Die Spiesse gleich lang machen

Die Höheren Fachschulen müssen gestärkt werden, findet der Direktor des Berner Bildungszentrums Pflege, Peter Marbet.

Bislang sei die vom Bund beabsichtigte Stärkung der höheren Berufsbildung mehr Absicht, denn Tatsache, schreibt Peter Marbet.

Bislang sei die vom Bund beabsichtigte Stärkung der höheren Berufsbildung mehr Absicht, denn Tatsache, schreibt Peter Marbet. Bild: Keystone

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Wer kennt den Unterschied zwischen HF und FH? Geläufig ist mittlerweile die Abkürzung FH, die für Fachhochschule steht. Demgegenüber weitgehend unbekannt ist die Höhere Fachschule (HF), obwohl im Kanton Bern nicht wesentlich weniger Studierende jährlich an HF abschliessen wie an FH.

Die Höheren Fachschulen gehören zur tertiären Bildung, genauso wie Universitäten und Fachhochschulen. Als Teil der höheren Berufsbildung bieten sie umfassende und qualitativ hochstehende Aus- und Weiterbildungen an. Höhere Fachschulen gibt es in den Branchen Gesundheit, Technik, Hotellerie, Facility Management, Wirtschaft, Land- und Forstwirtschaft, Soziales und Erwachsenenbildung, Künste und Gestaltung sowie Verkehr und Transport. Gerade in der Gesundheit haben sich in den letzten Jahren durch die Zusammenführung verschiedener Spitalschulen grosse Bildungszentren im Kanton Bern gebildet (Berner Bildungszentrum Pflege, Medi – Zentrum für medizinische Bildung).

Die vielfältigen HF-Bildungsangebote unterscheiden sich von denjenigen der Tertiärstufe A (Universitäten und Fachhochschulen) durch ihre ausgeprägte Praxisorientierung und durch ihren direkten Zugang. Ein HF-Studium erfordert den Abschluss einer dreijährigen Berufslehre oder einer anerkannten Mittelschule, nicht jedoch einer Matur.

In der Öffentlichkeit und der politischen Diskussion ist der Wert der Berufsbildung weitgehend anerkannt. Gerade die globale Wirtschafts- und Finanzkrise und die hohe Jugend­arbeitslosigkeit in Ländern, deren Bildungssystem einseitig akademisch ausgerichtet ist, haben der Berufsbildung Auftrieb verliehen und die Schweizer Berufsbildung zum eigentlichen Exportschlager gemacht. Bislang ist die vom Bund beabsichtigte Stärkung der höheren Berufsbildung allerdings mehr Absicht, denn Tatsache geworden. Die Höheren Fachschulen kämpfen derzeit mit folgenden Problemen:

  • Titel: Der Abschluss einer Pflegeausbildung HF heisst derzeit auf Englisch «College of Professional Education and Training (PET) Degree in Nursing». Wird die gleiche berufliche Kompetenz an einer FH erlernt, heisst das Diplom «Bachelor of Science in Nursing». Es versteht sich von selbst, dass die zweite Bezeichnung eingängiger ist. Obschon die beiden Ausbildungswege (HF und FH) in der Pflege gleichwertig sind, führt der Titel zu ungleich langen Spiessen für die Pflegenden, gerade wenn sie sich im Ausland bewerben möchten. Um diesen Nachteil auszugleichen, braucht es eine attraktive englische Übersetzung der HF-Titel.
  • Wert im Ausland: Die Titelfrage steht in einem engen Zusammenhang zum zweiten Problem: Wie ist ein HF-Abschluss im Ausland einzustufen? Aufgrund der unattraktiven Titelübersetzung werden HF-Abgängerinnen und HF-Abgänger im Ausland unterschätzt und deren Abschluss häufig mit einem Lehrabschluss verwechselt. «Wenn es doch ein Studium wäre, würde der Abschluss sicher Bachelor heissen», sagen sich offenbar viele HR-Verantwortliche im Ausland. Es braucht deshalb eine Einstufung der Abschlüsse der höheren Berufsbildung in einen Rahmen, der es erlaubt, die Kompetenzen in einen internationalen Kontext zu übersetzen und die Gleichwertigkeit zu den Abschlüssen der Hochschulen darzustellen.
  • Anerkennung der HF-Bildungsanbieter: Heute kennen die HF-Bildungsinstitutionen keine institutionelle Anerkennung, lediglich die Bildungsgänge werden staatlich geprüft und anerkannt. Analog zu den Universitäten und Fachhochschulen benötigen die HF-Bildungsanbieter ebenfalls eine Anerkennung als Institution, um sich im Wettbewerb der tertiären Bildung positionieren zu können.

Taten folgen lassen

In allen drei Handlungsfeldern werden derzeit vonseiten Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) Vorschläge erarbeitet. Nach Jahren der Diskussion und Absichtserklärungen ist es nun an der Zeit, den Worten Taten folgen zu lassen. Wollen wir die höhere Berufsbildung und namentlich die Höheren Fachschulen nicht nur im Ausland positionieren, müssen wir die notwendigen Voraussetzungen auch im Inland schaffen, damit die Höheren Fachschulen gegenüber den Hochschulen weiterhin eine attraktive Alternative bleiben.

Peter Marbet ist Präsident von HF Bern, die die Interessen der HF-Bildungsanbieter im Kanton Bern vertritt, und Direktor Berner Bildungszentrum Pflege. (Der Bund)

Erstellt: 27.10.2015, 08:56 Uhr

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