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Ein Rückzug wäre konsequent

Die CVP braucht die Erkenntnis, dass die Ehe nicht abgewertet wird, wenn sie allen offensteht.

In der CVP kursieren Umfragewerte, die belegen, dass die Partei an ihrer Basis vorbeipolitisiert. Eine deutliche Mehrheit der Wähler will demnach die Ehe nicht als Verbindung von Mann und Frau in der Verfassung definiert haben. Genau dies sieht aber die zweite CVP-Initiative vor, die voraussichtlich 2016 an die Urne kommt. Sie würde die Heiratsstrafe abschaffen und nebenbei gleich sagen, welche Art von Heirat gemeint ist, nämlich nur die traditionelle. Die Basis kann sich dagegen offenbar vorstellen, dass auch homosexuelle Paare mitgemeint sind.

Der Konflikt um die explizite Definition der Ehe in der Bundesverfassung droht die CVP zu spalten. Die Parteileitung und vereinzelte Fraktionsmitglieder sowie Teile des Initiativkomitees lehnen die Initiative aus gesellschaftspolitischen Gründen ab. Spätestens nach der Abstimmung über die parteiintern breiter abgestützte Familieninitiative am 8. März werden diese Differenzen offen ausgetragen. Das schadet der Partei unnötigerweise. Statt auf einen Gegenvorschlag hinzuwirken und weiterhin Grabenkämpfe interner rivalisierender Lager zuzulassen, sollte die Partei­leitung die Initiative zurückziehen. Denn die CVP-Wähler haben recht: Die christliche Botschaft steht für Liebe, nicht für Ausgrenzung.

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