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Endlich Chef

Die Bundeshausfraktion der SVP hat den Zuger Nationalrat Thomas Aeschi zu ihrem neuen Präsidenten gewählt.

Er ist rechts und intellektuell: SVP-Nationalrat Aeschi.
Er ist rechts und intellektuell: SVP-Nationalrat Aeschi.
Thomas Hodel, Keystone

Soll einfach niemand mehr behaupten, als Streber sei man ausschliesslich ein einfaches Opfer. Natürlich hat Thomas Aeschi während seines Durchstiegs nach oben all jene Gemeinheiten ertragen müssen, die jeder Streber ertragen muss. Wie gewissenhaft er sei, wie diszipliniert und pünktlich und gut vorbereitet. Das sagen seine Parteifreunde über ihn, und zwar in jenem ätzenden Ton, der dem Gegenüber nicht eben subtil zu verstehen gibt: Der ist etwas komisch, dieser Aeschi.

Doch nun hat er es geschafft. Seit gestern ist er Fraktionschef. Ihm scheinen die Frotzeleien nie viel ausgemacht zu haben. Auf seiner Website prangen die Titel des Ökonomen und Unternehmensberaters (lic. oec. HSG, Harvard MPA) selbstbewusst in der Unterzeile, verlinkt hat er ein NZZ-Porträt mit dem Titel «Der Himmelstürmer».

Nach oben, nach oben

Gestürmt hat der 38-Jährige während seiner Karriere tatsächlich, stets, und es gibt nur wenige Politiker in der Schweiz, die ihre Ambitionen so offensichtlich vor sich her tragen. Das begann bereits im Kantonsrat in Zug, als sich der 31-jährige Aeschi auf direktem Weg für den Regierungsrat bewarb (erfolglos). Im Bundeshaus, in dem er seit 2011 als Nationalrat sitzt, kandidierte er 2015 genauso selbstbewusst und erfolglos für die Nachfolge von Eveline Widmer-Schlumpf.

Video: Der neue SVP-Fraktionspräsident

Gab nach seiner Wahl Auskunft: SVP-Fraktionspräsident Thomas Aeschi. (Video: Tamedia/SDA)

Nach oben, nach oben. Mit allen Mitteln. Aeschi steht stellvertretend für die neue SVP-Generation. Rechts und intellektuell und karrierebewusst. Früh bewegte er sich in der Nähe von Christoph Blocher, engagierte sich in diversen Komitees von ihm und entwickelte einen guten Draht nach Herrliberg. Das gefiel und gefällt – gerade in der SVP – nicht allen. «Günstling» nennen sie ihn, und es ist nicht der böseste Ausdruck für seine kolportierte Nähe zu Blocher. Neid und Missgunst, das gibt es auch in der grössten Partei der Schweiz.

«Die Entscheidungsfreude geht ihm ab», zitierte die NZZ in ihrem Himmelstürmer-Porträt einen anonymen SVP-Politiker aus Aeschis Heimatkanton Zug. Seine Instruktionen hole er sich dann jeweils von der anderen Seite des Sees, vom Chef. Auch das ist natürlich gemein, aber es gehört zur Erzählung, zur Erklärung des rasanten Aufstiegs von Thomas Aeschi. Genau so wie die Phase vor und nach der Bundesratskandidatur, als er offensiv versuchte, sein kaltes Image zu verändern und etwas Bodennähe zu bekommen. Er kaufte sich eine Kampfkuh, über deren Wohlergehen in Toni Brunners Stall er regelmässig berichtet. Er ging auf die Alp, um zu Käsen; er fuhr mit dem Töff durch Afrika, um die Flüchtlingssituation vor Ort zu beschauen.

Überlässt das Feld den anderen: Alfred Heer will nicht mehr Chef der SVP-Fraktion werden. Bild: Keystone / Dominic Steinmann
Überlässt das Feld den anderen: Alfred Heer will nicht mehr Chef der SVP-Fraktion werden. Bild: Keystone / Dominic Steinmann

Er macht erfolgreich auf SVP, und das nicht nur mit Ausflügen in die Welt der Kampfkühe und Käsereien, sondern auch politisch. Er ist eine Stimme geworden in der Flüchtlings- und der Finanzpolitik, zwei Kernthemen der Partei.

Seit gestern Freitag ist er nun die Stimme der Partei. Das Getuschel wird nicht verstummen. Doch gleichzeitig ist die Wahl auch ein Zeichen des Respekts. Er mag strebsam sein. Doch ein Blender, das sagen selbst die ätzendsten Kritiker, das ist Aeschi nicht. (los)

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