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«Geri bleibt!» – wie Badener für Müller knipsen

Mit einer Selfieaktion machten sich bis zu 300 Personen in Baden für den Stadtammann stark. Die grosse Frage war natürlich: Taucht Geri Müller auf?

«Wir wollen auch die Medien kritisch beleuchten»: Solidaritätskampagne vor dem Stadthaus Baden. (Video: Anja Metzger)

Rund 200 bis 300 Personen haben am Montagabend vor dem Stadthaus Baden AG ihre Sympathie mit dem wegen Nacktselfies in die Schlagzeilen geratenen Stadtammann und Grünen-Nationalrat Geri Müller bekundet – und zwar mit einer Selfieaktion. Geri Müller selber war nicht zugegen.

Aufgerufen zur Aktion hatte am Wochenende das vor allem von SP- und Grünen-Politikern gebildete Komitee «Geri bleibt!». Die Veranstaltung lief ohne Reden und Transparente ab. Es wurden lediglich Pins verteilt und die Selfieaktion erklärt. Die ersten Selfies tauchten schon kurz nach der Kundgebung auf der eigens dafür eingerichteten Facebook-Seite oder auf Twitter unter #geribleibt auf.

Teilnehmer Jonas Fricker kommentierte die Aktion gegenüber Redaktion Tamedia: «Ich finde es gut, wenn man ein Foto von sich macht und das rausschickt und sagt: ‹Doch, ich vertraue Geri Müller, und ich möchte, dass er weiterhin so gute politische Arbeit leistet.›» Ein Arzt aus Baden, der ebenfalls an der Aktion teilnahm, sagte: «Die Steigerung wäre nun noch ein Nacktselfie.» So weit wollten die Demonstranten dann aber doch nicht gehen. Zuvor meldete sich die Grüne Partei zu Wort: Sie habe die Entschuldigung Müllers akzeptiert und stehe weiter zu ihm als Stadtammann, hiess es in einer Mitteilung.

Auch die Juso des Kantons Aargau nahmen an der Kundgebung teil.

Nach rund einer halben Stunde begann sich die Versammlung im einsetzenden Regen wieder aufzulösen. Die Polizei blieb im Hintergrund. Zwei Polizisten bewachten den Eingang zum Stadthaus, zwei weitere standen beim Eingang zur Rathausgasse.

Kritik an der Kundgebung

«Geri Müller leistet hervorragende Arbeit als Stadtammann von Baden. Geri Müller hat unser vollstes Vertrauen – er ist unser Stadtammann und er soll es auch bleiben», hatte das Komitee in einer Mitteilung vom Montag geschrieben. «Ja zum kritischen Journalismus – Nein zum billigen Boulevard!» und «Ja zur Freiheit – Nein zur selbst ernannten Sittenpolizei!» waren weitere Parolen, welche das Komitee ausgab.

Die Aktion wurde auf der Facebook-Seite aber auch massiv kritisiert. «Das ist der 4-jährige Daniel, getötet von der Hamas, den Busenfreunden von Geri Müller!», schrieb ein User und postete gleichzeitig ein Foto eines Kindes, das von einer Hamas-Rakete getötet worden war. «Gibt es einen Dresscode? Unten ohne?», frotzelte ein anderer im Vorfeld der Kundgebung.

Team Baden hält zu seinem Zugpferd

Müllers Lokalpartei, das Team Baden, rief am Montag per Communiqué zur Besonnenheit auf. «Wir trauen es Geri Müller und dem Stadtrat zu, auf der Basis von Gesprächen selber herauszufinden, ob Geri Müller das Amt des Ammanns weiter ausführen kann.»

«Aus Respekt vor seiner politischen Arbeit soll er die Chance erhalten, das Vertrauen als Mensch, Politiker und Führungsperson zurückzuerobern», hiess es in einer Mitteilung. Anderer Meinung sind die bürgerlichen Parteien der Stadt Baden. CVP, FDP und SVP hatten letzte Woche Geri Müller zum Rücktritt aufgefordert.

Stiftung verurteilt «Theorie der jüdischen Verschwörung»

Die Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus verurteilte am Montag in einer Mitteilung die von einzelnen Medien aufgeworfene «Theorie einer jüdischen Verschwörung» beim Aufdecken der Affäre. Mit dem Verbreiten von antisemitischen Vorurteilen und Stereotypen werde das Klima in der Schweiz vergiftet, hiess es in einer Mitteilung vom Montag.

Solche Vorwürfe würden Steilpässe für Rassisten und Antisemiten liefern und trügen nicht dazu bei, eine sachliche Diskussion um die nackte Wahrheit zu führen. Die Stiftung behält sich rechtliche Schritte vor.

Die von der Stiftung kritisierte «Theorie der jüdischen Verschwörung» war von einzelnen Medien aufgegriffen worden, nachdem bekannt geworden war, dass unter anderem der gegenüber Geri Müller kritisch eingestellte Josef Bollag schon seit einiger Zeit von der Internetbeziehung von Müller gewusst hatte. Bollag ist Präsident der israelitischen Kultusgemeinde Baden und hatte sich gegen die Wahl Müllers als Badener Stadtammann ausgesprochen.

SDA/mrs/mea

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