Erich Hess blieb vor der Tür

SVP-Nationalrat Erich Hess wollte mit Berner Ratskollegen ein Bier trinken gehen – doch ihm wurde der Zutritt zur Bar verwehrt. Nicht zum ersten Mal.

«Mein Name ist Erich Hess»: Der nun Dreifach-Parlamentarier wurde schon von der «heute-show» im ZDF veräppelt. (Video: Tamedia-Webvideo / ZDF)
Janine Hosp

Nach der Sitzung des Berner Kantonsparlaments wollten die fünf Parlamentarier zusammen ein Bier trinken gehen. Vier SVPler, ein Grünliberaler, Männer und Frauen. Am Montag, kurz vor 17 Uhr, warteten sie vor der Bar «Die Taube» in der Berner Altstadt, bis sich die Türe öffnete. Kurz vor 17 Uhr erschien ein Mitarbeiter, liess sie aber nicht hinein. «Weshalb, muss ich ja nicht erklären», sagte er nur.

Tatsächlich schien den Abgewiesenen klar, weshalb sie nicht erwünscht waren. Es war nur ein bekanntes Gesicht unter ihnen und das gehörte Erich Hess, SVP-Nationalrat, Berner SVP-Stadtrat und seit letztem Wochenende nun auch gewählter SVP-Grossrat. Er politisiert und provoziert am rechten Rand des Politspektrums und sprach auch schon von «dealenden Negern» – was ihm eine Klage der Jungen Grünen eintrug. Der Mann an der Tür der «Taube» sprach breiten Berner Dialekt und er hatte eine dunkle Haut.

Angestarrt, bedrängt, mit Bier übergossen

«Das geht gar nicht», ärgert sich Michel Rudin, der Grünliberale unter den Parlamentariern. Natürlich, Erich Hess sei eine Reizfigur und politisch sei er gar nicht auf seiner Linie. Aber gleichgültig, ob jemand links oder rechts politisiere – niemandem dürfe aufgrund seiner politischen Gesinnung der Zutritt zu einem Lokal verweigert werden. Rudin ist Co-Präsident von Pink Cross und noch bis Ende Legislatur Mitglied des Kantonsparlaments. Er wurde am Sonntag nicht wiedergewählt.

«Ich lasse mich nicht einschränken – denn das wollen sie ja mit einem solchen Verhalten gerade erreichen.»Erich Hess 

Für Erich Hess ist es nicht das erste Mal, dass ihm der Zutritt zu einem Lokal verweigert wird, wie er sagt. Wenn er abends in Stadtberner Lokalen unterwegs ist, wird er oft angestarrt, manchmal bedrängt, und in einer linksalternativen Beiz wurde er vor zwei Jahren mit Bier überschüttet. Dennoch sagt er: «Ich lasse mich nicht einschränken – denn das wollen sie ja mit einem solchen Verhalten gerade erreichen.» Er habe einen breiten Rücken und könne über solche Zwischenfälle nur lachen.

Dennoch: Wenn er von «dealenden Negern» spricht, dann entsteht der Eindruck, dass er Menschen mit dunkler Hautfarbe nicht wohlgesonnen ist. «Es kommt auf die Einstellung an, nicht auf die Hautfarbe», antwortet Hess. Auch sein Nachfolger, der Co-Präsident der Jungen SVP des Kantons Bern, habe eine dunklere Hautfarbe. «Das zeigt, dass weder die SVP noch ich rassistisch sind, wie dies oft behauptet wird.» Hess findet es zwar nicht richtig, dass ihm der Zutritt zur Taube verweigert wurde, er wird aber nicht gegen die Bar vorgehen.

Twitter-Test

Und was sagt der Mann, der an der Tür der Taube stand? Er habe tatsächlich Erich Hess angesehen, als er sagte, sie wüssten ja, weshalb sie nicht eingelassen würden. Aber er habe ihm nicht wegen seiner politischen Gesinnung den Zutritt verweigert. Schliesslich sei dieser schon am Donnerstag zuvor in der Taube gewesen und sei wie alle anderen Gäste auch bedient worden. Im vergangenen Sommer jedoch seien Hess und andere Parlamentarier in der Taube eingekehrt und es sei zu grossen Diskussionen gekommen. Das habe er verhindern wollen, als er erneut eine ganze Gruppe vor der Tür stehen sah. Aber: Er fände es schon speziell, wenn ein Politiker von «Negern» spreche und nachher eine Bar besuche, die auch von Männern mit nigerianischen und philippinischen Wurzeln geführt werde.

Michel Rudin, der Grünliberale, wollte nach der Beizentour am Montagabend wissen: Sind seine Follower auf Twitter auch der Meinung, dass niemandem wegen seiner politischen Gesinnung der Zutritt zu einem Lokal verweigert werden darf? Oder ärgerte sie das nur, wenn linke Politiker betroffen wären? Er machte den Test. Um Mitternacht setzte er den folgenden Tweet ab: «Was soll denn das: War gestern mit einer prominenten Linksaussen-Nationalrätin unterwegs und wir wurden nicht in eine Bar gelassen ... Grund: ihre Politik! #geitsno #Liberal #Feminismus #Gleichstellung».

Die Aufregung hielt sich in engen Grenzen.

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