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Hotelsterben in Grindelwald: «Die Masse hat die Klasse verdrängt»

In Grindelwald zeigt sich exemplarisch das Schweizer Hotelsterben. Der wirtschaftliche Niedergang des Dorfes hat schon lange begonnen, die Ursachen sind vielfältig.

«Mangelnde Attraktivität und fehlende Infrastruktur»: Hotelier Urs B. Hauser in der Lobby seines Viersternhauses.
«Mangelnde Attraktivität und fehlende Infrastruktur»: Hotelier Urs B. Hauser in der Lobby seines Viersternhauses.
Fritz Lehmann

«Während in Zermatt in den vergangenen 20 Jahren 27 neue Hotels entstanden sind, hat Grindelwald über 10 Häuser verloren, viele weitere wurden ein- oder mehrfach verkauft.» Was Hotelier Urs B. Hauser aus Grindelwald erzählt, tönt wie der Anfang eines wirtschaftlichen Niedergangs.

Besucher mögen kaum an einen Niedergang des bekannten Ortes glauben: Zu zahlreich die Autos, zu gross die Logiernächtezahlen. In Hotels, Ferienwohnungen, auf dem Camping, in Berghäusern und Herbergen übernachteten 2010 über eine Million Personen. An mangelnder Kundschaft kann es also nicht liegen. «Die Masse hat die Klasse verdrängt», sagt Hauser. Eine Übernachtung einer Gruppe Asiaten, die einen Drittel des Preises eines Individualgastes bezahle, bringe keine Rendite, sondern sei nur kostendeckend. Das Problem: Ferienhotels werfen seit einigen Jahren zu wenig ab (Finanzkrise, Frankenstärke, Erhöhung der Kosten), um die notwendigen Renovationen tätigen zu können. «1993 haben wir acht Millionen investiert, damals spielten die Banken mit.» Heute sei dem nicht mehr so. Und auch die Lohnkosten sind hoch: In Deutschland würden für den Lohn eines einzigen in der Schweiz beschäftigten Zimmermädchens drei arbeiten, und der tiefe Euro drücke die Marge zusätzlich.

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