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«Die Zeichen der Zeit nicht erkannt»

Die jüngsten Vergütungsberichte der UBS könnten der 1:12-Initiative Auftrieb geben, das ärgert Wirtschaftsverbände. Zudem wurde bekannt, dass die Bank im letzten Jahr 113 Millionen Franken für Antrittsgelder und Ersatzzahlungen aufwendete.

Die Juso sind mit ihrem Anliegen im Aufwind: Juso-Präsident David Roth übergibt SP-Parteipräsident Christian Levrat falsche Hunderternoten und Schoggifünfliber bei einer Aktion zur 1:12-Initiative. (27. September 2012)
Die Juso sind mit ihrem Anliegen im Aufwind: Juso-Präsident David Roth übergibt SP-Parteipräsident Christian Levrat falsche Hunderternoten und Schoggifünfliber bei einer Aktion zur 1:12-Initiative. (27. September 2012)
Keystone

FDP-Präsident Philipp Müller ärgert sich über die kontraproduktive Wirkung der Vergütungsberichte wie derjenige der UBS (Tagesanzeiger.ch berichtete). «Für die Abstimmungskampagne gegen die radikale Juso-Initiative hatten wir konzeptionell eine schön planierte Abflugpiste vorbereitet», sagt er gegenüber der «SonntagsZeitung». «Nun müssen wir von einem umgepflügten Acker starten. Da wird es schwierig, Flughöhe zu erreichen.»

Über die UBS-Zahlungen «irritiert» zeigt sich auch Hans-Ulrich Bigler, Direktor des Schweizerischen Gewerbeverbandes. Mit Unmut reagiert der Direktor des Arbeitgeberverbandes, Thomas Daum: «Breite Kreise der Bevölkerung werden es nicht verstehen, dass eine Bank ebenso viele Boni bezahlt, wie sie Verluste macht. Das kann der 1:12-Initiative helfen, wenn wir die Menschen nicht dazu bringen, gemäss ihren Interessen zu stimmen».

«Eigentor fürs Stimmvolk»

Nach Einführung der 1:12-Regel würden die wenigsten Angestellten mehr verdienen, aber einige Höchstverdiener das Land verlassen, sagt Daum gegenüber der «SonntagsZeitung». Das Stimmvolk schösse «ein Eigentor, wenn sie ihrer Empörung über die Extrem-Entschädigungen einer kleinen Gruppe von Managern mit einem Ja zur Juso-Initiative Luft verschafften», sagt Daum.

Von den jüngsten Vergütungsberichten geradezu beflügelt sind die 1:12-Initianten. «Gerade die Boni, welche die UBS ausschüttet, zeigen, dass man auf den Teppichetagen die Zeichen der Zeit immer noch nicht erkannt hat», ereifert sich Co-Initiant Marco Kistler. «Nun ist es offensichtlich, dass es unsere Initiative braucht.

UBS-Kaderleute erhalten Antrittsgeld

Der neue Chef der UBS-Investmentbank konnte den Wert seines Antrittsbonus bereits um die Hälfte steigern, schreibt die Zeitung «Der Sonntag». Im August erhielt der neu zur UBS gestossene Investmentbanker 1,755 Millionen UBS-Aktien zugeteilt. Der Stückpreis lag bei 10.50 Franken. Gestern Freitag schlossen die Aktien bei 15.50. Der Wert des Pakets erhöhte sich somit von 18,5 Millionen auf 27,2 Millionen Franken – eine Buchwertsteigerung von knapp 48 Prozent. Zusätzlich zu den Aktien erhielt Orcel auch noch 6,364 Millionen US-Dollar, die wie die Aktien vorerst gesperrt sind, wobei die erste Tranche bereits dieses Jahr frei wird. Somit beträgt sein Antrittsbonus 33,2 Millionen Franken.

Orcel ist kein Einzelfall. Bei der UBS sind im vergangenen Jahr insgesamt 203 Kaderleute in den Genuss von sogenannten «Ersatzzahlungen» gekommen. Auch das zeigt der neuste Vergütungsbericht, wie die «NZZ am Sonntag» schreibt (Print, online nicht verfügbar). Die UBS legte dafür gemäss der Zeitung 96 Millionen Franken aus. Die Elite unter ihnen stellten 32 Kaderleute, die von der UBS als «Key Risk Takers» bezeichnet werden: Sie kassierten im Schnitt 2 Millionen Franken pro Kopf als Ablösezahlung.

Als «Ersatzzahlung» gilt die Kompensation von aufgeschobene Zahlungen des vorherigen Arbeitgebers, die aufgrund des Wechsels zu UBS verfallen sind. Solche Zahlungen sind laut UBS «in der Branche üblich und oft notwendig, um hochkarätige Bewerber anzuziehen». Doch neben den «Ersatzzahlungen» gewährt die UBS auch «Antrittszahlungen»: Sie werden «gelegentlich wichtigen Kandidaten der obersten Führungsebene angeboten, um die Chance auf deren Zusage auf ein Angebot hin zu erhöhen», so die UBS.

Letztes Jahr kamen immerhin 182 Personen in den Genuss einer solchen Zahlung. Die UBS wendete dafür 17 Millionen Franken auf. «Der Vergütungsbericht der UBS zeigt, dass diese Ersatzzahlungen systematisch erfolgen», sagt Dominique Biedermann, Direktor der Stiftung Ethos, die sich für Aktionärsrechte einsetzt und Pensionskassen berät, gegenübe der «NZZ am Sonntag». «Solche Zahlungen setzen falsche Anreize», analysiert Biedermann. «Es ist enttäuschend, dass die UBS in diesem Punkt offenbar noch nichts gelernt hat.»

Economiesuisse im Hintergrund

Bei der Bekämpfung der 1:12-Initiative «wird Economiesuisse im Hintergrund bleiben» und die Führung dem Arbeitgeberverband überlassen, sagt Economiesuisse-Direktor Pascal Gentinetta der «SonntagsZeitung». An der Jahresmedienkonferenz Mitte Januar tönte das noch anders: «Economiesuisse wird (...) die Initiative der Jungsozialisten entschieden bekämpfen», hiess es damals.

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