Hohe Zustimmung für radikale Agrarinitiativen

Laut der Tamedia-Umfrage sind zwei Initiativen gegen den Einsatz von Pestiziden mehrheitsfähig.

Alarmzeichen für den Bauernverband: Zwei Volksinitiativen wollen den Einsatz von Pestiziden und Antibiotika in der Landwirtschaft regulieren, beziehungsweise verbieten. Foto: Urs Jaudas

Alarmzeichen für den Bauernverband: Zwei Volksinitiativen wollen den Einsatz von Pestiziden und Antibiotika in der Landwirtschaft regulieren, beziehungsweise verbieten. Foto: Urs Jaudas

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Langsam wird die Lage in der Landwirtschaftspolitik unübersichtlich. Die Volksinitiativen jagen sich. Der erste Doppelpack kommt am 23. September an die Urne: die Fair-Food-Initiative, die gesunde, ökologisch hergestellte Produkte fördern will, sowie die Initiative für Ernährungssouveränität. Im Parlament waren beide Anliegen chancenlos, unterstützt wurden sie nur von den Grünen und einem Teil der SP.

Ähnlich ist die Ausgangslage bei den zwei nächsten Volksinitiativen, die diesen Frühling zustande gekommen sind. Die Trinkwasserinitiative verlangt, dass Bauern, die Pestizide oder vorbeugend Antibiotika einsetzen, keine Subventionen mehr erhalten.

Ein ähnliches Ziel verfolgt eine Initiative, die den Einsatz von Pestiziden im Inland ebenso verbieten will wie den Import von Produkten, die mithilfe solcher Pflanzenschutzmittel hergestellt worden sind.

70 Prozent unterstützen die Initiativen

Nun zeigt eine erste Umfrage, dass das gemeinsame Anliegen der beiden Initiativen über das rot-grüne Milieu hinaus auf Sympathie stösst: In der Tamedia-Umfrage sprachen sich 68 Prozent der rund 14'900 Teilnehmenden für die Trinkwasserinitiative aus und sogar 72 Prozent für die Initiative gegen den Pestizideinsatz. Die Zustimmungswerte sind bei den Sympathisanten von SP und Grünen am grössten, teilweise liegen sie hier über 90 Prozent.

Doch auch die Wählerinnen und Wähler der beiden Parteien, die der Landwirtschaft am nächsten stehen – SVP und CVP –, wollen die Begehren unterstützen. Hier sagen 60 bis 66 Prozent sicher oder eher Ja zu den beiden Initiativen. Die breite Unterstützung könnte damit zu tun haben, dass die Forderungen sympathisch klingen und die Debatte über die Folgen der Initiativen noch nicht einmal ansatzweise begonnen hat.

Trotzdem deuten diese ersten Ergebnisse darauf hin, dass die Initiativen an der Urne Chancen haben könnten. Das ist ein Alarmzeichen für den Bauernverband, der die Initiativen kategorisch ablehnt. In markigen Worten warnt er, die Trinkwasserinitiative würde «die Schweizer Landwirtschaft auf den Kopf stellen» und nicht nur den Bauern, sondern auch den Konsumenten schaden.

Gratwanderung für Bauern

Die bisherigen Stellungnahmen zeigen, dass den Wortführern der Bauern eine Gratwanderung bevorsteht. Einerseits wollen sie die Initiativen entschlossen bekämpfen, andererseits sind sie bemüht, nicht den Eindruck aufkommen zu lassen, die Bauern möchten hemmungslos Pestizide einsetzen.

So anerkennt der Bauernverband zwar, dass weitere Verbesserungen notwendig seien. Gleichzeitig betont er aber, der vollständige Verzicht auf Pflanzenschutzmittel würde den Anbau massiv einschränken und die Erträge um 20 bis 40 Prozent reduzieren. Folglich würden die Preise steigen und die Importe zunehmen, die oft weniger ökologisch hergestellt seien.

Dieses Problem gibt es zumindest bei der Pestizidinitiative nicht, da diese auch die Importe erfasst. Hier sieht der Bauernverband jedoch die Wahlfreiheit der Konsumenten in Gefahr, da nur noch massiv teurere Produkte im Angebot seien. Die Trinkwasserinitianten halten dagegen, in kaum einem anderen Land versprühe die Landwirtschaft so viele Pflanzenschutzmittel. Die bisherigen Versuche, den Einsatz in der Schweiz zu reduzieren, seien gescheitert. Ein grosser Teil der Pestizide gelange ins Wasser. Das gelte auch für die wachsenden Menge an Antibiotika, welche die Bauern laut Initianten vor allem prophylaktisch einsetzen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 09.07.2018, 06:56 Uhr

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