Ein renommierter Jurist im Schuldenschlamassel

Der Medienrechtler und Dozent Franz A. Zölch steckt in argen finanziellen Schwierigkeiten. Gemäss dem «Beobachter» versucht er nun, mit dubiosen Versprechen an Geld zu kommen.

«Die Gläubiger werden in den nächsten Tagen bezahlt. Ich arbeite intensiv daran»: Franz A. Zölch.

«Die Gläubiger werden in den nächsten Tagen bezahlt. Ich arbeite intensiv daran»: Franz A. Zölch.

(Bild: Keystone)

Franz A. Zölch war einst ein angesehener Jurist, er dozierte Medienrecht an der Schweizer Journalistenschule MAZ, daneben präsidierte er die Schweizer Eishockey-Nationalliga, nicht zuletzt bildete er mit der attraktiven Berner SVP-Regierungsrätin Elisabeth Zölch ein Traumpaar. Von diesem Glanz ist nichts mehr übrig. Vor sechs Jahren trennte er sich von seiner Frau, gleichzeitig häuften sich in den Medien Berichte über finanzielle Probleme. Dieses Problem hat sich offensichtlich verschärft. Gemäss Betreibungsregister beläuft sich der Schuldenberg auf rund 1,9 Millionen Franken.

Der «Beobachter» berichtet nun von dubiosen Versprechen, mit denen Zölch versuche, an Geld zu kommen. Die Zeitschrift stützt sich auf Berichte von Personen, die geschäftlich mit dem Berner Juristen verkehrten. In einem Fall habe Zölch einem Kunden erzählt, dass auf einem Konto in Genf fünf Millionen Euro liegen würden. Dabei handle es sich angeblich um Geld aus einem Geschäft, das mit dem 9/11-Attentat zerstört worden sei. Um an das Geld zu kommen, habe Zölch um ein Darlehen von 50'000 Franken gebeten – als «Depot für die Freigabe eines Bankkontos».

«Das erinnerte mich an nigerianische Betrüger-Mails»

Zuerst bezahlen, um dann an die Millionen zu kommen? Das machte den Kunden von Zölch stutzig, wie der «Beobachter» schreibt. «Irgendwie erinnerte mich das Ganze an diese nigerianischen Betrüger-Mails», wird der Kunde zitiert, der schliesslich Zölchs Bitte um ein Darlehen ablehnt. Offenbar haben mehrere Personen ähnliche Erfahrungen mit dem einst renommierten Berner Medienrechtler gemacht. In einigen Fällen soll Zölch fünf- bis sechsstellige Beträge erhalten haben. «Sie alle warten bis heute auf ihr Geld. Einige haben Betreibungen eingeleitet, andere prüfen Strafanzeigen», berichtet der «Beobachter».

Zölchs Geschäftsgebaren, das Fragen aufwirft, dokumentiert auch ein Fall, der DerBund.ch/Newsnet bekannt ist. So regte Zölch bei einem Verleger die Zusammenarbeit für ein Netzwerk für Kleinverlage an. Nach einigen Besprechungen forderte er Geld für die «Vorfinanzierung». Damit war die Zusammenarbeit aber bereits beendet. Der von Zölch angefragte Verleger war von Verlegerkollegen gewarnt worden.

Zusammenarbeit mit dubiosem Geschäftsmann

Seine finanziellen Probleme führt Zölch auf «Debitorenverluste in den Jahren 1999 bis 2001» zurück, wie die «Berner Zeitung» berichtete. Dabei geht es um private Darlehen, Forderungen für aus­geliehenes Personal und für nicht einbezahlte Lohnabzüge. Dazu kommen auch Ausstände bei den Steuern. Laut «Beobachter» haben sich allein zwischen Januar 2009 und Mitte August 2011 Betreibungen in der Höhe von rund 1,9 Millionen Franken angesammelt. Verhängnisvoll für Zölch dürfte unter anderem die Zusammenarbeit mit einem britischen Geschäftsmann gewesen sein, der von der französischen Justiz wegen Betrugsverdachts gesucht worden war, wie die Zeitschrift berichtet. Zölch wirkte als Generalbevollmächtigter für die Rechtsangelegenheiten des Briten, der von einem Tag auf den anderen plötzlich verschwand.

Und was sagt Zölch zu den Geschichten über seine finanziellen Probleme? Er möchte zu den einzelnen Vorwürfen nicht Stellung nehmen. «Ich verstehe den Unmut. Es hat unanständig lange gedauert», wird Zölch in der «Berner Zeitung» zitiert. «Aber mein Wille ist ungebrochen, dass ich alle rechtmässigen Ansprüche rasch befriedigen kann.» Und gegenüber dem «Beobachter» liess Zölch Folgendes verlauten: «Die Gläubiger werden in den nächsten Tagen bezahlt. Ich arbeite intensiv daran.»

vin

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