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Eine Hoffnung namens Eva Herzog

Nach einem schwierigen Start als Basler Regierungsrätin hat sich Eva Herzog die Akzeptanz aus allen politischen Lagern erarbeitet. Das kommt ihr nun als Bundesratskandidatin in spe zugute.

Es war ein ungleiches Paar und ein entscheidender Moment: auf der einen Seite Adrian Ballmer, der behäbige und wortgewaltige Baselbieter Finanzdirektor; auf der anderen Eva Herzog, seine zierliche und unerfahrene Basler Amtskollegin. Die beiden schenkten sich im BaZ-Streitgespräch vor drei Jahren nichts. Ein ums andere Mal griff der freisinnige Ballmer in harschen Worten die Finanzpolitik seiner sozialdemokratischen Kollegin an, die zu teuren und zu umfangreichen städtischen Leistungen. Herzog reagierte zwar hörbar genervt – aber mit Argumenten. Sie ging als deutliche Siegerin nach Punkten aus diesem Streitgespräch.

Es war ein erster öffentlicher Erfolg einer mühseligen Anfangszeit als Basler Regierungsrätin. Nach ihrer Wahl in die Regierung Ende 2004 und der Übernahme des Finanzdepartements im Februar 2005 trauten die wenigsten Herzog das Amt auch wirklich zu. Als Historikerin, Verfassungsrätin, Mitglied der Bildungs- und Kulturkommission und SP-Fraktionschefin im Grossen Rat hatte sie vor ihrer Wahl mit Finanzfragen nur am Rande zu tun, was Anlass für hämische Kommentare vor allem von bürgerlicher Seite war. Als Herzog dann noch vor ihrem Amtsantritt in einem Interview ungeschickt Goldmillionen aus dem Schatz der Nationalbank verteilen wollte, waren die Meinungen gemacht.

Nach innen konzentriert

Herzog kapselte sich nach den schlechten Erfahrungen von der Öffentlichkeit ab und konzentrierte sich ganz auf ihr Departement. Sie habe sich mit einer Freude und mit einem Engagement eingearbeitet, wie sie es selten erlebt habe, sagt Nationalrätin Silvia Schenker (SP, BS), eine langjährige politische Weggefährtin von Herzog: «Sie ist in der Lage, sich in jedes Thema einzuarbeiten. Und danach die verschiedensten Ansprüche unter einen Hut zu bringen.»

Diese Stärke zeigte sich bei ihren grössten Erfolgen als Finanzdirektorin: dem Kompromiss zur Sanierung der maroden Pensionskasse und der Steuersenkungsvorlage vor zwei Jahren. Es waren schier unlösbare Fragen, die Herzog bearbeiten musste, und zweimal gelang ihr das zur Zufriedenheit der Mehrheit. Ein politisches Kunststück. Seither sind aus dem bürgerlichen Lager keine hämischen Kommentare mehr zu hören, sondern Lob. Ihre Arbeit sei «solid und seriös», sagt CVP-Grossrat Lukas Engelberger; sie habe ihre Sache «gut gemacht und die Ausgaben im Zaum gehalten», so der Basler SVP-Nationalrat Jean Henri Dunant.

Schwächen und Stärken

Heute wird nicht mehr über fehlendes Hintergrundwissen gemäkelt – heute wird sie für höhere Weihen empfohlen. Eva Herzog würde bei einer Kandidatur für die Nachfolge von SP-Bundesrat Moritz Leuenberger parteiübergreifend Unterstützung erhalten. «Sie bringt die Qualifikationen mit, die Baustellen in Leuenbergers Departement zu bewältigen», sagt Nationalrat Peter Malama (FDP, BS). Er würde eine Kandidatur von Herzog unbedingt begrüssen: «Und sei es nur, um in Bundesbern Präsenz zu zeigen.»

Andere von der BaZ angefragte bürgerliche Politiker argumentieren ähnlich und hoffen auf eine Kandidatur von Herzog, auch wenn ihre Chancen gering seien. Zu wenig bekannt in Bundesbern, zu wenig vernetzt, zu starke Konkurrenz. «Ich werde schon helfen, ihre hervorragende Arbeit in Bern bekannt zu machen», sagt Regierungsrat Christian Wanner (FDP, SO), Präsident der Kantonalen Finanzdirektorenkonferenz, dazu. «Eva Herzog wäre eine ausgezeichnete Bundesrätin.»

Auch Ständerätin Anita Fetz (SP, BS) räumt einer Kandidatur von Herzog durchaus Chancen ein. «Eine Bewerbung aus Basel wäre genau zwischen der Bern-Zürich-Front. Das könnte eine Stärke sein.» Fetz selber hat am Wochenende ihren Verzicht auf eine Kandidatur bekannt gegeben und stellt sich nun in den Dienst ihrer Parteikollegin. Sie würde in Bern – wo Herzog nur wenig bekannt ist – der Basler Finanzdirektorin die «richtigen Kanäle» öffnen.

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