GPS-Tracker kontrolliert Freilaufkühe

Die Schweiz gilt nicht als Musterland der Digitalisierung. Doch einige Bundesämter arbeiten an Projekten wie dem smarten Bauernhof oder der Zollabfertigung von LKWs während der Fahrt.

Ob der Bauer seinen Kühen genug Auslauf gegönnt hat, könnten künftig satellitengestützte Sensoren ermitteln. Foto: Valentin Flauraud (Keystone)

Ob der Bauer seinen Kühen genug Auslauf gegönnt hat, könnten künftig satellitengestützte Sensoren ermitteln. Foto: Valentin Flauraud (Keystone)

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Der Bundesrat hat eine Strategie für die digitale Schweiz verabschiedet. Das 20-seitige Papier liest sich wie ein wortreicher Leitfaden für die ideale digitalisierte Welt. «Die Schweiz nutzt die Chancen der Digitalisierung zum Wohlergehen ihrer Einwohnerinnen und Einwohner und geht die Risiken der Digitalisierung konsequent an», lautet eines der Kernziele.

Der Bund gebe nicht vor, wie die Digitalisierung laufen müsse, sagte Philipp Metzger, Direktor des Bundesamts für Kommunikation (Bakom), am Donnerstag vor den Medien. Metzger leitet die Interdepartementale Koordinationsgruppe Digitale Schweiz. Es gehe in erster Linie darum, Grundlagen für die Wirtschaft und die Bevölkerung bereitzustellen. Der Digitalisierungszug habe in der Schweiz gehörig an Fahrt aufgenommen, und das Land habe in internationalen Rankings aufgeholt.

Parlamentarier lobt Estland

Allerdings finden Kritiker, der Bundesrat schlage nach wie vor ein zu gemächliches Tempo an. FDP-Nationalrat Christian Wasserfallen hielt sich diese Woche mit einer Parlamentariergruppe im Baltikum auf. Am Mittwoch, als der Bundesrat seine Leitlinien bereinigte, liessen sich die National- und Ständeräte in Estland demonstrieren, wie weit das Musterland der Digitalisierung ist. So zeigte der estnische Behördenvertreter den Besuchern, wie ein elektronisches Patientendossier aussieht. Dort sei die ganze Krankengeschichte mit allen Behandlungsschritten elektronisch hinterlegt, erzählt Wasserfallen. In der Schweiz habe das Parlament aus Rücksicht auf die Ärzte nur die Spitäler zum Führen eines digitalen Patientendossiers verpflichtet.

Die Digitalisierung komme im Gesundheitsbereich tatsächlich nicht so schnell voran, wie das wünschenswert wäre, räumte Pascal Strupler, Direktor des Bundesamtes für Gesundheit (BAG), vor den Medien ein. Immerhin habe das Universitätsspital Basel kürzlich ein elektronisches Patientendossier für die Nordwestschweiz präsentiert, das den Bundesvorgaben entspreche. In der Westschweiz seien die Spitäler noch weiter. In Genf seien bereits 30'000 elektronische Patientendossiers eröffnet worden.

. «Föderalismus hat bei der Digitalisierung nichts zu suchen.»Christian Wasserfallen, FDP-Nationalrat

Vieles ist in der Schweiz zwar aufgegleist, so etwa die elektronische Identität, die künftig den Bürgern den Verkehr mit den Behörden und das Bestellen im Internet erleichtern soll. Allerdings hinkt die Schweiz auch hier hinterher. In Estland sei der Eintrag ins Handelsregister in einer halben Stunde möglich, während man in der Schweiz ein bis zwei Tage für den Schreibkram aufwenden müsse, kritisiert Wasserfallen. In der Schweiz werde viel Zeit verloren, weil häufig zuerst private oder kantonale Lösungen gesucht würden. Als Beispiel nennt er die digitale Signatur und die Online-Steuererklärung. «Föderalismus hat bei der Digitalisierung nichts zu suchen», findet Wasserfallen.

Diese Einsicht scheint sich langsam durchzusetzen. So erarbeitet das Bundesamt für Justiz zurzeit die gesetzlichen Grundlagen für ein nationales Adressregister. Bei einem Umzug soll es künftig nicht mehr nötig sein, bei mehreren Behörden die Adressänderung zu melden.

Swiss Future Farm

Auch andere Ämter machen bei der Digitalisierung vorwärts. Das Bundesamt für Landwirtschaft arbeitet an der Swiss Future Farm. In Zukunft könnten Kühe mit einem Chip an der Ohrmarke oder im Halsband ausgerüstet werden, um die Laufwege aufzuzeichnen. Die Kontrolle, ob der Bauer dem Vieh genug Auslauf gewährt und die Vorgaben für Freilaufhaltung einhält, könnte die Behörde im Büro am Computer einsehen. Ebenfalls geforscht wird an der Satellitennavigation von Traktoren bei der Aussaat oder beim Ausbringen von Spritzmitteln. Der Staat liefert die Geodaten.

Die Eidgenössische Zollverwaltung prüft digitale Verfahren, um den Warenverkehr zu vereinfachen. Ziel ist es, dass Lastwagen an der Grenze nicht mehr anhalten müssen. Dank Sensoren in Containern kann etwa festgestellt werden, ob die Innentemperatur während des Transports konstant geblieben ist. Damit kann sichergestellt werden, dass der Container unterwegs nicht geöffnet wurde. Die Zollabfertigung könnte künftig bereits während der Anfahrt zum Grenzübergang geschehen. Ebenfalls geprüft wird, wie die Zollabfertigung von Transportdrohnen abgewickelt werden kann.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 06.09.2018, 21:50 Uhr

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