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Drum prüfe, wer sich ewig bindet

Der Bund schafft die zehntägige Wartezeit vor der Trauung ab. Ein Sieg über die Bürokratie ist das aber nicht.

Der wahre Liberale sucht die Freiheit auch in den kleinen Dingen. Zum Beispiel Andrea Caroni. Dem FDP-Ständerat aus Appenzell Ausserrhoden verdanken wir, dass die Post die EC-Karte zum Bezahlen zulässt (und nicht allein auf der Postcard beharrt). Und auf ihn geht auch der jüngste Bundesratsbeschluss zurück, der die zehntägige Frist zwischen dem amtlichen Ehevorbereitungsverfahren und der Trauung abschafft. Caronis Vorstoss «Unbürokratisches Jawort» gab vor drei Jahren den Anstoss zu dem Bundesratsbeschluss.

Ein sprichwörtlicher alter Zopf wird damit aus dem ansonsten nach wie vor wild spriessenden Gesetzeswirrwarr geschnitten. Die Wartezeit war einst dafür da, dass jedermann Bedenken gegen eine künftige Ehe anmelden konnte. Heute verlässt sich der Staat dafür nicht mehr auf jedermann, sondern auf seine Zivilstandsbeamten. Diese müssen prüfen, ob möglicherweise eine Scheinehe eingegangen werden soll oder eine Zwangsheirat. Es ist also nicht so, dass Frischverliebte nun Hals über Kopf heiraten können – und es dann bereuen, weil sie keine Bedenkzeit hatten. Nach wie vor wird der Amtsschimmel die Heiratslustigen vor der Eheschliessung zur Gemächlichkeit zwingen, die notwendigen Ausweise und Papiere einfordern und seinen prüfenden Blick darauf werfen. Nix da mit Instant-Ehe wie in Las Vegas.

Bei Licht besehen ist die Abschaffung der Wartezeit also höchstens ein Scheinsieg über die Bürokratie: Er ist nur darum möglich, weil der Staat schon längst eine Überprüfungsbürokratie geschaffen hat. Sie unterwirft das angehende Ehepaar schon vorher einer Art Stresstest. Die zehntägige Frist spielt da keine Rolle mehr, ist aber auch kein bürokratischer Aufwand.

Andrea Caroni, übrigens, hat sich der Eheanbahnungsbürokratie ohnehin vollständig verweigert. Er hat seine Partnerin, mit der er heute zwei Kinder grosszieht, nicht geheiratet, weder standesamtlich noch kirchlich. Er lebt, wie man in altväterischer Vorzeit gesagt hätte, in «wilder Ehe». Den wahren Liberalen zeichnet eben nicht nur die Liebe zum Detail aus, sondern auch etwas, nun ja, Wildes.

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