Gefährlich ist der ganze Mix

Die Festlegung von Grenzwerten für Pestizide ist erfreulich – aber politisch zum falschen Zeitpunkt.

Glyphosat ist nur eines von vielen Umweltgiften: Ein Landwirt fährt mit einer Dünger- und Pestizidspritze über sein Feld.(Symbolbild)

Glyphosat ist nur eines von vielen Umweltgiften: Ein Landwirt fährt mit einer Dünger- und Pestizidspritze über sein Feld.(Symbolbild) Bild: DPA/Patrick Pleul/Keystone

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Pestizide in der Landwirtschaft sind hochumstritten, weil ihre Rückstände Umwelt und Gewässer gefährden. Umso erstaunlicher ist es, dass es in der Gewässerschutzverordnung bisher keine nachvollziehbaren Grenzwerte gab. Stattdessen wurde nur ein einheitlicher Grenzwert von 0,1 Mikrogramm pro Liter für alle Pestizide festgelegt, ungeachtet ihrer Giftigkeit. Zudem hatte die Verordnung Lücken, welche die Ahndung praktisch verhinderten.

Diese willkürlichen Grenzwerte sollen in der ­Teilrevision der Gewässerschutzverordnung nun für 38 Pestizide angepasst werden. Grundlage sind für jeden Stoff Dutzende von Toxizitätsstudien, in welchen die effektiven Schäden gemessen wurden, die die Pflanzenschutzmittel in der Natur anrichten. Beim Glyphosat ist der Grenzwert dabei von 0,1 Mikrogramm pro Liter auf 360 Mikrogramm pro Liter angehoben worden. Bei anderen, viel giftigeren Stoffen ist er allerdings gesunken, zum Teil bis in den Nanogrammbereich.

«Dass der wichtigste Hersteller der Agromulti Monsanto ist, macht die Sache nicht einfacher.»

Dass diese Grenzwerte nun einmal konkret festgelegt werden, ist eine gute Nachricht. Politisch weniger glücklich ist der Zeitpunkt der Vorlage. Nach dem EU-Entscheid für eine Wiederzulassung von Glyphosat gehen die Wogen hoch. Das Pestizid, dessen Verkäufe in den vergangenen Jahren sprunghaft angestiegen sind, steht für eine auf möglichst hohe Erträge getrimmte Landwirtschaft, welche der Bevölkerung immer suspekter wird. Dass der wichtigste Hersteller von Glyphosat der Agromulti Monsanto ist, macht die Sache nicht einfacher.

Kommt hinzu, dass Glyphosat nur eines von vielen Umweltgiften ist, die in der Landwirtschaft eingesetzt werden – und Glyphosat gehört noch zu den best­untersuchten und harmlosesten. Doch was ist mit all den anderen Giften? Wie wirken diese zusammen auf die Umwelt oder gar auf den Menschen, falls sie sich anreichern? Die Prüfung einer solchen Mischtoxizität steht erst am Anfang. Doch was die Menschen interessiert, sind nicht die Folgen eines Gifts bei Toxizitätstests im Labor, sondern das, was man schliesslich effektiv abkriegt. Und das ist nicht nur Glyphosat.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 08.12.2017, 23:38 Uhr

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