Zum Hauptinhalt springen

Doppelt so viele pendeln über die Grenze

In den Kantonen Genf, Waadt und Wallis hat sich die Zahl der Grenzgänger seit Einführung der Personenfreizügigkeit verdoppelt. Die Kantonsregierung sieht das als Gewinn.

Die Zahl der Grenzgänger in den Kantonen Genf, Waadt und Wallis hat sich seit der Einführung der Personenfreizügigkeit im Jahr 2002 verdoppelt. Die stark wachsende Wirtschaftsregion profitiert von den offenen Grenzen und will gegen Einschränkungen der Personenfreizügigkeit kämpfen.

Die Zahlen sind eindrücklich: Ende 2012 zählte die Schweiz 268'500 Grenzgänger. Jeder Dritte oder 90'300 Personen arbeitete in den Kantonen Genf, Waadt oder Wallis. Im 2002 waren es noch 44'500 Personen gewesen.

98 Prozent aus Haute-Savoie und Ain

Seit Einführung der Personenfreizügigkeit nahm die Zahl der Grenzgänger am Genfersee im Schnitt pro Jahr um 7,3 Prozent zu, wie eine Studie des «Conseil du Léman» (CdL), dem grenzüberschreitenden Rat der Genferseeregion, zeigt.

Von den Grenzgängern wohnen 98 Prozent in den französischen Departementen Haute-Savoie und Ain. Sie gehen vor allem in den Kanton Genf arbeiten (72%), aber auch in die Kantone Waadt (25%) und Wallis (3%).

Dies spiegelt sich in den Anteilen in den Regionen wieder: Im 2012 waren in Genf 22,5 Prozent der Beschäftigten Grenzgänger, in der Waadt 6,5 Prozent und im Wallis 1,3 Prozent. Sämtliche Regionen verzeichnen seit Einführung der Personenfreizügigkeit einen Zuwachs.

Stimmungsmachegegen Grenzgänger

In Genf, wo Ende 2012 jeder fünfte Angestellte Grenzgänger war, ist der Grenzverkehr ein heisses Eisen. Bei den Wahlen im Herbst wurde das Mouvement Citoyens Genevois (MCG) nicht nur im Parlament zweitstärkste Kraft, sondern zog auch in die Regierung ein.

Das MCG macht seit seiner Gründung vor acht Jahren mit dem Motto «ni gauche, ni droite, Genève d'abord» (weder links noch rechts, Genf zuerst) Stimmung gegen Grenzgänger und hatte damit durchschlagenden Erfolg.

Der Raum Genf wurde in dieser Studie aber nicht näher untersucht, die Detailanalyse konzentrierte sich vor allem auf die Region Chablais an der Grenze zwischen den Kantonen Waadt und Wallis.

Dort sind 1250 Personen in einem gemeinsamen von Waadt und Wallis betriebenen Spital angestellt, wovon ein Drittel der Angestellten aus Frankreich kommt.

«Stärkstes Wirtschaftswachstum Europas»

Die Genferseeregion weise das «stärkste Wirtschaftswachstum Europas» auf, sagte Guy Larmanjat, Präsident des CdL und Politiker im französischen Departement Ain. In der Region wuchs die Bevölkerung und die Wirtschaft stark.

Die Beschäftigung wuchs am Genferseebogen zwischen 2001 und 2008 durchschnittlich um 1,6 Prozent pro Jahr, im Vergleich zu 1,1 Prozent in der gesamten Schweiz. Auf der französischen Seite der Grenze lag sie bei 1,3 Prozent pro Jahr im Schnitt zwischen 1998 und 2009.

Der Waadtländer Regierungsrat Pascal Broulis (FDP) bezeichnete die Personenfreizügigkeit als Gewinn für die Region. Der Grenzverkehr funktioniere gut. «Man braucht einander, Frankreich ist auf die Löhne und die Schweiz auf qualifizierte Arbeitskräfte angewiesen.»

Wichtige Abstimmungen zur Einwanderung

Broulis setzte sich für Bilaterale Abkommen III mit der EU ein. Der Waadtländer Finanzdirektor stellt sich gegen die Initiativen, welche den freien Personenverkehr einschränken wollen. Am 9. Februar stimmt die Schweiz über die SVP-Initiative «Gegen Masseneinwanderung» ab.

Später werde über die Initiative der Organisation ECOPOP abgestimmt, welche die Zuwanderung mengenmässig begrenzen will. Diese beiden Initiativen müsse man bekämpfen, in der Genferseeregion und auch in den anderen Kantonen der Schweiz, sagte Broulis. Der Arbeitsmarkt müsse offen bleiben. Die Öffnung sei ein Pfand für Stabilität und Wohlstand und bleibe die einzige Lösung.

SDA/ami

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch