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Ein verspäteter, schmutziger Schuldspruch

Strafurteile sind auch Warnsignale an die Gesellschaft. Aber der Behring-Prozess taugt nicht zur Abschreckung.

Noch ein Akt im langjährigen Prozess: Dieter Behring (r.) betritt das Gericht in Bellinzona.  (30. März 2017)
Noch ein Akt im langjährigen Prozess: Dieter Behring (r.) betritt das Gericht in Bellinzona. (30. März 2017)
Gabriele Putzu, Keystone
Schuldig: Das Bundesstrafgericht hat den Financier Dieter Behring am 30. September 2016 wegen Betrugs zu einer Haftstrafe verurteilt. (Juni 2016)
Schuldig: Das Bundesstrafgericht hat den Financier Dieter Behring am 30. September 2016 wegen Betrugs zu einer Haftstrafe verurteilt. (Juni 2016)
Pablo Gianinazzi, Keystone
Er soll die Strafanzeige gegen Michael Lauber prüfen: Thomas Hansjakob, der Erste Staatsanwalt des Kantons St. Gallen. (Archivbild)
Er soll die Strafanzeige gegen Michael Lauber prüfen: Thomas Hansjakob, der Erste Staatsanwalt des Kantons St. Gallen. (Archivbild)
Ennio Leanza, Keystone
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Dieter Behring betrieb ein Schneeballsystem. Sein angeblich geniales Börsenhandelsprogramm war nicht mehr als ein «Bluff», urteilte das Bundesstrafgericht heute in Bellinzona. «Krass egoistisch» und «rücksichtslos» habe er gehandelt. Die Strafe: fünf Jahre und sechs Monate Gefängnis.

Doch noch, könnte sich die Justiz in Bern nun sagen. Deckel drauf auf diesen toxischen Fall. Und dann verbuddeln.

Das wäre ein grober Fehler. Vom Ergebnis her ist die Strafe zwar mit anderen grossen Wirtschaftsstraffällen vergleichbar: Werner K. Rey erhielt vier Jahre, Rolf Erb sieben Jahre (in der Schweiz), Damara Bertges, die Anführerin des European Kings Clubs, acht Jahre (in Deutschland).

Aber das ist nicht der Punkt. Entscheidend ist, wie die Bundesanwaltschaft das Ergebnis erzielt hat – es ist ein verspäteter, schmutziger Schuldspruch. Zwei Bundesanwälte brachten keine Anklage zustande, Panne reihte sich an Panne, und nach acht Jahren musste ein Spezialteam die Ermittlungen neu lancieren. «Das Verfahren hat insgesamt viel zu lange gedauert und uferte immer mehr aus», sagte Richter Daniel Kipfer Fasciati bei der Urteilsverkündung. Die Justiz habe sich in «Nebenschauplätzen» verheddert.

Behrings Verteidiger stellen deswegen die ganze Untersuchung infrage. Sie haben einige gute Argumente im Köcher, die sie wohl auch am Bundesgericht in Lausanne nochmals einsetzen werden.

Zwölf Jahre dauerte es bis zum Urteil. Im Gerichtssaal traten diesen Sommer Zeugen auf, die auf Detailfragen nur den Kopf schüttelten. Sie hätten sich ja gerne erinnert, aber sie konnten es nicht. Manche konnte man auch gar nicht mehr fragen, sie waren tot. Und mancher News-Leser dürfte sich bei der Lektüre dieses Texts wundern: Was – der Behring? Immer noch?

Strafurteile sind auch Warnsignale an die Gesellschaft. Verbrechen lohnt sich nicht, sollen sie aussenden. Aber der Behring-Prozess taugt nicht zur Abschreckung. Dessen Botschaft lautet eher: Vielleicht, äh, mal schauen, äh, ja, wie gesagt, äh, nächstes Jahr...

Nein, viel eher taugt der Fall als Warnung an die Bundesanwaltschaft, sich besser aufzustellen, damit sich ähnliche Börsenmagier und Geldvermehrer in Zukunft schneller vor Gericht wiederfinden. Das oft genannte Beispiel des US-Betrügers Bernie Madoff, der in New York sechs Monate nach seiner Verhaftung zu 150 Jahren Gefängnis verurteilt wurde, eignet sich nicht als Muster für die Schweiz. Zu unterschiedlich sind die Rechtssysteme. Aber auch in den Kantonen und in Deutschland gibt es Beispiele für komplexe Millionenbetrügereien, die in weniger als fünf Jahren aufgearbeitet wurden.

Das sollten auch die Strafverfolger des Bundes schaffen.

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