Zum Hauptinhalt springen

«Plötzlich befindet man sich in einem Risikogebiet»

Bald dürfte die ganze Schweiz zum Zecken-Risikogebiet erklärt werden. Das führt zu Mehrkosten, weil sich alle kassenpflichtig impfen lassen können.

Zecken sind Träger gefährlicher Krankheitserreger. Dazu gehört das FSME-Virus, das Hirnhautentzündungen (Zeckenenzephalitis ) auslösen kann. Bei einem schweren Verlauf können die Patienten bleibende Schäden wie Lähmungen der Arme, Beine oder Gesichtsnerven davontragen. In einem Prozent der Fälle mit neurologischen Symptomen verläuft die Krankheit gar tödlich. Deshalb wird in Risikogebieten die Zeckenimpfung empfohlen und von den Krankenkassen bezahlt.

Bisher wurde die Impfung gegen das FSME-Virus allen Personen ab 6 Jahren nahegelegt, die in einem Endemie-Gebiet wohnen. In diesen Gebieten wurden Zecken entdeckt, die das Virus in sich tragen und dieses bei Bissen auf den Menschen übertragen können.

Das betroffene Gebiet ist in den letzten Jahren stetig grösser geworden. Waren anfänglich vor allem der Kanton Zürich und die Ostschweiz betroffen, so gleicht die Schweizer Zecken-Landkarte immer mehr einem Flickenteppich. Mittlerweile kommen Zecken mit dem Virus auch in den Kantonen Graubünden, Aargau, Bern, in der Zentralschweiz und der Waadt vor.

Zecken-Karte ein Flickenteppich

Die Eidgenössische Kommission für Impffragen (EKIF) erwägt deshalb, die ganze Schweiz von Romanshorn bis Genf zum Zecken-Risikogebiet zu erklären. EKIF-Präsident Christoph Berger bestätigt einen entsprechenden Bericht von Radio SRF. Für Berger ergibt die heutige Eingrenzung immer weniger Sinn. «Die Menschen sind sehr mobil, wenn jemand einen Ausflug in die Natur macht, befindet er sich plötzlich in einem Risikogebiet.» Zudem würden laufend in neuen Gebieten der Schweiz infizierte Zecken entdeckt. «Die Zecken halten sich nicht an die Postleitzahl», sagt Berger, Leiter der Abteilung Infektiologie und Spitalhygiene am Kinderspital Zürich.

Die Impf-Kommission bildet nun eine Arbeitsgruppe, in die auch das Bundesamt für Gesundheit (BAG) eingebunden wird. Dass die Experten sich auf eine Ausweitung des Zecken-Risikogebiets einigen, ist wahrscheinlich. Offen ist noch, ob Gebiete über 1500 Meter über Meer ausgenommen bleiben. Aber auch hier stelle sich die Frage, ob eine solche Abgrenzung noch sinnvoll sei, sagt Berger. Denn letztlich bewegten sich auch die Bewohner höher gelegener Ortschaften im Unterland.

Nicht zum Risikogebiet wird weiterhin das Tessin zählen, da dort bisher keine Fälle aufgetreten sind. Seit Jahresbeginn wurden in der Schweiz bisher 226 Fälle von FSME-Infektionen gemeldet, doppelt so viele wie in der entsprechenden Vorjahresperiode. Über die Ausweitung der Kassenpflicht wird Gesundheitsminister Alain Berset entscheiden, jedoch ist anzunehmen, dass er den Empfehlungen der Expertengremien folgen wird. Heute erhalten Einwohner der Gemeinden in einem Risikogebiet die Impfung von der Grundversicherung bezahlt. Zudem können sich Personen, die sich in einem Risikogebiet bewegen, auf Kosten der Grundversicherung impfen lassen. Sollte die Impfung für die ganze Schweiz mit Ausnahme des Tessins kassenpflichtig werden, wird dies aber zu erheblichen Kosten führen.

Kassen zeigen sich offen

Für einen vollständigen Schutz muss die Impfung über über mehrere Monate hinweg dreimal wiederholt werden und kostet insgesamt 200 bis 300 Franken. Eine Auffrischung ist danach alle zehn Jahre nötig. Für Berger gilt es aber die Kosten der Impfung den Behandlungskosten der Zeckenenzephalitis gegenüberzustellen. Berger geht zudem nicht davon aus, dass bei einer Ausweitung des Risiko-Gebiets gleich ein Ansturm auf die Arztpraxen stattfindet.

Die Krankenkassen wiederum zeigen sich offen, obwohl sie mit Mehrkosten rechnen müssen. Für die Krankenversicherer sei Prävention wichtig und die Empfehlungen der EKIF würden ernst genommen, sagt Matthias Müller, Sprecher vom Verband Santésuisse. Wichtig sei allerdings auch, dass keine Durchimpfung der Bevölkerung stattfinde, wenn es nicht nötig sei. Dies wäre zu kostspielig für die Prämienzahler. «Wenn diese Massnahme medizinisch und epidemiologisch sinnvoll ist, sind wir dafür», sagt Ralph Kreuzer, Sprecher des Kassenverbandes Curafutura.

Vor Borreliose schützt keine Impfung

Neben Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) können die Blutsauger auch Lyme-Borreliose übertragen. Diese durch Bakterien ausgelöste Krankheit ist an sich die häufigere Folge von Zeckenbissen. Vor der Borreliose schützt allerdings keine Impfung. Zeige sich nach einem Zeckenbiss eine Rötung, die sich ausdehnt und ringförmig wird, sollte ein Arzt aufgesucht werden, sagt Berger.

Eine Borrelieninfektion wird mit Antibiotika behandelt. Bei einem Teil der Erkrankten zeigen sich nach Wochen, Monaten oder gar Jahren Symptome an Gelenken, Nervensystem, Haut und selten Herz. Unerkannt oder ungenügend behandelt, können sich als Folge einer Borreliose bleibende Behinderungen ergeben.

Berger empfiehlt, nach Aufenthalten im Freien den Körper auf Zecken abzusuchen, diese immer sofort zu entfernen und zwar mit einer Pinzette. Danach sollte die Einstichstelle gut desinfiziert werden.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch