«Ja, wird er eventuell Kunsthändler?»

Der Rücktritt von Bundesrat Moritz Leuenberger bewegt die Schweiz. Diametral gehen nun die Kommentare auf DerBund.ch/Newsnet zum SP-Magistraten auseinander. Für seine Pension erhält er Tipps.

Spaltet eine Nation: Moritz Leuenberger, hier bei der Einweihung der neuen Autobahn im Knonauer Amt im November 2009.

Spaltet eine Nation: Moritz Leuenberger, hier bei der Einweihung der neuen Autobahn im Knonauer Amt im November 2009.

(Bild: Keystone)

Matthias Chapman@matthiaschapman

Von «hurra, endlich» bis «der Beste geht» ist alles zu haben an Kommentaren von DerBund.ch/Newsnet-Lesern. Innert Kürze zählte das Forum über 100 Einträge. Und Leuenberger würde sich freuen. Oft genug musste er sich in letzter Zeit die Frage nach dem Rücktritt stellen lassen. Nun erhält er von fast jedem zweiten Schreiber gute Noten für seine Arbeit. «Mit Herrn Leuenberger verliert die Schweiz den mit Abstand fähigsten Kopf im Bundesrat und den einzigen Vertreter der städtischen, intellektuellen und vorwärtsgerichtet-kritischen Schweiz», schmeichelt einer dem Zürcher.

Klar ist auch, was als Vermächtnis Leuenbergers den Menschen in Erinnerung bleibt: «Sein Denkmal ist die Neat», «ein grosses Lob für seine progressive Bahnpolitik». Vergessen, dass die Alpentransversale schon vor seiner Zeit aufgegleist wurde. Vergessen die Tränen von Otto Stich, als sein Warnen gegen das zweite teure Loch am Lötschberg nicht erhört wurde. Die wichtigen Abstimmungen zur Neat-Finanzierung hat Leuenberger durchgebracht. Und daran erinnern sich die Menschen nun.

«Gespensterhaft durch die Zürcher Altstadt»

Wenn auch die beiden Löcher Leuenbergers Denkmal sind, kritisch ist das Publikum zur Frage, ob dieses Verkehrskonzept am Schluss aufgeht. «Ob die Tunnels sinnvoll sind, wird sich erst noch zeigen. Weder Deutschland noch Italien sind derzeit um die nötigen Anschlussgleise bemüht. Aber ohne diese war die Neat ein Schuss in den Ofen und reine Geldverschwendung.» Ein anderer Leser wittert die Chance für eine zweite Röhre am Gotthard, «freie Fahrt für freie Bürger».

Neben Handfestem wie Bahn, AKWs und steigende Meerpegel beschäftigte Leuenberger auch Geistiges. Und damit hat der Tramfahrer und Migrossack-Träger sein Volk nicht selten verwirrt. Hier der volksnahe Magistrat, den man im Zugabteil oder beim Theaterbesuch antreffen konnte. «Läuft mit dem Migrossack durch mein Quartier. Der einzige Bunderat, von dem ich mich je wirklich vertreten fühlte. Danke Momo!» Dort der abgehoben wirkende, leicht vergeistigte Bundesrat, der manchmal zaudernd über die Niederungen des gesellschaftlichen Lebens herzog. «Man sah Herrn Leuenberger öfters gespensterhaft durch die Zürcher Altstadt huschen, so als hätte er Angst, mit den Füssen den Boden zu berühren.» Leuenberger ist kein Willi Ritschard und auch kein Adolf Ogi, die waren volksnah ohne Allüren. Und trotzdem ragt Leuenberger in der Meinung der Menschen heraus. Er war der «einzige Bundesrat mit Intellekt, Witz und Mut», so ein Leser.

Auf den Rücktritt gewettet

Den meisten klebte Leuenberger dann aber doch zu lange am Amt. «Auch eine Endloskarriere scheint dennoch ein Ende zu haben» oder «es ist Zeit, eine Amtszeitbeschränkung auf acht Jahre einzuführen».

Offenbar war Leuenbergers baldiger Abgang auch in den Wettbüros ein Thema: «Ich habe zwar darauf gewettet dass Leuenberger das Präsidialjahr noch durchzieht. Aber noch nie habe ich so gerne eine Wette verloren.»

Keine Sorgen machen sich die Leser um Leuenbergers Zukunft. «Zum Papst ins Kloster will er kaum, also wird er vielleicht zum (geistigen) Vater der neuen Schweizer Einheitskrankenkasse? Ja, wird er eventuell Kunsthändler?»

DerBund.ch/Newsnet

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