«Die Volladoption aufs Tapet zu bringen, ist ungeschickt»

SVP-Nationalrat Hans-Ueli Vogt sagt, warum sich seine Partei gegen die Stiefkind-Adoption und die Ehe von Homosexuellen wehrt – entgegen einer Mehrheit im Volk.

Seit 2015 für die SVP im Nationalrat: Hans-Ueli Vogt. Bild: Sabina Bobst

Seit 2015 für die SVP im Nationalrat: Hans-Ueli Vogt. Bild: Sabina Bobst

Der Widerstand gegen die Adoption von Stiefkindern ist in der SVP am grössten. Warum tut sich Ihre Partei so schwer damit?
Die Familie ist für die SVP der Kern unserer Gesellschaft, den es zu schützen gilt. Diese Haltung zeigt sich auch bei anderen Fragen: Die SVP ist zum Beispiel gegen einen erhöhten Steuerabzug für die Fremdbetreuung von Kindern.

Aber die SVP-Basis befürwortet die «Ehe für alle».
Entscheidend ist wohl, dass es bei der Adoption um Kinder geht. Die Ehe zweier Homosexueller widerspricht dem traditionellen Familienbild nicht, solange keine Kinder involviert sind. Zudem bezeichnen die Befürworter die Stiefkindadoption als ersten Schritt zur Volladoption.

Ein Fehler?
Die Volladoption bereits aufs Tapet zu bringen, während die Diskussion über die «Ehe für alle» läuft, finde ich strategisch ungeschickt. Konservative, die sich vor einem «Dammbruch» fürchten, fühlen sich bestätigt.

Die Befürworter im Parlament wollen nun aber die Adoption in die Ehe-Vorlage integrieren.
Sie sollten schrittweise vorgehen und zuerst mit jener Vorlage beginnen, die weniger umstritten ist. Das erhöht die Erfolgschancen. Rechtlich zweifle ich zudem an der Einheit der Materie, wenn verschiedene Aspekte integriert werden.

Trotzdem sind Konflikte mit Ihrer Partei programmiert, wenn Sie sich für homosexuelle Anliegen einsetzen. Wie gehen Sie damit um?
Ich erfahre mehr Nachteile in meinem Leben, weil ich SVP-Mitglied bin, als weil ich homosexuell bin. In meiner Partei ist meine sexuelle Orientierung kaum ein Problem. Die Gesellschaftspolitik gehört nicht zu den Hauptthemen der SVP. ­Zudem ist parteiintern klar, dass in solchen Fragen persönliche Ansichten eine grosse Rolle spielen.

Konnten Sie Parteikollegen bereits für das Thema sensibilisieren?
In persönlichen Gesprächen habe ich schon den einen oder anderen dazu gebracht, seine Meinung zu überdenken. Ich spüre, dass viele nicht Homosexuelle ablehnen, sondern das traditionelle ­Familienmodell in Gefahr sehen. Mir ist jedoch klar: Die gesellschaftliche Akzeptanz braucht Zeit. Echter Fortschritt geschieht langsam.

Aber das Recht hinkt in der Schweiz der gesellschaftlichen Entwicklung ohnehin schon hinterher.
Das kritisiere ich nicht: Die Akzeptanz ist grösser, wenn diese Vorlagen gereift sind. Es ist doch besser, wenn die Bevölkerung dereinst nach einer breiten Diskussion Ja zur «Ehe für alle» sagt, als wenn wie in den USA eines Tages ein Gericht die neue Rechtspraxis etabliert.

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