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Ein Ratten-Theater um die SVP

Ein Werbeplakat mit drei Ratten, die sich an einem Schweizer Käse verköstigen, hat im Tessin für Aufruhr gesorgt. Jetzt haben sich die Initianten der Kampagne zu Wort gemeldet.

Sorgt für Empörung: Ein Werbebplakat der SVP.
Sorgt für Empörung: Ein Werbebplakat der SVP.
Keystone

Hinter der umstrittenen Werbekampagne mit drei Ratten, die sich an einem Schweizer Käse verköstigen, steckt die Tessiner SVP. Den Vorwurf des Rassismus und der Xenophobie weist Parteipräsident Pierre Rusconi zurück. Er vermisst im Politestablishment den Humor.

«Bei uns ist es zu einer Art Nationalsport geworden, dass man sich über alles Mögliche empört», sagte Rusconi am Freitag in Rivera vor den Medien. Gegenüber den Journalisten bedankte er sich für das grosse Interesse. Denn das Sujet mit den drei Ratten war in den letzten Tagen in unzähligen Medien abgebildet worden.

Um auf herkömmlichem Weg eine solche Resonanz zu erzielen, hätte man laut Rusconi zwei Millionen Franken investieren müssen. Daher seien die 30'000 Franken – so viel kostete die Kampagne bisher – gut angelegtes Geld. Die Reaktionen, die die Aktion in der Schweiz und in Italien auslöste, bezeichnete Rusconi als irrational und überproportional. Schliesslich habe die SVP nur diejenigen Themen zur Diskussion gebracht, die die Tessiner Bevölkerung bewegten.

Empörender Vergleich

Nach Auffassung der Partei sind dies die kontinuierlich steigende Zahl der italienischen Grenzgänger, kriminelle Ausländer sowie die Tatsache, dass die Schweiz 40 Prozent der Grenzgängersteuern an Italien abliefert. Die SVP erteilte daher dem Werber Michel Ferrise den Auftrag, diese Themen gestalterisch umzusetzen. Der aus Kalabrien stammende Werber schuf drei Ratten, die sich an einem Schweizer Käse verköstigen.

Einer der Nager heisst Bogdan, trägt eine Maske und ist Rumäne. Den Rumänen wird nachgesagt, im Tessin für zahlreiche Einbrüche verantwortlich zu sein. Eine andere Ratte ist der Plattenleger Fabrizio aus Verbania, womit auf die weit verbreitete Meinung angespielt wird, die italienischen Grenzgänger würden den Tessinern die Arbeit wegnehmen.

Die dritte Ratte heisst Giulio, ein Anwalt aus der Lombardei. Er trägt einen Schild – ein deutlicher Hinweis auf den italienischen Finanzminister Giulio Tremonti, der mit seinem «Steuerschild», dem sogenannten «Scudo fiscale», den Tessiner Bankenplatz trockenlegen wollte.

Breitseite gegen Regierung und Botschafter

Die Ratten-Kampagne sorgte sowohl dies- als auch jenseits der Grenze für Schlagzeilen. Die Tessiner Regierung und der Schweizer Botschafter in Rom distanzierten sich, und die Tessiner Deputation in Bern bezeichnete die Aktion als «Dummheit».

Dies brachte wiederum Rusconi auf die Palme. Von der Tessiner Regierung erwartet er «nicht Empörung über ein Plakat, sondern Lösungen für die Probleme, die sie mitzuverantworten hat». Und der Botschafter solle sich nicht entschuldigen, sondern dafür sorgen, dass Italien die bilateralen Verträge korrekt anwende und den Schweizer Firmen den Marktzugang nicht durch bürokratische Hürden versperre.

Verwirft Vorwürfe

Auch den Vorwurf, die SVP wolle die Grenzgänger aussperren, liess Rusconi, der sein Geld als Treuhänder verdient, nicht gelten. Er sei sich durchaus bewusst, dass die Tessiner Wirtschaft ohne Grenzgänger nicht funktionieren würde. Doch es dürfe nicht sein, dass zunehmend einheimische Arbeitskräfte durch Italiener ersetzt würden. Er appellierte deshalb an die Unternehmen, ihre soziale Verantwortung gegenüber der Schweiz wahrzunehmen und vermehrt im Tessin wohnhafte Leute anzustellen.

(SDA)

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