Zum Hauptinhalt springen

Geld auf dem Konto wird sicherer – zumindest ein wenig

Der Bundesrat will die Sparer bei einer Bankpleite besser schützen. Doch die Banker sind nicht mit allen Vorschlägen einverstanden. Und langfristig braucht es ein neues System.

«Vertrauen stellt für die Banken ein wichtiges Gut dar»: Bundesrat Hans-Rudolf Merz.
«Vertrauen stellt für die Banken ein wichtiges Gut dar»: Bundesrat Hans-Rudolf Merz.
Keystone

Kann ich mein Geld bei der UBS lassen? Oder verliere ich es, wenn die Bank kollabiert? Diese Frage stellen sich zur Zeit Tausende von Schweizern. Und wie der anhaltende Abfluss von Kundengeldern zeigt, kommen viele von ihnen zum Schluss, dass sie zumindest einen Teil ihres Geldes bei einer anderen Bank deponieren sollten.

Diese Entwicklung ist für die UBS gefährlich. Der Bundesrat will deshalb den Schutz der Sparer verbessern – wie das auch verschiedene Parteien gefordert haben. «Wir stellen fest, dass das Vertrauen für die Banken ein wichtiges Kapital darstellt», sagte Finanzminister Hans-Rudolf Merz gestern vor den Medien.

Geschützte Summen in Europa erhöht

Der Bundesrat handelt auch, weil andere Staaten die geschützte Summe massiv erhöht haben auf 50'000 Euro in der EU und auf 250'000 Dollar in den USA. «Der Einlegerschutz ist ein wichtiges Wettbewerbsargument», sagte Merz. «Deshalb sieht sich der Bundesrat im internationalen Vergleich gezwungen, den Schutz anzuheben.» Wenn das Parlament im Dezember zustimmt, gelten deshalb ab Ende Jahr folgende Regeln:

Muss eine Bank Konkurs anmelden, so sind pro Person neu 100'000 Franken geschützt. Dazu kommen nochmals 100'000 Franken, wenn diese auf einem Vorsorgekonto liegen (2. oder 3. Säule). Bisher wurden die Konten zusammengezählt. Und die Summe betrug nur 30'000 Franken.

Geht eine Bank konkurs, so haften die anderen Schweizer Banken für die geschützte Summe. Bisher taten sie dies bis zu einem Total von 4 Milliarden Franken. Der Bundesrat hebt diese Summe nun auf 6 Milliarden an. Höher will er nicht gehen, weil sonst der Zusammenbruch einer grossen Bank auch die übrigen Banken bedrohen könnte.

Geld muss im Inland angelegt werden

Bricht eine Bank zusammen, so sind deren Anlagen im Ausland oft verloren, weil der Staat im Rahmen des Konkursverfahrens nicht darauf zurückgreifen kann. Deshalb müssen die Banken neu 125 Prozent des Geldes, das durch den Einlegerschutz garantiert ist, im Inland anlegen.

Der letzte Punkt ist der wichtigste: Denn kollabiert eine Grossbank, so reicht die garantierte Summe von 6 Milliarden nirgends hin. So verwaltet die UBS laut mehreren Quellen rund 60 Milliarden an Geldern, die unter den Einlegerschutz fallen. Ihre Kunden würden also nur einen Bruchteil der garantierten 100'000 Franken erhalten. Wenn die Bank aber mehr als 60 Milliarden in der Schweiz anlegen muss, kommt dieses Geld bei einem Konkurs ebenfalls den Sparern zugute.

Weiterhin Investitionen im Ausland möglich

Gleichzeitig ist dieser Punkt umstritten. So meldete die Bankiervereinigung in der Vernehmlassung Kritik an. «Wir erwarten, dass Schweizer Niederlassungen von ausländischen Banken und Schweizer Privatbanken ihre Investitionen weiterhin im Ausland tätigen können», sagt Sprecher Thomas Sutter. «Man kann nicht einfach behaupten, Engagements im Ausland seien unsicher.»

Auf diese Einwände geht der Bundesrat nun tatsächlich ein. Er räumt der Eidgenössischen Bankenkommission das Recht ein, Ausnahmen zu bewilligen. Allerdings sollen davon keine ausländischen Banken profitieren. Beim Bund weist man darauf hin, dass genau dort ein Problem bestehe, wie etwa die isländische Kaupthing Bank gezeigt habe. Auch die Bankenkommission ist überzeugt, dass solche Banken keine Ausnahmen beanspruchen können. Die Vorschrift war aber offenbar auch im Bundesrat umstritten. Und im Parlament könnte es ebenfalls Widerstand geben: «Diese wichtige Bestimmung muss im Gesetz bleiben», fordert deshalb SP-Nationalrätin Simonetta Sommaruga.

Neues, risikogerechtes System

Trotz der Neuerungen weist das heutige System aber grundlegende Probleme auf – besonders den Umstand, dass die garantierte Summe nirgends bereitsteht, sondern von den anderen Banken zuerst eingeschossen werden müsste. Der Bundesrat will deshalb im Frühling ein neues System präsentieren. Manuel Ammann vom Institut für Banken und Finanzen der Universität St. Gallen fordert dabei eine risikogerechte Ausgestaltung: «Wichtig ist, dass die Banken abhängig von ihrem Risiko eine angemessene Prämie für den Einlegerschutz zahlen.» Sonst drohe eine Verzerrung des Marktes: «Es kann nicht sein, dass die seriösen Banken solidarisch für die risikofreudigen haften müssen.»

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch