E-Bikes, Segways, Flowkart: Was darf auf den Veloweg?

Der Velo-Artikel will Fahrradwege fördern. Wir sagen Ihnen, mit welchen Gefährten Sie überhaupt auf die Strasse dürfen.

Das Veloland Schweiz in Zahlen. Video: Tamedia

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Früher war es einfach: Auf Velowegen und Velostreifen fuhren Velos, also muskelbetriebene Zweiräder, und gelegentlich benzinbetriebene Töffli (Motorfahrräder).

Natürlich gab es zu jeder Zeit Innovationen und Exotisches. In den 70er Jahren tauchten die Mini-Velos auf. In den Achtziger-Jahren setzten sich alternativ Gestrickte auf die ersten Liegevelos und sportliche kauften die ersten Mountain-Bikes. Die Klappräder sind mittlerweile Liebhaberobjekte, die über zwei Meter langen Liegevelos wurden im Gegensatz zu den Mountainbikes nie zum Renner, auch wenn sie von den Besitzern als «superbequem und ergonomisch» gepriesen wurden.

Von der Förderung der Radwege, die der am 23. September zur Abstimmung gelangende Veloartikel bezweckt, profitieren viele Verkehrsteilnehmer. Heute erleben vor allem Elektromotoren einen Boom und sorgen für eine Zunahme der Artenvielfalt auf zwei Rädern. Die E-Bikes verleihen dem Treten neuen Schwung. Es geht vorwärts und vor allem aufwärts fast ohne Anstrengung, und wer tüchtig in die Pedale tritt, erntet Geschwindigkeit. Dies gilt besonders für die schnellen E-Bikes.

Die meisten Vehikel, die sich heute auf den Velospuren tummeln, müssen laut Gesetz zwingend auf die Radwege, selbst wenn einzelne mit einem klassischen Velo nur mehr wenig gemein haben. Allerdings hat der Gesetzgeber einige Kniffe vorgenommen, um den E-Bike-Boom zu ermöglichen. Denn die Velodefinition in der Verordnung über die technischen Anforderungen an Strassenfahrzeuge (VTS) lautet: «Fahrräder sind Fahrzeuge mit wenigstens zwei Rädern, die durch mechanische Vorrichtungen ausschliesslich mit der Kraft der sich darauf befindenden Personen fortbewegt werden.» Die langsamen E-Bikes mit Tretunterstützung bis 25 km/h sind eigentlich Leicht-Motorfahrräder. Der Gesetzgeber hat für sie aber eine Ausnahme gemacht und sie den Fahrrädern gleich gestellt. Das heisst, es gilt für sie keine Helmpflicht, und sie brauchen kein Nummernschild.

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Die schnellen E-Bikes hingegen werden grundsätzlich wie Motorfahrräder behandelt, mit einer grosszügigen Ausnahme: Während für Mofas eine Tempolimite von 30 km/h gilt, dürfen schnelle E-Bikes mit Tretunterstützung bis 45 km/h erreichen. Auch für Töffli und schnelle E-Bikes gilt die Radwegpflicht, ausser es ist ein Verbot für Motorfahrräder angebracht. Dann müssen sie auf die Strasse oder auf dem Veloweg den Motor ausschalten beziehungsweise diesen drosseln.

Die Elektromotoren sorgen nicht nur für müheloses Treten, sondern ermöglichen auch Lastentransporte. Cargo-Bikes gehören immer häufiger zum Stadtbild, sowohl für Güter- wie für Kindertransporte. Zwar sind auf Fahrrädern laut Verordnung nur so viele Plätze erlaubt, wie Pedalpaare vorhanden sind. Aber für Kinder gilt eine Ausnahme. Für sie sind maximal zwei geschützte Sitzplätze zulässig. Die Vehikel dürfen nur nicht breiter als einen Meter sein. Länge und Höhe der Velos sind hingegen nicht explizit geregelt.

Die Radwegpflicht gilt laut Gesetz auch für Gefährte, die keine Pedalen haben, etwa für Segways (Elektro-Stehroller) oder Elektro-Trottinets. Die sind im Verkehr den Velos gleichgestellt. Segways brauchen aber eine gelbe Nummer und dürfen bei reinem Motorbetrieb maximal mit 20 km/h rollen. Wer lieber sitzen will, kann einen Elektro-Roller kaufen, und darf ebenfalls auf Velowegen verkehren. Entscheidend sind die technischen Daten, damit die erwähnten Gefährte als Leicht-Motorfahrräder durchgehen. Solche dürfen ohne vorgängige amtliche Prüfung in Verkehr gesetzt werden. Es ist keine Immatrikulation, kein Kontrollschild und kein Fahrzeugausweis erforderlich, sofern sie im reinen Motorbetrieb nicht schneller als 20 km/h fahren. Leicht-Motorfahrräder müssen auch nicht zwingend Pedalen haben.

Daneben gibt es noch motorisierte Trendfahrzeuge, die gelegentlich auf Radwegen auftauchen, dafür aber nicht zugelassen sind. Dazu zählen das Elektro-Skateboard, elektrische Ein- und Dreiräder sowie das Smartwheel. Letzteres ist eine Achse mit zwei Rädern, einem Elektromotor und einer Stehfläche. Unter den nicht für den Verkehr zugelassenen Fahrzeugen gibt es wahre Boliden, wie etwa den Flowkart. Dieser soll gemäss Verkaufsbeschreibung das Kind im Erwachsenen wecken. Das elektrisch betriebene Dreirad erreicht eine Spitzengeschwindigkeit von 40 km/h. All diese Spassfahrzeuge dürfen nur auf abgesperrten Arealen verwendet werden, nicht aber auf öffentlichen Strassen und Wegen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 13.09.2018, 08:16 Uhr

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