Isabelle Moret redet ihren Lohn klein

Die FDP-Frau sagt, sie habe weniger Einkommen als ihre Mitbewerber: Es gibt Zweifel.

Im Wahlkampf geht es ihr auch ums Geld: Isabelle Moret. Foto: Keystone/Laurent Gillieron

Im Wahlkampf geht es ihr auch ums Geld: Isabelle Moret. Foto: Keystone/Laurent Gillieron

Philippe Reichen@PhilippeReichen

Im Wahlkampf um die Nachfolge von Bundesrat Didier Burkhalter geht es FDP-Nationalrätin Isabelle Moret auch ums Geld. Die 46-jährige Waadtländerin ist sich sicher: Ihre parteiinternen Konkurrenten, der Tessiner Nationalrat Ignazio Cassis und der Genfer Staatsrat Pierre Maudet, verdienen mehr als sie. Im Interview mit dem «Tages-Anzeiger» sagte Moret vor einer Woche: «Was ich ganz klar sagen kann: Von den drei Kandidierenden der FDP bin ich diejenige, die am wenigsten verdient.» Wie hoch ihre Verdienste ausfallen und aus welchen Quellen Geld auf ihr Konto fliesst, wollte die Freisinnige nicht offenlegen. Das sei «Teil der Privatsphäre, die die ganze Familie betrifft», betonte sie. Als Präsidentin des Spitalverbands H+ bezieht sie 44 '000 Franken. Mehr war Moret nicht zu entlocken.

Gemäss TA-Recherchen verdient Moret dank gut dotierter Verwaltungsrats- und Verbandsmandate wohl mehr als Mitkonkurrent Pierre Maudet. Dessen Lohn als Regierungsrat ist öffentlich. Um Transparenz zu schaffen, schickte Maudet den Mitgliedern der FDP-Bundeshausfraktion jüngst seine Steuererklärung zu. Der Kanton Genf überweist seinen Regierungsräten 260'000 Franken Brutto-Jahreslohn und zahlt ­darüber hinaus 30'000 Franken an Auslagen für Repräsentationspflichten. Rolin Wavre, Maudets Kampagnenhelfer und Vizepräsident der FDP Genf, sagt: Nebeneinkünfte dürfe Maudet keine ­haben, in Verwaltungsräten sitze er ohnehin nicht, und Sitzungsgelder interkantonaler Gremien flössen in die Genfer Staatskasse.

Für Swissgrid unterwegs

Isabelle Moret hat diverse Einnahmequellen. Als Nationalrätin, die in der Staatspolitischen Kommission und in der Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit sitzt, entschädigt sie der Bund mit 80'000 Franken plus 60'000 Franken nicht steuerbaren Spesen. Dazu kommen diverse weitere Einkünfte. Unter diesen wirkt das mit 44'000 Franken honorierte Präsidium beim Spitalverband H+ eher bescheiden. Bei der nationalen Netzgesellschaft Swissgrid, die für den Unterhalt, die Erneuerung und den Ausbau des Schweizer Höchstspannungsnetzes zuständig ist, bezieht Moret als Vizepräsidentin des Verwaltungsrats jährlich 55'000 Franken. Dieses Mandat erhielt Moret im Mai, obschon sie im Nationalrat bislang nie als Energiepolitikerin aufgefallen war.

Weitere rund 50'000 Franken Jahreslohn bekommt sie als Vizeverwaltungsratspräsidentin des Waadtländer Finanzdienstleisters Retraites Populaires, der das Pensionskassenvermögen der Waadtländer Staatsangestellten, aber auch Altersguthaben von KMU-Betrieben und Privatpersonen verwaltet. Auch als Präsidentin des Vorstands der Föderation der Schweizerischen Nahrungsmittel-Industrien (Fial) ist sie gut entlöhnt. Gemäss TA-Recherchen überwies die Fial Morets Vorgänger, dem Zuger FDP-Ständerat Rolf Schweiger, 30'000 Franken. Moret sagt, sie bekomme 20'000 Franken – netto. Die Fial wollte sich zu Morets Entschädigung nicht äussern. Von Moret erwartet die Föderation, dass sie im Parlament nicht nur die Interessen der Industrie vertritt, sondern bei Bedarf auch Treffen mit Parlamentariern und gar Bundesräten organisiert.

Sie sieht sich als KMU

In der Summe dürfte Isabelle Moret pro Jahr deutlich über 300'000 Franken verdienen und damit mehr als Pierre Maudet, aber weniger als Ignazio Cassis, der allein für das Präsidium beim Krankenkassenverband Curafutura 180'000 Franken einstreicht.

Vom TA mit diesen Zahlen konfrontiert, reagierte Isabelle Moret zunächst irritiert: Wenn eine Frau mehr verdiene als ein Mann, kritisiere man sie dafür. In einem späteren Gespräch betonte die 46-Jährige, dass ihr «Honorarumsatz nicht mit Einkommen gleichgesetzt werden» könne. «Der Vergleich mit den Einkünften von Maudet hinkt», so Moret, denn im Gegensatz zum Staatsrat sei sie «eine Alleinunternehmerin», die einen Umsatz erziele, deren «effektives Einkommen nach allen Abzügen aber viel tiefer» sei als jenes ihres Genfer Herausforderers für das Bundesratsamt. Sie bezeichnet sich als eine Art KMU und gibt an, sechs bis acht Jungfreisinnige als Teilzeitmitarbeiter zu beschäftigen, für die sie allein aus ihrer Entschädigung als Nationalrätin 60'000 Franken zahle. Pierre Maudet hingegen bekomme seine Spesen vergütet und verfüge über einen gut ausgebauten Mitarbeiterstab.

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