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Italien jagt Schweizer Mafiosi hinter dem Rücken des Bundes

Waffenschmuggler der 'Ndrangheta leben seit Jahren unbehelligt in der Schweiz. Die Bundesanwaltschaft wurde von den italienischen Ermittlern nicht informiert – obwohl Abhöraktionen liefen.

Wie aktiv ist die Mafia in der Schweiz? Bundesanwalt Michael Lauber (rechts) äussert sich diese Woche zu den 'Ndrangheta Ermittlungen.(25. August 2014)
Wie aktiv ist die Mafia in der Schweiz? Bundesanwalt Michael Lauber (rechts) äussert sich diese Woche zu den 'Ndrangheta Ermittlungen.(25. August 2014)
Keystone

Vergangene Woche verhafteten italienische Ermittler einen Mann mit einer Adresse in Schaffhausen wegen Verdachts auf Waffenschmuggel für die Mafia. Ermittlungsakten aus Italien zeigen jetzt aber gemäss der «Sonntags-Zeitung», dass er Teil eines ganzen Netzwerks von Personen in der Schweiz ist, die von den Italienern auch abgehört wurden.

Die Schweizer Bundesanwaltschaft war darüber aber nicht informiert. Der mutmassliche Waffenschmuggler mit Verbindungen nach Schaffhausen konnte sich deshalb vor seiner Verhaftung unbehelligt in der Schweiz aufhalten. Seine Komplizen in den Kantonen Luzern und Waadt sind bis heute nicht im Visier der Schweizer Behörden. Einer der Männer steht im Verdacht, die Waffen für die Mafia besorgt zu haben.

Mafia-Video ist alt

Seit Jahren Bescheid wussten die Schweizer Ermittler hingen über die Mafia-Zelle in Frauenfeld. Das Video eines Treffens, das diese Woche publik wurde, ist mindestens vier Jahre alt. Als der ehemalige Bundesanwalt Erwin Beyeler nach Rom reiste, um mit den Italienern über eine verstärkte Zusammenarbeit zu verhandeln, lag der kostbare Fund bereits in den Akten der Bundesermittler.

Dennoch blieben die Mitglieder der Schweizer Zelle all die Jahre über unbehelligt. Trotz intensiver Überwachung gelang es der Bundesanwaltschaft nicht, illegale Aktivitäten zu beweisen.

Bankdirektor im Visier

Dass die Schweiz nicht nur ein Ruheraum für die Mafia ist, wie dies Bundesanwalt Michael Lauber anfangs Woche nach der Publikation des Mafia-Videos sagte, zeigen zwei weitere Fälle. Im Kanton Zürich ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen einen Bankdirektor, der im Verdacht steht, für einen bekannten Mafiosi ein Konto bei seiner Bank eröffnet zu haben. Es geht um den Vorwurf der Geldwäscherei. Die Ermittler glauben, der Schweizer Kaderangestellte im Finanzsektor habe gar versucht, Mafia-Gelder für ein eigenes Geschäft zu gewinnen.

Ein Mann in Genf wurde soeben verurteilt, weil er einschlägig bekannte Kokainhändlern der `Ndrangheta zu Diensten war. Er besorgte ihnen ein Satelliten-Telefon, Luxusautos, eine Jacht für den Drogenschmuggel und hohe Bargeldbeträge.

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