Flüchtlinge nehmen an Gratis-Schwimmkursen rege teil

Über die Hälfte der 2016 in Schweizer Seen und Flüssen ertrunkenen Menschen waren Ausländer. Erste Projekte mit Gratis-Schwimmkursen in Zürich verliefen erfolgreich, weitere folgen.

Freiwillige helfen Flüchtlingen: Schwimmer im Becken des Strandbades in Thun. (Archiv)

Freiwillige helfen Flüchtlingen: Schwimmer im Becken des Strandbades in Thun. (Archiv)

(Bild: Keystone Peter Schneider)

Im letzten Jahr hatte die Schweiz 57 Badetote zu beklagen – über die Hälfte, insgesamt 32 – waren Ausländer oder Asylsuchende. Die Zürcher Asylorganisation (AOZ) hat auf die alarmierenden Zahlen reagiert und diesen Frühling erste Schwimmkurse für interessierte Flüchtlinge durchgeführt. Das Pilotprojekt hat offenbar Erfolg: Dank einer Privatinitiative werden nach den Sommerferien drei weitere Kurse, die zudem auch zur Integration beitragen, für insgesamt 24 erwachsene Flüchtlinge angeboten. Dies berichtet heute SRF.ch.

Die AOZ stehe den Initianten mit Rat zur Seite und vermittle interessierte Flüchtlinge. Die Kosten tangierten den Steuerzahlern nicht, weil diese der Schwimmlehrer und sein gemeinnütziger Verein trügen.

Reto Abächerli, Geschäftsführer der Schweizerischen Lebensrettungs-Gesellschaft (SLRG) begrüsst diese Aktion. Es sei richtig und wichtig, Flüchtlinge über die Gefahren aufzuklären und zu sensibilisieren; auch die SLRG biete solche Kurse schon seit längerem an.

Grösste Gefahr in offenen Gewässern

2017 (Stand 8. August) sind 27 Menschen in Schweizer Seen und Flüssen ertrunken. Ohne nähere Angaben, wie viele davon Ausländer oder Asylsuchende sind, sagt Abächerli, dass sich die Tendenz mit einem grösseren Anteil an Ausländern, hauptsächlich männlichen, fortsetze.

Umso deutlicher macht der Chef der Schweizer Rettungsschwimmer darauf aufmerksam, Asylsuchende insbesondere auf die Gefahren und Tücken beim Schwimmen in offenen Gewässern hinzuweisen. Die Statistik zeige beispielsweise, dass es kaum zu tödlichen Unfällen in Hallenbädern komme.

Sicherheit und Freizeit

Dascha Krizan von der AOZ betont gegenüber SRF.ch, dass es bei den Kursen vor allem um die Sicherheit der Flüchtlinge gehe, aber auch die Integration eine Rolle spiele. Die Flüchtlinge kämen nach Zürich und sähen, wie die Bevölkerung hier mit dem Element Wasser umgehe. Da sei es natürlich im Sinne einer Integration, dass sie an dieser Möglichkeit der Freizeitgestaltung teilnehmen könnten.

Die Gratis-Schwimmkurse für Flüchtlinge sollen bis zu den Herbstferien dauern. Ob es danach weitere Kurse gibt – speziell auch für Asylbewerberinnen – hängt laut AOZ aber davon ab, ob man genug Freiwillige findet, die bereit sind, unentgeltlich Flüchtlingen das Schwimmen beizubringen.

Die Schweizerische Lebensrettungs-Gesellschaft SLRG hat einen Spot zu den Gefahren im Wasser realisiert. (Quelle: YouTuve/SLRG)

nag

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