Frau Vetsch wird erwachsen

Mona Vetsch hört nach 17 Jahren mit ihrer «Morgen-Show» auf SRF 3 auf. Ihre letzte Sendung zeigte, wie man sich würdig von der eigenen Jugend verabschiedet.

Moderierte 17 Jahre den Morgen auf SRF 3: Mona Vetsch aus dem Mittelthurgau.

Moderierte 17 Jahre den Morgen auf SRF 3: Mona Vetsch aus dem Mittelthurgau.

(Bild: Keystone)

Philipp Loser@philipploser

Ist sie schon tot? Unerwartet von uns gegangen? In der Nacht verschwunden, für immer? Oder geht sie mindestens in Pension? Die letzte Morgen-Sendung von Moderatorin Mona Vetsch (42) auf SRF 3 war von einer Opulenz und Bedeutungsschwere, die man sonst eher bei «Happy Day» erwartet. Da gab es Überraschungsgäste, extra eingespielte Mona-Jingles, Lied-Cover vom Musikchef mit selbst gedichteten Zeilen passend zur Jubilarin, Blumensträusse, minutenlanger Applaus, eine kleine Ehrenrunde, und auch ein Reporter von «Glanz und Gloria» war dabei.

Die pompöse Inszenierung der letzten «Morgen-Show» mochte nicht so richtig zum Bild passen, das man sich von Mona Vetsch über die Jahre gemacht hat. Vetsch hatte immer etwas Uneitles, etwas Nahes und Bodenständiges. «Ein Meter füfefüfz, dörfsch mi duze.» Für alle ist sie die Mona, letzte Bastion der Intelligenz an einem Radiomorgen, der sonst von dauerschrillen und sauglatten Teenagern besetzt wird, helvetisches Kulturgut, eine gute alte Bekannte. Ein wenig wie Nik Hartmann – einfach ohne zu nerven.

Nur ein Schichtwechsel

Nach 17 Jahren hat Vetsch nun Lust auf etwas Neues. Sie wird weiterhin Fernsehen machen, und weiterhin im Radio zu hören sein, ihre neue Sendung startet im nächsten Jahr. Einen «Schichtwechsel» hat sie es selber genannt. Nichts Besonderes eigentlich, und doch hat sie die grosse Inszenierung ihres Wechsels sehr verdient.

Wer seine Teenager-Jahre in den 90er-Jahren in der Schweiz verbracht hat, für den ist Mona Vetsch eine Konstante. Sie war schon immer da. Und sie war immer cool. Sie hat Festivals moderiert, war Kopf einer der ersten Jugendsendungen auf dem Schweizer Fernsehen, kongeniale Partnerin von Dani Beck (was macht der eigentlich?) in seiner «Weekend Music». Und dann, eben, die Stimme des Morgens auf DRS 3. Mona Vetsch war wohl der einzige (und neben Gabriel Vetter wohl auch der letzte) Mensch, dem man seinen Ostschweizer-Dialekt nachsah – und sogar ein bisschen sympathisch fand.

Ein öffentlich gelebter Abschied

Vielleicht ist das der Grund, warum sich so viele Schweizerinnen und Schweizer auf Mona Vetsch einigen können. Ihre Biografie ist exemplarisch. Sie kommt aus einer Randregion, und sie kommt vom Land. Von dort bricht sie in die grosse Stadt auf, wo sie sich behauptet und trotzdem für immer die Mona aus dem Mittelthurgau bleibt.

Sie war wie wir. Sie war mal offensichtlich jung. Ein «Girl» mit gepiercter Nase und farbigen Haaren. Sie wurde dann irgendwann dreissig (was wir ausserordentlich fanden), dann kam der Mann und die Kinder und die Geschichten in der «Schweizer Illustrierten» zum 40. Geburtstag.

Sie nahm diesen öffentlich gelebten Abschied von der Jugend derart gelassen hin, dass man etwas neidisch werden konnte. Der Abschied von der «Morgen-Show» von SRF 3 ist der letzte Schritt in dieser Reihe und er passt: Heiter, gelassen, ohne Tränen der Rührung. So wird man richtig erwachsen.

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