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In einem unbeobachteten Moment mit Benzin übergossen

Am Sonntagmorgen versuchte ein junger Tibeter, sich selber anzuzünden. Er hatte seine Tat angekündigt.

Tibeter protestierten am Sonntag gegen den Besuch von Xi Jinping.
Tibeter protestierten am Sonntag gegen den Besuch von Xi Jinping.

Es war am Sonntagmorgen an der bewilligten Kundgebung der Tibeter gegen den Besuch des chinesischen Präsidenten Xi Jinping in Bern. Gegen Ende der Veranstaltung versuchte ein Tibeter, sich selber anzuzünden. Es war ein junger Mann, der als Flüchtling in die Schweiz gekommen ist, wie Uwe Meya von der Gesellschaft schweizerisch-tibetischer Freundschaft sagt.

Der Mann habe in den letzten Tagen in seinem Bekanntenkreis mehrfach davon gesprochen, dass er sich während der Demonstration anzünden wolle. Seine Bekannten hätten ihn deshalb an der Demonstration «engmaschig überwacht». Dennoch sei es ihm in einem unbeobachteten Moment gelungen, sich mit Benzin zu übergiessen. Andere Demonstranten und die Polizei konnten aber rechtzeitig eingreifen.

«Massive Unterdrückung»

Für Thomas Büchli, Präsident der Gesellschaft schweizerisch-tibetische Freundschaft, kam die Aktion des jungen Mannes nicht überraschend: «Es war nur eine Frage der Zeit, dass auch im Westen so etwas passiert», sagt er. Man hätte es leider erwarten müssen.

Tibetische Aktivisten gegen die Verletzung der Menschenrechte in ihrem Land. (Video: Tamedia Webvideo / SDA)

Die Situation sei für die Tibeterinnen und Tibeter schwierig, sagen Büchli wie auch Nyingbu Tenzin, Präsident der Tibeter-Gemeinschaft in der Schweiz und Liechtenstein. Die Tibeter würden das chinesische Regime kennen, sähen, wie die Menschenrechte in Tibet verletzt und die Meinungsfreiheit beschnitten würde, und müssten nun ansehen, wie Chinas Präsident Jinping von der Schweiz mit offenen Armen empfangen werde. In den westlichen Medien werde zurzeit kaum darüber berichtet, wie die Chinesen in Tibet vorgehen. «Die Unterdrückung ist jedoch nach wie vor massiv», sagt Tenzin.

Büchli kann es nachvollziehen, dass Menschen in Tibet, von den Chinesen dermassen unter Druck gesetzt, sich selber anzünden. In der Schweiz gebe es jedoch andere Wege, um sich für sein Land zu engagieren. Er ist deshalb froh, dass die Polizei frühzeitig eingreifen konnte und dass nichts geschehen ist.

Zahl der Selbstanzündungen ist gesunken

Laut Meya haben sich auch Tibeter in Indien und Nepal anlässlich chinesischer Staatsbesuche selber angezündet. Diese Aktionen hätten dem jungen Tibeter in Bern womöglich als Vorbild gedient. Amnesty International registriert seit 2009, seit China nach den tibetischen Aufständen vermehrt Druck ausübt, 146 Selbstanzündungen. Die Tibeter wollen in ihrer Verzweiflung auf diese Weise auf ihre Situation aufmerksam machen. «Menschen, welche die chinesische Unterdrückung nicht erlebt haben, können Selbstverbrennungen jedoch kaum nachvollziehen», sagt Nyingbu Tenzin.

Die Tibeter dürften als Buddhisten nur Formen des Protests wählen, bei denen sie anderen kein Leid zufügen. Nur: «Auch eine Selbstverbrennung ist letztlich ein Gewaltakt, auch wenn keine anderen Menschen in Mitleidenschaft gezogen werden», sagt Thomas Büchli. Auch der Dalai Lama selber habe sich deutlich dagegen ausgesprochen. Tenzin hingegen meint, in Tibet habe man gar keine Chance, friedlich zu demonstrieren.

2015 ist die Zahl der Selbstanzündungen gesunken, nachdem die tibetische Regierung im indischen Exil davon abgeraten hatte. So verlegten sich Tibeter vermehrt auf sogenannte Soloprotestbewegungen, wie Meya und Amnesty International erwähnen: Einzelne Tibeter laufen mit einem Protesttransparent durch die Strasse, und oft dauert es nur wenige Minuten, bis sie festgenommen und inhaftiert werden. Amnesty International erwähnt den Fall Lobsang Drakpa, der gemäss Medienberichten 2016 in einem nicht öffentlichen Prozess zu drei Jahren Gefängnis verurteilt worden war.

Eröffnen das Gala-Dinner: Bundespräsidentin Doris Leuthard, Chinas Präsident Xi Jinping, seine Frau Peng Liyuan und Leuthards Mann Roland Hausin (von rechts). (15. Januar 2017)
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Peter Klaunzer, Keystone
Treffen zum Abendessen ein: Bundesrat Didier Burkhalter und seine Frau Friedrun,... (15. Januar 2017)
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Peter Klaunzer, Keystone
Lachen ist gut für die Gesundheit: Schneider-Ammann traf ausserdem den chinesischen Minister für Wissenschaft und Technologie, Wan Gang (l.).
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Nh Han Guan, Keystone
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