Die SRG-Rechnung sah besser aus, als sie war

SRG Sieben Jahre lang fehlten die zu erwartenden Zahlungsausfälle – Medienpolitiker sind irritiert.

Die SRG pflege einen zu optimistischen Umgang mit ihren Einnahmen, sagt ein Politiker. Foto: PD

Die SRG pflege einen zu optimistischen Umgang mit ihren Einnahmen, sagt ein Politiker. Foto: PD

Claudia Blumer@claudia_blumer

Es gibt immer Leute, die ihre Rechnungen nicht bezahlen. Dann werden sie gemahnt, betrieben und irgendwann geben die Gläubiger auf. Die vermuteten Zahlungsausfälle, oder «Delkredere», wie es in der Buchhaltungssprache heisst, muss stets mitgerechnet werden. Die SRG tat das auch, doch ab 2011 fehlte das Delkredere plötzlich in der Rechnung. Mit der Folge, dass das Jahresergebnis und die Gewinnreserven zu gut dargestellt wurden. Dies berichtete die «SonntagsZeitung». Die nicht mitgerechneten Ausfälle betrugen 2011 knapp 16 Millionen Franken und im Jahr 2017 schon 26 Millionen. Die SRG bemerkte den Fehler Ende 2018 und erwähnte ihn im Jahresbericht.

Er sei schon erstaunt, sagt SVP-Nationalrat Gregor Rutz, wie leichtfertig etliche staatlich finan­zierte oder subventionierte Unternehmen mit öffentlichen Geldern umgingen. «Würde ein privates Unternehmen so wirtschaften, wäre es erledigt.» Fälle wie der Postauto-Skandal oder die geschönten SRG-Bilanzen zeugten von nicht sehr schweizerischen Tugenden. Dass der Fehler Ende 2018 aufgedeckt wurde, sei wohl kein Zufall, sagt der Zürcher Politiker: «Die neue SRG-Führung unter Jean-Michel Cina und Gilles Marchand hat sehr viel verändert. Mit ihnen kann man reden, sie ertragen auch Kritik.» Es war beim Amtsantritt von Marchands Vorgänger Roger de Weck, im Jahr 2011, als die SRG aufhörte, die Zahlungsausfälle korrekt auszuweisen.

«Nicht State of the Art»

Allgemein pflege die SRG einen zu optimistischen Umgang bezüglich ihrer Einnahmen, sagt SP-Nationalrat Matthias Aebischer. Das gelte auch für die Werbeeinnahmen, die nicht nur für das laufende Jahr deutlich zu hoch budgetiert wurden. Warum man die Zahlungsausfälle im Budget vergessen habe, sei ihm ein Rätsel, sagt Aebischer. Für CVP-Nationalrat Martin Candinas ist es ­ebenso ein Rätsel, warum die SRG für die Zahlungsausfälle verantwortlich ist und nicht die bisher zuständige Inkassostelle. Jedenfalls sei es seltsam, dass ein solcher Fehler jahrelang nicht bemerkt werde. «Es gibt genug Leute, die diese Zahlen anschauen.»

Die SRG habe das Bundesamt für Kommunikation (Bakom) über den Fehler informiert, so Bakom-­Medienchefin Caroline Sauser. Es sei nicht «State of the Art», wie die SRG die Gebühreneinnahmen verbucht habe.

Doch unter dem Strich mache es keinen Unterschied, sagt Sauser. «Die zu hoch notierten Einnahmen fielen an anderer Stelle tiefer aus.» Zudem: 26 Millionen Franken seien zwar viel Geld – aber in Bezug auf die Gebühreneinnahmen sehr wenig.

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