Zum Hauptinhalt springen

«Ich glaube nicht, dass grosse Fehler gemacht wurden»

Gesundheitsminister Didier Burkhalter fände es sinnvoll, wenn der Bund bei einer Pandemie eine stärkere Führungsrolle übernehmen würde. Die Probleme bei der Verteilung des Impfstoffes seien auch eine Folge des Föderalismus.

Will die Krisen-Kommunikation verbessern: Bundesrat Didier Burkhalter.
Will die Krisen-Kommunikation verbessern: Bundesrat Didier Burkhalter.
Keystone

Sind Sie zufrieden, wie die Verteilung der Impfstoffe jetzt verläuft?Ja. In drei Wochen werden mehr als acht Millionen Impfdosen gegen die Schweinegrippe verteilt sein. Ich bedaure aber, dass wir bei der Bewilligung des Impfstoffs Zeit verloren haben. Die Schuld will ich niemandem in die Schuhe schieben. Die Verzögerung im Vergleich zur EU hängt damit zusammen, dass Swissmedic keinen Zugang zu den Daten der Europäischen Heilmittelagentur hatte. Das versuchen wir so schnell wie möglich zu ändern. Wir müssen dazu eine Vereinbarung mit der EU abschliessen.

Bei der Verteilung des Impfstoffes in den Kantonen gab es Pannen.Solche Probleme gibt es immer bei einer Operation dieses Ausmasses, besonders in unserem föderalistischen System. Ich glaube, die meisten Kantone haben sich wirklich grosse Mühe gegeben. Man muss auch sehen, dass wir die breite Bevölkerung früher impfen können, als wir ursprünglich gedacht haben. Natürlich gibt es an einigen Orten noch Probleme, aber umgekehrt gibt es eben auch Kantone, die schon sehr weit sind. Diese Unterschiede werden jetzt verschwinden. Wir sind auf einem guten Weg. Man muss aufhören, nach Schuldigen zu suchen.

Lassen Sie sich selber impfen?Ich bin der Impfung gegenüber positiv eingestellt. Ich werde sie machen lassen, sobald klar ist, dass Impfstoff für alle vorhanden ist – das sollte in den nächsten Tagen so weit sein.

Manche zweifeln, ob der Impfstoff ausreichend getestet worden ist.Die Zulassungen sind sehr sorgfältig gemacht worden. Die Experten haben gute Arbeit geleistet. Man darf Vertrauen haben in die Entscheidungen, die getroffen worden sind.

Dennoch fühlen sich viele immer noch unzulänglich informiert.Ich habe durchaus Verständnis dafür, dass man Probleme hat, den Durchblick zu gewinnen. Denn es gibt zurzeit fast zu viel Information. Manchmal ist es schwierig herauszufinden, welches die richtige ist. Aber jetzt, mit den ersten Todesfällen, beginnen die Medien wieder sehr sachlich zu informieren, und das ist gut so. Wer sich richtig informieren will, der kann das jetzt tun. Davon bin ich überzeugt.

Was hätte das Bundesamt bei der Information besser tun können?Dazu machen wir in den nächsten Monaten eine Evaluation. Wir wollen für eine nächste Pandemie noch besser gerüstet sein. Ich bin sicher, dass es bei der Kommunikation einige Punkte gibt, die man verbessern kann. Das föderalistische System, die zahlreichen Unterschiede zwischen den Kantonen komplizieren die Sache. Wenn man die Kommunikation verbessern will, muss man sie vereinfachen. Nötig wäre eine Instanz, die alles koordiniert. Unter dem Strich glaube ich aber nicht, dass grosse Fehler gemacht wurden.

Sie wollen, dass der Bund eine wichtigere Rolle spielt?Es liegt im Interesse des Bundes und der Kantone, eine direktere Linie einzuführen. Das heisst nicht, dass man bei einer Pandemie alles von oben dekretieren soll. Das würde in der Schweiz nicht funktionieren. Ich fände es aber logisch, wenn der Bund in dieser Sache eine stärkere Führungsrolle einnehmen würde. Dazu muss nicht alles zentralisiert werden. Die Arbeit vor Ort, in den Regionen und Kantonen, ist sehr wichtig, denn sie gibt der Bevölkerung das Vertrauen.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch