Die SRG kann nicht bleiben, wie sie ist

Die nationale Rundfunkanstalt bleibt unter Druck. Sie muss dringend ihr Profil schärfen, schreibt «Bund»-Chefredaktor Patrick Feuz.

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Eine Institution abzuwracken, die buchstäblich nationale Ausstrahlung hat und für ältere Menschen gefühlsmässig ein Stück Schweiz ist: Das geht der Mehrheit des Stimmvolks zu weit. Besonders jetzt, wo manche realisieren, dass die landesweite mediale Grundversorgung durch die SRG sogar noch wichtiger werden könnte. Die Medienschweiz erlebt gerade eine epochale Umwälzung.

Google und Facebook saugen die Werbung ab. Die Einnahmeverluste erschüttern die privaten Verlagshäuser, bedrohen Redaktionen, Zeitungen und Qualitätsinhalte. Da erscheint die SRG, die dank Gebührenfinanzierung konstante Leistung erbringt, plötzlich als mediale Vorsorgeeinrichtung für eine ungewisse Zukunft.

Doch trotz klarem Nein zur Abschaffung der TV- und Radiogebühren: So bleiben, wie sie ist, das kann die SRG nicht. Die Rundfunkanstalt steht gleich mehrfach unter Druck. Wenn der Anteil jener Medienkonsumenten, die weder TV schauen noch Radio hören und die SRG-Angebote auch nicht im Netz nutzen, weiter kräftig wächst, dann wird es zunehmend schwierig, den Gebührenzwang zu rechtfertigen.

Private leisten immer noch mehr Service public

Kurzfristig spielt die veränderte Mediennutzung der Forderung nach einer weiteren Gebührensenkung in die Hände, was Sparen bei der SRG bedeutet. Parallel steigt der politische Druck: Dass die SRG mit gewissen Geschäfts­aktivitäten den privaten Verlagshäusern schadet, finden immer mehr Politiker inakzeptabel. Denn in der Summe leisten die Privaten immer noch weit mehr Service public als die SRG.

Reagieren könnte die SRG so: Im Netz, wo die privaten Medienhäuser auf Geschäfte hoffen, muss sie zurückstehen. Keine Werbung, keine onlinespezifischen Inhalte, keine längeren Texte, sondern bloss eine gepflegte Mediathek mit schon gesendeten Inhalten. Auch keine umstrittenen Werbeallianzen. Und ihr Videomaterial soll sie gratis den Privaten zur Verfügung stellen; so können diese womöglich Kosten sparen.

Mehr hochwertige Information

Das Beste aber, was die SRG für ihre Zukunft tun kann: Sie muss ihre Stärken schärfen. Je mehr sie auf hochwertige Information über Politik, Wirtschaft, Kultur, Gesellschaft und Sport fokussiert, umso besser lassen sich die Gebühren auch mittelfristig legitimieren. Seichte Unterhaltung unterspült den Anspruch, Service public zu leisten.

Wie viel guter Journalismus und wie viel mediale Vielfalt am Ende der laufenden Medienrevolution übrig bleiben, weiss niemand. Unsere Abstimmungsdemokratie braucht möglichst viel davon. Verloren ist das Spiel, falls das Bewusstsein schwinden sollte, dass Qualität und Vielfalt einen Preis haben. Jeder und jede kann mitbestimmen, wie das Spiel ausgeht. Wer für gute Inhalte, ob gedruckt oder digital, bezahlt, tut etwas Gutes für die Schweiz.

Erstellt: 04.03.2018, 14:29 Uhr

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