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Genfer Polizei verhaftet ehemaligen Polizeichef Guatemalas

Dem schweizerisch-guatemaltekischen Doppelbürger Erwin Sperisen werden aussergerichtliche Hinrichtungen vorgeworfen. Weil er nicht ausgeliefert werden kann, ermittelt die Genfer Staatsanwaltschaft.

Soll mit anderen Funktionären eine kriminelle Organisation gebildet haben: schweizerisch-guatemaltekische Doppelbürger Erwin Sperisen in Guatemala City. (5. August 2005)
Soll mit anderen Funktionären eine kriminelle Organisation gebildet haben: schweizerisch-guatemaltekische Doppelbürger Erwin Sperisen in Guatemala City. (5. August 2005)
Keystone

Der schweizerisch-guatemaltekische Doppelbürger Erwin Sperisen ist in Genf verhaftet worden. Der 42-Jährige soll in Guatemala Drahtzieher von aussergerichtlichen Hinrichtungen gewesen sein. Gegen ihn läuft in der Schweiz ein Strafverfahren.

Sperisen war von Juli 2004 bis März 2007 Chef der «Policia National Civil» (PNC) in Guatemala. Nach seinem Rücktritt als Polizeichef floh er im April 2007 nach Genf.

Vorwürfe von UNO-Kommission

Die UNO-Kommission gegen Straflosigkeit in Guatemala (CICIG) wirft Sperisen vor, Drahtzieher von aussergerichtlichen Hinrichtungen gewesen zu sein und zusammen mit anderen damaligen hohen Funktionären eine kriminelle Organisation gebildet zu haben.

Sperisen wurde in Guatemala angeklagt, konnte als Doppelbürger der Schweiz und Guatemalas aber nicht ausgeliefert werden. Möglich ist aber ein Prozess in der Schweiz, weshalb die Genfer Justiz ein Rechtshilfegesuch stellte. Sperisen lebt seit 2007 in Genf.

Die Staatsanwaltschaft Genf hat die Dokumente inzwischen gesichtet, die sie Ende 2011 im Rahmen eines Rechtshilfeverfahrens aus Guatemala erhalten hatte.

Sie kam jetzt zum Schluss, dass es «wichtige Verdachtsmomente» gebe, dass Sperisen in verschiedene aussergerichtliche Hinrichtungen involviert gewesen sein könnte. Sperisen streitet die gegen ihn erhobenen Vorwürfe ab.

Bertossa will Sperisen anhören

Die Akte Sperisen liegt nun in den Händen des ersten Staatsanwaltes von Genf, Yves Bertossa. Dieser will Sperisen nun befragen.

In einem der Nachrichtenagentur sda im vergangenen Jahr gewährten Interview bezeichnete sich Sperisen als Opfer einer Diffamierungskampagne und «politischer Manöver», die im Zusammenhang mit seiner Aktion gegen Drogenhändler stünden.

Ein guatemaltekisches Gericht hatte im vergangenen August Haftmandate gegen 19 ehemalige Funktionäre erlassen, darunter Sperisen und den ehemaligen Ex-Innenminister Carlos Vielmann.

SDA/mw

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