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Ein Winzer zum höchsten Schweizer gewählt

Jean-René Germanier amtiert für ein Jahr als höchster Schweizer. Der freisinnige Walliser gilt als politischer Spätzünder.

Übernimmt von Pascale Bruderer das Amt des Nationalratspräsidenten: Jean-René Germanier.
Übernimmt von Pascale Bruderer das Amt des Nationalratspräsidenten: Jean-René Germanier.
Keystone

Jean-René Germanier amtiert für ein Jahr als höchster Schweizer. Der Nationalrat hat den freisinnigen Politiker aus dem Wallis mit 163 von 170 gültigen Stimmen zu seinem Präsidenten gewählt. Erst mit 45 Jahren ist Jean-René Germanier in die nationale Politik eingestiegen. Sieben Jahre nach seiner Wahl zum Nationalrat präsidiert der FDP-Politiker aus dem Wallis nun für ein Jahr «mit Stolz» die Grosse Kammer.

Als Jean-René Germanier 2003 in den Nationalrat gewählt wurde, hatte er kaum politische Erfahrung: Er hatte einst als Vize-Präsident der Jungfreisinnigen Wallis geamtet und engagierte sich in der Legislative seiner Gemeinde Vétroz VS bei Sitten.

Schnell und gut habe er sich in Bern eingearbeitet, sagt Léonard Bender. «Mit Geschick hat er sich einen Platz im Parlament gesichert.» Der ehemalige Vize-Präsident der FDP Schweiz kennt Germanier gut. Die beiden waren Kollegen und arbeiteten in verschiedenen Parteigremien zusammen. Bei den Nationalratswahlen 2003 traten die beiden als Konkurrenten gegeneinander an.

Jung Unternehmer geworden

Germanier ist spät in die Politik eingestiegen, obwohl er aus einer Politikerfamilie stammt. Sein Grossvater war Präsident der Gemeinde Vétroz, sein Vater vertrat die Walliser FDP von 1947 bis 1967 mit einem kleinen Unterbruch im Nationalrat. Vater und Grossvater politisierten wie Germanier selbst in der FDP.

Der Grund für den späten Einstieg liegt in seiner beruflichen Situation: Mit 23 Jahren übernahm Germanier das elterliche Weingut. Als junger Unternehmer erfuhr er, was es bedeutet, Verantwortung für einen Betrieb zu übernehmen. Diese Erfahrung prägte seine Politik.

In Bundesbern engagierte sich das Vorstandsmitglied des Schweizerischen Bauernverbands in erster Linie in den Bereichen Landwirtschaft, Weinbau, Tourismus und Energie. In der Kommissionen für Verkehr und Fernmeldewesen, in der er für die FDP einsitzt, tritt er als vehementer Verfechter einer Liberalisierung im Service public auf und setzt sich für ein Gleichgewicht zwischen Strassen- und Schienenverkehr ein.

Will ganze Schweiz bereisen

Der im Wallis verwurzelte Germanier politisiert rechts von der Mitte – diskret und ohne grosses mediales Aufsehen. Seine Kritiker bezeichnen ihn deshalb als einen «konsensorientierten Politiker ohne Ecken und Kanten». Er selbst verabscheut die mediatisierte Politik. «Man muss kein Aufsehen erregen, um aktiv zu politisieren», lautet sein Credo.

Vielmehr will er mithelfen, Lösungen für bestehende Probleme zu finden und dadurch Vorlagen zum Abschluss bringen. Léonard Bender bezeichnet ihn als einen Politiker, der in seinen Aufgaben aufgeht und die Konkordanz hochhält.

Seine Position als höchster Schweizer will Germanier ausnutzen: «Während meines Präsidialjahrs werde ich allen Kantonen der Schweiz einen Besuch abstatten.» Verständigungsprobleme wird er dabei keine haben: Der 51-Jährige sprich alle drei Landessprachen – selbst Schweizerdeutsch schreckt ihn nicht ab.

SDA/mrs

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