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Hier spricht Pfarrer Bucheli zu seiner Gemeinde

Er wolle Hirte seiner Herde bleiben, erklärte der Bürgler Pfarrer Wendelin Bucheli während der Sonntagsmesse – und erhielt dafür vom Publikum Standing Ovations.

«Ein klares Zeichen, dass der Pfarrer ein Hirte ist»: Pfarrer Bucheli während der Sonntagsmesse. (15. Februar 2015)
«Ein klares Zeichen, dass der Pfarrer ein Hirte ist»: Pfarrer Bucheli während der Sonntagsmesse. (15. Februar 2015)
Keystone

Wendelin Bucheli will Hirte seiner Herde in der Pfarrei von Bürglen UR bleiben. Dies hat er am Morgen im Anschluss an die heilige Messe in der Kirche der Urner Gemeinde verkündet. Die Kirchgänger dankten ihm die Worte mit einer Standing Ovation.

Pfarrer Bucheli zeigte ein schwarzes Hirtenhemd und sagte, dieses habe er bei der Pfarrinstallation in Bürglen geschenkt bekommen. «Ein klares Zeichen, dass der Pfarrer ein Hirte ist», erklärte er am Morgen nach dem Gottesdienst vor den zahlreich erschienenen Medienleuten.

Sprach zu seiner Gemeinde: Pfarrer Bucheli. (Video: Youtube/portalkathch)

Und Wendelin Bucheli will die Rolle des Hirten beibehalten. Er sagte, Bürglen sei «eine Perle unter den Pfarreien», und er werde alles daran setzten, dass diese Herde nicht verletzt werde. Er wünsche sich, dass wieder Ruhe und Friede einkehre.

Segnung in tiefem Frieden erteilt

Als ihn die zwei Frauen im vergangenen Jahr um den Segen gebeten hätten, sei er in die Stille gegangen. Mit «tiefem Frieden im Herzen» habe er ihnen dann den Segen Gottes erteilen können.

Bucheli entschuldigte sich bei all denen, die sich verletzt fühlten, weil er die Segnung nicht diskret genug durchgeführt hatte.

Als dann der «Rummel um die Segnung» los ging, habe er erneut die Stille gesucht. Nichts solle in ängstigen, habe er unter anderem als Antwort bekommen. So bat er alle, Gott zu vertrauen. Als Dank für diese Worte erhielt der Pfarrer eine Standing Ovation.

Zuvor führte der Pfarrer durch den Gottesdienst. Er sprach über Ausgrenzung, Grenzen erleben und Grenzen überwinden. Der Zusammenhalt im 4000-Seelen-Dorf oberhalb von Altdorf war spätestens dann zu spüren, als die gegen 300 Kirchgänger sangen, weit wie das Meer sei Gottes grosse Liebe.

Kritik aus Engelberg

Heute meldete sich auch der Abt des Klosters Engelberg, Christian Meyer, zu Wort. In einem Interview mit der Zeitung «Zentralschweiz am Sonntag» übte er Kritik am Vorgehen des Bistums Chur, das Bucheli zur Demission aufgefordert hatte.

Zudem will er, dass der Botschafter des Heiligen Stuhls, der Apostolische Nuntius, einschreitet und den Vorfall klar und deutlich nach Rom meldet. Nicht nur die kirchenrechliche Sicht soll der Nuntius schildern, sondern auch die pastorale, seelsorgerische. Hier habe sich nämlich ein Seelsorger für Menschen eingesetzt, um sie religiös zu begleiten.

Weiter ist er der Ansicht, dass der Nuntius Rom auch schildern soll, dass im Fall Bürglen ein Seelsorger wie ein Fussball von einem Bischof zum anderen gespielt wird. Das sei ebenfalls ein Verstoss gegen das Kirchenrecht, weil die Würde des Amtes und des Menschen nicht beachtet werde. Der Abt des Klosters Engelberg betonte, dass Gespräche stattfinden müssten. Sonst sei «Röschenz II» geboren.

Morerod verteidigt Versetzung

Für den Freiburger Bischof Charles Morerod ist die angekündigte Versetzung Buchelis weiterhin gerechtfertigt, weil gemäss der Bibel Homosexualität eine Sünde ist.

Mit der Segnung eines lesbischen Paares, wie Bucheli das getan habe, entstehe «eine Zweideutigkeit, die man vermeiden muss», sagte er in einem Interview mit der «SonntagsZeitung» und im «Le Matin Dimanche».

Der für Bürglen zuständige Churer Bischof Vitus Huonder will Bucheli in das Westschweizer Bistum zurückversetzten, in dem er geweiht worden war. Komme Bucheli zurück, um «aus seiner Kirche ein Zentrum für die Segnung von homosexuellen Paaren zu machen, wird das ein Problem.»

Er zeigte Verständnis für die Kritik vieler Gläubiger an der Tatsache, dass die Kirche Fahrzeuge, Tiere und anderes segnet, nicht aber gleichgeschlechtliche Menschen, die sich lieben. Homosexuelle würden als einzelne Personen gesegnet. Bei der Segnung als Paar entstehe der Eindruck, «dass es sich um eine Eheschliessung handelt».

Rückendeckung erhält der Urner Pfarrer von Pfarrer Franz Sabo aus Röschenz BL, dessen Konflikt mit dem Bistum Basel 2005 bis 2008 für Schlagzeilen gesorgt hatte. Im «SonntagsBlick» sagte er, sein Urner Kollege handle nach dem Gewissen und somit richtig.

Welle der Solidarität

Ausgangspunkt des Streits ist die Buchelis Segnung eines lesbischen Paares im vergangenen Herbst. Huonder forderte den Pfarrer zur Demission auf. Der Churer Bischof einigte sich mit Morerod darauf, dass Bucheli in das Westschweizer Bistum zurückgerufen wird. Bucheli lehnte die geforderte Demission ab.

Die Angelegenheit löste - auch über die Landesgrenze hinaus - eine breite Welle der Solidarität aus. Kirchen- und Einwohnergemeinde Bürglen sicherten dem Pfarrer ihre Unterstützung zu. Zudem wurde eine Online-Bürgerpetition gestartet, die bis am Sonntagnachmittag bereits über 33'000 Personen unterzeichnet hatten.

Auch die Junge CVP des Kantons Uri machte sich für Bucheli stark. In einem offenen Brief an Bischof Huonder forderte sie, dass Bucheli «ohne Wenn und Aber Pfarrer von Bürglen bleiben darf».

Die Jungpartei nehme mit grosser Bestürzung einmal mehr zur Kenntnis, «dass das Bistum Chur auch noch im Jahr 2015 rabiat Homosexuelle diskriminiert und ausgrenzt». Damit schade Huonder der ganzen Katholischen Kirche und säe Unfrieden in die Gesellschaft.

Einen offenen Brief an Bischof Huonder verfassten auch verschiedene Urner Seelsorgende.

SDA/ajk

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