Freysinger will der SVP einheizen

In der Westschweiz hat die SVP seit mehreren Jahren ein Führungsproblem. Nun soll Oskar Freysinger als Sprachrohr der Parteizentrale agieren.

Alt-Nationalrat Oskar Freysinger führt die SVP in der Romandie und im Tessin als Koordinator in die nationalen Wahlen. Foto: Keystone/Olivier Maire (5. März 2017)

Alt-Nationalrat Oskar Freysinger führt die SVP in der Romandie und im Tessin als Koordinator in die nationalen Wahlen. Foto: Keystone/Olivier Maire (5. März 2017)

Philippe Reichen@PhilippeReichen

Für das Westschweizer Fernsehen war es eine Randnotiz in einer Reportage, für SVP-Politiker in der Romandie jedoch ein Schlüsselereignis. Oskar Freysinger ist zurück in der Politik. Nach seiner Abwahl als Staatsrat 2017 führt der Walliser Alt-Nationalrat die SVP in der Romandie und im Tessin als Koordinator in die nationalen Wahlen. «Das ist ein exzellenter Entscheid», freut sich Yvan Perrin, der Neuenburger Staatsrat, der krankheitshalber zurücktreten musste und im Herbst zurück in den Nationalrat will.

Der Walliser SVP-Nationalrat Jean-Luc Addor weiss schon länger von Freysingers neuer Rolle. Die Parteileitung der SVP Schweiz habe die Lösung mit Freysinger im Herbst bei einem Seminar präsentiert, so Addor. Man brauche ihn, sagt er. Die SVP habe in der Westschweiz keinen Koordinator mehr.

«Sprachrohr von SVP-Präsident Rösti»

Freysinger gefällt seine neue Aufgabe. Im Gespräch wirkt er entspannt und versichert, er strebe kein Amt mehr an. Die grosse Bühne überlasse er anderen, er wirke nun im Hintergrund, betont der 58-Jährige. Er wolle seiner Partei «einen letzten Dienst erweisen», für die «Unabhängigkeit der Schweiz» einstehen. In der Westschweiz will er «das Sprachrohr von SVP-Präsident Albert Rösti sein». Zeit habe er ja genug, so Freysinger.

Rösti war es auch, der ihn im letzten Sommer zum Comeback animierte. Der «Walliser Bote» erfuhr damals von Röstis Plänen und kontaktierte Freysinger währenddessen Ferien auf Korsika. Dieser hielt sich bedeckt. «Ich lasse mich definitiv in Korsika nieder», schrieb er der Zeitung. Doch im angeblichen Exil hielt es ihn nicht dauerhaft.

Schon seit Wochen weibelt Freysinger für seine Partei in der Romandie und im Tessin. Was sind seine Aufgaben? «Sektionen besuchen, Truppen motivieren, Leute von einer Kandidatur überzeugen», zählt er auf. Daneben übersetze er SVP-Botschaften vom Deutschen ins Französische, um der Partei einen national geeinten Kampagnenauftritt zu ermöglichen.

Erfolge im Tessin

Eine geeinte Kampagne sei wichtig, aber am Ende lasse sich nicht alles eins zu eins übernehmen, bremst der Neuenburger Perrin. Der «allgemeinen Sauce müssen wir unsere eigenen Gewürze beigeben», so Perrin. In Neuenburg wird er die Grenzgänger zum Wahlkampfthema machen, was in Freiburg so nicht funktionieren würde.

Freysinger weiss das. An über 30 Anlässen hat er bereits teilgenommen. Die Sektionen in Neuenburg, in Genf, im Wallis und in Freiburg hält Freysinger für wahlkampftauglich. Der SVP Waadt will er noch einheizen. Ihr fehle es «an Biss», so der 58-Jährige.

Im Tessin will er gar erste Erfolge verbucht haben. Der Schlüssel dazu: Er sprach Italienisch. Plötzlich parliert Freysinger auch am Telefon in Italienisch. SVP und Lega treten bei den Tessiner Staatsratswahlen im April mit einer gemeinsamen Liste an.

Für die Nationalratswahlen im Oktober haben sich die Parteien auf eine Listenverbindung geeinigt. Für die Ständeratswahlen wiederum nominieren Lega und SVP je einen Kandidaten, wobei zu einem zweiten Wahlgang nur der Kandidat mit dem besseren Resultat anträte. Im Tessin sei man bestens gerüstet, findet Freysinger.

Streit und Querelen

Durch Freysingers Nomination geraten die Führungsprobleme der SVP in der lateinischen Schweiz ein wenig in Vergessenheit. Diese begannen 2016 mit der Absetzung von Claude-Alain Voiblet. Der SVP-Vizepräsident und Koordinator für die Westschweiz hatte 2015 im Nationalratswahlkampf Plakate seiner Kollegen mit seinem eigenen Konterfei überklebt. Seine Parteikollegen erwischten ihn bei der Aktion. Am Ende verpasste Voiblet die Wahl nach Bern, wurde parteiintern entmachtet und verliess die SVP schliesslich.

Der neue Verbindungsmann zwischen dem SVP-Generalsekretariat in Bern und den Westschweizer Sektionen hiess Kevin Grangier. Der langjährige Parteisekretär der SVP Waadt wirkte als Kampagnenleiter und kultureller Übersetzer. Er sollte den Romands SVP-Anliegen verkaufen und neue Wähler finden. Doch Grangier verabschiedete sich im letzten August in die Privatwirtschaft. Sein Abgang kam zu einem katastrophalen Zeitpunkt. Innert Tagen waren drei SVP-Kantonalpräsidenten zurückgetreten: in Neuenburg, Freiburg und im Wallis.

Als Ansprechpartner für die Romands verblieb auf der SVP-Parteizentrale in Bern ein Mann namens Edouard Hediger. Doch Hediger ist bereits nicht mehr da. Er wechselte vom SVP-Generalsekretariat ins Verteidigungsdepartement. Seit Anfang Jahr ist Michaël Darcey Projektleiter für die Romandie und das Tessin.

Freysingers Mandat endet im Oktober. Ob er im Herbst Lust für weitere Chargen hat? «Ich schliesse nichts aus», sagt er.

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