Drei Fernbusfahrer in Zürich verhaftet

Eine Polizeipatrouille heftet sich auf der A1 kurz vor Zürich an einen Fernbus und verfolgt ihn bis zum Sihlquai. Statt die Fahrt fortzusetzen, landen die Chauffeure in der Zelle.

Verschwommene Rechtslage: die Flixbus-Fahrer besitzen eine deutsche Niederlassungsbewilligung und leben schon länger in Deutschland.

Verschwommene Rechtslage: die Flixbus-Fahrer besitzen eine deutsche Niederlassungsbewilligung und leben schon länger in Deutschland.

(Bild: wikipedia/MichaSpa)

Eine Patrouille der Zürcher Kantonspolizei hat am Freitag vor zwei Wochen auf dem Carparkplatz Sihlquai in Zürich drei Chauffeure des Fernbus-Riesen Flixbus kontrolliert. Den Fahrern türkischer, kroatischer und serbischer Nationalität wurde nicht nur die Weiterfahrt verwehrt, sie mussten die Nacht auch gleich in Haft verbringen. Ihnen werden Verstösse gegen das Ausländergesetz vorgeworfen. Die Passagiere wurden mit Ersatzbussen vertröstet.

Die Busfahrer waren für zwei verschiedene Subunternehmer des Fernbus-Riesen Flixbus unterwegs, wie die «Schweiz am Sonntag» berichtet. «Wir wissen derzeit noch nicht genau, inwiefern unsere Fahrer das Ausländergesetz verletzt haben sollten», sagt die Geschäftsleiterin eines betroffenen Unternehmens auf Anfrage der Zeitung. Man sei überzeugt, die administrativen Vorgaben korrekt eingehalten zu haben. «Uns stellt sich angesichts der Auswirkungen auf die Passagiere und auf unser Unternehmen die Frage nach der Verhältnismässigkeit der polizeilichen Festnahme», kritisiert sie den Polizeieinsatz.

Schweizer verdienen mehr als doppelt so viel wie Deutsche

Auch Flixbus ist sich keiner Schuld bewusst: Man könne keinen Verstoss gegen das Arbeitsgesetz erkennen, sagt Flixbus-Pressechef Gregor Hintz. Flixbus arbeite mit Betrieben aus ganz Europa zusammen. Dabei kämen nicht nur Fahrer aus der Schweiz oder Deutschland zum Einsatz.

Ob Flixbus gegen geltendes Recht verstossen hat, ist noch unklar. Die Staatsanwaltschaft habe signalisiert, das Verfahren einzustellen, heisst es bei Flixbus. Mittlerweile sind die Fahrer wieder auf freiem Fuss. Die Staatsanwaltschaft verfügte ihre Freilassung.

Der Fall zeigt: Mit Schweizer Löhnen wäre das Geschäft des deutschen Riesen nicht zu betreiben. Nach wie vor sind keine Schweizer Bus-Unternehmen unter den Dutzenden europäischen Buspartnern von Flixbus. Schweizer Car-Chauffeure verdienen durchschnittlich mehr als doppelt so viel wie ihre deutschen Kollegen, die knapp 2200 Franken brutto im Monat erhalten. Der Reiseanbieter Marti sagt der «Schweiz am Sonntag» etwa, man habe sich das Modell der Fernbusse zwar angeschaut. Preislich habe sich das für ein Schweizer Unternehmen aber als unmöglich herausgestellt.

bee/sep

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt