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«Ghadhafi hat gemeint, er könne es mit der Schweiz aufnehmen»

Micheline Calmy-Rey hat erstmals seit dem Sturz von Ghadhafi über die Libyen-Affäre gesprochen. Noch heute ist sie stolz darauf, mit einem Schachzug die Schweizer Geiseln befreit zu haben - aller Schikanen zum Trotz.

Die Bundespräsidentin hegt keinen Hass gegen Ghadhafi: Micheline Calmy-Rey trifft am 13. Juni 2010 in Tripolis auf den einstigen libyschen Machthaber.
Die Bundespräsidentin hegt keinen Hass gegen Ghadhafi: Micheline Calmy-Rey trifft am 13. Juni 2010 in Tripolis auf den einstigen libyschen Machthaber.
Keystone

Sie hege «keinen speziellen Hass» auf Ghadhafi, sagt Bundespräsidentin Micheline Calmy-Rey. Dieser und sein Regime seien kriminell und gehörten vor Gericht. Bei den Verhandlungen um die Freilassung der zwei Schweizer Geschäftsmänner sei es «einfach um ein Kräftemessen mit einem Diktator» gegangen, sagte Calmy-Rey gegenüber der Westschweizer Zeitung «Le Matin Dimanche» und der «SonntagsZeitung».

Sie sei stolz, dass es damals gelungen sei, das Kräfteverhältnis umzudrehen. Anfangs sei die Lage für die Schweiz völlig ungünstig gewesen. Die Strategie mit den Schweizer Visabeschränkungen für mehrere libysche Personen habe aber die Wende gebracht.

«So wurde die EU involviert»

Weil diese Personen damit auch keine Schengen-Visa mehr bekommen hätten, habe Libyen - «wie wir es voraussahen» - Vergeltungsmassnahmen gegenüber Bürgern aus dem Schengenraum getroffen. «So wurde auf einen Schlag die EU involviert. Das Kräfteverhältnis begann sich zu unseren Gunsten zu verschieben», sagte Calmy-Rey.

Vom speziellen Charme, dem man Ghadhafi gerne nachsagt, will Micheline Calmy-Rey nichts gespürt haben. Die einzige Sorge habe den Geiseln gegolten. So habe sie auch eine Einladung zum Essen ausgeschlagen. «Ich muss auf die Einladung verzichten, denn ich muss mit Herrn Göldi abreisen», habe sie Ghadhafi gesagt.

Dieser habe sich zudem negativ über die Schweiz geäussert. «Sie kommen aus der Schweiz? Aus Genf? Die Schweiz muss abgeschafft werden», erinnert sich Calmy-Rey an ein Gespräch mit Ghadhafi. Dann habe aber Silvio Berlusconi interveniert. «Dafür bin ich ihm sehr dankbar», sagt sie in der «SonntagsZeitung».

«Sie haben uns den ganzen Tag schikaniert»

Beim Besuch in Tripolis hätten die Libyer die Schweizer Delegation immer wieder lange warten lassen. «Die Libyer demonstrierten auf diese Art, dass sie das Spiel führten, wobei sie wussten, dass sie bereits verloren hatten. Sie fühlten sich gedemütigt und genossen es, uns den ganzen Tag zu schikanieren», so Calmy-Rey.

Am Ende habe die Schweiz gewonnen. «Es gibt Dinge, die man mit mir und mit meinem Land nicht machen kann. Dieser Herr al-Ghadhafi hat gemeint, er könne es mit der Schweiz und mit der EU aufnehmen. Er hat sich schwer getäuscht.»

(SDA)

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