Eine Chance für die Arbeitgeber

Wenn Firmen nicht vermehrt Inländer rekrutieren, kommt der Hammer bei der nächsten Abstimmung über die Personenfreizügigkeit.

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Kaum je hat das Parlament eine Volksinitiative so verwässert wie die Masseneinwanderungsinitiative. Der Grund dafür ist nachvollziehbar: Die Zuwanderungssteuerung à la SVP hätte nicht nur die Personenfrei­zügigkeit mit der EU beendet, sondern das Verhältnis mit dem wichtigsten Handelspartner der Schweiz stark beschädigt. Der Schaden für die inländischen Arbeitskräfte wäre wohl grösser gewesen als der Nutzen durch die Wiedereinführung von Kontingenten.

Um dem Volkswillen trotzdem etwas Genüge zu tun, beschloss das Parlament den Arbeitslosenvorrang. Registrierte Stellensuchende haben bei meldepflichtigen Stellen fünf Tage Bewerbungsvorsprung. Profitieren können vorerst Berufsgruppen, deren Arbeitslosigkeit über 8 Prozent liegt, etwa Küchen- und Ser­vicepersonal oder Marketingfachleute.

Die Unternehmen handeln kurzsichtig, wenn sie die Stellenmeldepflicht als lästige Behördenschikane sehen.

Ob sich auf dem Arbeitsmarkt die Lage für inländische Arbeitskräfte – Schweizer und Ausländer – verbessert, ist völlig offen. Der Erfolg hängt unter anderem von der Effizienz und der Qualität der Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) ab. Sind diese in der Lage, den Firmen innert dreier Tage Dossiers von passenden Bewerbern zuzuschicken? Erfahrungsberichte von Arbeitslosen lassen zuweilen gewisse Zweifel aufkommen: Manche beschreiben das RAV als bürokratisch und zu weit weg vom Arbeitsmarkt.

Doch die RAV haben eine faire Chance verdient, und ihr Erfolg liegt auch in den Händen der Arbeitgeber. Diese haben weiterhin die Freiheit, nach den optimalen Kandidaten im EU-Raum zu suchen, statt auch mal den zweit- oder drittbesten Inländer zu nehmen. Doch die Unternehmen handeln kurzsichtig, wenn sie die Stellenmeldepflicht als lästige Behördenschikane sehen und nicht als Chance. Denn trotz tiefer Arbeitslosigkeit und viel zitiertem Fachkräftemangel bläst vielen Arbeitnehmern ein rauer Wind entgegen, vor allem älteren und solchen mit geringer Qualifikation.

Wenn sich die Firmen nicht vermehrt im inländischen Arbeitskräftereservoir bedienen, kommt der Hammer bei der nächsten Volksabstimmung über die Personenfreizügigkeit. Die SVP sammelt seit Januar Unterschriften für ihre Begrenzungsinitiative. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 26.06.2018, 21:56 Uhr

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