In jedem zweiten Kanton wollen Kritiker den Lehrplan bodigen

Die Gegner des Lehrplans 21 bereiten sich auf Abstimmungen in den Kantonen vor.

Zu hohe Ansprüche an die Kleinen? Die Kritik am Lehrplan 21 ist vielfältig. Foto: Keystone

Zu hohe Ansprüche an die Kleinen? Die Kritik am Lehrplan 21 ist vielfältig. Foto: Keystone

Anja Burri@AnjaBurri

Es ist das aufwendigste Bildungsprojekt der Schweiz. Fast acht Jahre lang haben rund 200 Fachleute am Lehrplan 21 gearbeitet. Endlich sollen alle Schulkinder der Deutschschweiz nach den gleichen Lernzielen unterrichtet werden. Seit ein paar Wochen liegt die druckfertige Version des 470-seitigen Werks vor; viele Kantone haben mit der Umsetzung und Anpassung an ihre Bedürfnisse begonnen. Die öffentliche Debatte scheint zu Ende. Doch tatsächlich hat die Auseinandersetzung um den Lehrplan 21 noch gar nicht richtig angefangen.

Recherchen zeigen: In der Hälfte aller Deutschschweizer Kantone wollen die Gegner die Einführung verhindern. Sie haben sich in mindestens zehn Kantonen zusammengeschlossen. Unter ihnen sind Politiker, aber auch parteilose Lehrer und Eltern. Ihre Kritik am Lehrplan ist vielfältig. Manche stören sich am Umfang oder an einzelnen Kapiteln wie etwa den Lernzielen zur Nachhaltigkeit. Andere kritisieren die aus ihrer Sicht zu hohen Ansprüche oder die Sammelfächer wie «Räume, Zeiten, Gesellschaften».

Vorstösse und Initiativen

Kürzlich trafen sich Lehrplankritiker aus der Deutschschweiz in Zürich. Eingeladen hatte SVP-Politiker Ulrich Schlüer. Es sei ein Bedürfnis der Lehrplangegner, sich auszu­tauschen, sagt der Präsident der SVP-Bildungskommission. Nun gehe es darum, zu schauen, ob man sich ­gegenseitig unterstützen könne. ­

Am weitesten sind die Lehrplankritiker im Aargau und in Schwyz. Dort wird das Stimmvolk entscheiden – entsprechende Volksinitiativen sind zustande gekommen. In St. Gallen und Baselland wird auch abgestimmt, allerdings geht es dort zuerst um einen Austritt aus dem Schulharmonisierungskonkordat Harmos. In beiden Kantonen ist es das Ziel der Initianten, den Lehrplan 21 zu verhindern. In Solothurn sammelt ein Komitee Unterschriften; in Zürich und in Graubünden wurden Anti-Lehrplan-Initiativen zur Vorprüfung eingereicht. In Schaffhausen und Luzern wollen Kantonsparlamentarier mit Vorstössen erreichen, dass die Kantonsparlamente über die Einführung entscheiden können.

Schule, wohin?

«Gelingt uns dies nicht, lancieren wir eine Volksinitiative», sagt der Schaffhauser SVP-Kantonsrat Mariano Fioretti. Im Kanton Thurgau lädt die Interessengruppe «für eine gute Thurgauer Volksschule» Mitte Mai zu einer Medienkonferenz. Gut informierte Quellen rechnen auch dort mit einer Ini­tiative. Unter dem Namen «Gute Schule Zug» bildet sich in einem weiteren Kanton ein überparteiliches Komitee.

Der Lehrplan 21 ist nicht die einzige Herausforderung der Volksschule. Auch der Fremdsprachenunterricht oder die Integration von Sonderschülern werden kontrovers diskutiert. Der Spardruck verschärft in vielen Kantonen die Debatten. DerBund.ch/Newsnet beleuchtet während des ­Monats Mai die grössten Baustellen. Die Serie #Schulewohin startet am Montag mit ­einem Beitrag über den Lehrplan.

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