP-Ständerat Olivier Français. Er fühlte sich geehrt, falls er angefragt würde, sagte der 61-Jährige am Samstagabend der Tagesschau des Westschweizer Fernsehens.

De Quattro sitzt seit 2007 in der Waadtländer Kantonsregierung. Dort leitet sie das Departement für Umwelt und Raumplanung. Bis 2014 war sie für Sicherheit zuständig und erwarb sich wegen ihres Vorgehens gegen Drogendealer den Ruf der «eisernen Lady mit Samthandschuhen». Im April wurde de Quattro für eine dritte Amtsperiode gewählt, die gleichzeitig ihre letzte sein soll.

De Quattro wurde in Zürich geboren und zog mit ihren Eltern in die Waadt, als sie elf Jahre alt war. Sie ist perfekt dreisprachig, beherrscht sie doch neben Französisch und Deutsch auch das Italienische. Ihren Kampfgeist hat de Quattro auch im Sport bewiesen: Sie ist ehemalige Schweizer Meisterin im Judo.

Trotz der weiblichen Konkurrenz gilt Cassis nach wie vor als Favorit. Der Tessiner sei «so gut wie gewählt», sagte CVP-Präsident Gerhard Pfister in der «Ostschweiz» und der «Zentralschweiz am Sonntag». Der einzige Stolperstein für Cassis sei, dass er schon jetzt als praktisch gewählt gelte. Deshalb werde sich die Kritik anderer Parteien und ­Medien voll auf ihn konzentrieren. «Das muss man erst einmal so lange durchstehen können», sagte Pfister. Cassis ist sich dessen bewusst. Auf Provokationen werde er nicht reagieren, sondern ruhig bleiben, sagte er der Westschweizer Zeitung «Le Matin Dimanche». Die Frage des Geschlechts sei seiner Meinung nach bei dieser Wahl zweitrangig. Er jedenfalls wäre als Frau verärgert, wenn er vor allem wegen des Geschlechts gewählt würde, sagte Cassis.

Video – Cassis steigt für Tessiner FDP ins Bundesratsrennen:

Gilt als Favorit: Fraktionschef Ignazio Cassis. (Video: SDA)

Moret im Parlament bekannter

Falls sich auch noch Moret für die Kandidatur entscheidet, wird die Waadtländer FDP wohl entscheiden müssen, welche der beiden Frauen sie der Fraktion in Bern als Kandidatin vorschlägt. De Quattro verfügt über zehn Jahre Regierungserfahrung, was für das Bundesratsamt ein Vorteil ist. Jedoch ist sie im Parlament weniger bekannt als Moret, die seit 2006 im Nationalrat sitzt. Seit 2011 ist sie Mitglied der gewichtigen Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit. Gleichzeitig ist Moret Präsidentin des Spitalverbandes H+. Moret ist wie de Quattro Juristin und Anwältin.

Ebenfalls Chancen auf eine Nominierung hat der Genfer Staatsrat Pierre Maudet. Offen ist, ob sich der 39-Jährige bewirbt. Denn die Linke fordert als Alternative zu Cassis die Kandidatur einer Frau. Deshalb dürfte es für männliche Anwärter auf das Bundesratsamt schwierig werden, neben dem fast gesetzten Cassis von der FDP-Fraktion für die Wahl nominiert zu werden.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch