Einige verdienen prächtig daran

Fabian Renz, Leiter Bundeshausredaktion, über die unablässig steigenden Krankenkassenprämien.

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Der aktuelle Prämienanstieg ist in Gestalt und ­Wirkung einem ­Mottbrand vergleichbar. Vor 15 Jahren schlugen die Flammen hoch, als die Prämien um fast 10 Prozent anwuchsen. Die Gegenwart ­nimmt sich gefährlich unspektakulär aus: Um 4 Prozent geht die Standardprämie 2018 nach oben, vergleichbar stark wie in den ­Vorjahren. Doch wenn es schwelt statt ­flackert, sind die Folgen nicht weniger gravierend. Sie stellen sich bloss leiser und heimtückischer ein. Tatsache bleibt, dass das Glück eines ­kontinuierlichen Lohnwachstums um jährlich 4 Prozent nur wenigen Schweizern beschieden ist. Die Löhne legten seit 1996 um 20 Prozent zu, die Prämienlast verdoppelte sich. Dass keine Trendwende in Sicht ist, wurde uns gestern einmal mehr verdeutlicht.

Der Überbringer der neuen (alten) schlechten Nachrichten heisst Alain Berset. Der ­SP-Bun­desrat ist im Moment nicht zu beneiden. Als Sozialminister hat er am Sonntag mit dem Nein zur Altersvorsorge 2020 die bisher grösste Niederlage seiner Karriere erlitten. Als Gesundheitsminister muss er vier Tage später vor die Medien treten, um sich in der gleichen Endlosschlaufe wie seine glücklosen Vorgänger zu exponieren. Den Kostenanstieg im Gesundheitswesen zu bremsen, scheint noch anspruchsvoller als eine Reform der Altersvorsorge, weil die Kosten eben nicht für jedermann Kosten sind: Einige verdienen prächtig daran.

Den Doktor mag man, die Krankenkasse nicht

Um dennoch Änderungen herbeizuführen, gilt es zunächst, die Profiteure des Status quo klar zu benennen. Es handelt sich in erster Linie um die ­Ärzteschaft. Wohlgemerkt: Unsere Mediziner leisten hervorragende Arbeit. Aber keine Qualität der Welt rechtfertigt ein System, das längerfristig den Mittelstand ruiniert. Man neigt instinktiv dazu, seinen Doktor zu mögen, seine Krankenkasse hingegen nicht. Im Spiel um die Kosten gehört der Doktor indes nicht zu den Guten.

Gestern zum Beispiel gingen Ärzte in Bern auf die Strasse, um gegen die Pläne für eine verschärfte Zulassung von Arztpraxen zu demonstrieren. Auch der Eingriff des Bundesrats in die Arzttarife wird bekämpft. Dabei sind diese Massnahmen nicht nur vernünftig, sie sind vor allem noch zu brav. Das Tarifsystem Tarmed bedarf einer grundlegenden Reform, die ausufernde Behandlungen und Fantasie­buchungen erschwert. Und wenn ein Kanton mal ein Spital schliesst, sollte dies nicht gleich mit der Abwahl des Gesundheitsdirektors geahndet werden. Viele Prämienzahler müssen noch lernen, auch dann als Prämienzahler zu denken, wenn sie Stimmbürger sind.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 28.09.2017, 21:39 Uhr

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