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«Die Sicherheitskultur hat versagt»

Die Fehldiagnose im Spital Wil, die zum Tod einer 34-Jährigen führte, ist laut Experte Marc-Anton Hochreutener kein Einzelfall. Die Hierarchie verhindere einen offenen Umgang mit Pannen.

Stellten sich hinter die verurteilte Chefärztin: Thomas Hansjakob, Erster Staatsanwalt, Regierungsrätin Heidi Hanselmann und Generalsekretär des st. gallischen Gesundheitsdepartements, Roman Wüst (von rechts nach links), an der Pressekonferenz zum Fall Wil. (31. August 2012)
Stellten sich hinter die verurteilte Chefärztin: Thomas Hansjakob, Erster Staatsanwalt, Regierungsrätin Heidi Hanselmann und Generalsekretär des st. gallischen Gesundheitsdepartements, Roman Wüst (von rechts nach links), an der Pressekonferenz zum Fall Wil. (31. August 2012)
Keystone

Herr Hochreutner, Ihre Stiftung für Patientensicherheit will die Sicherheitskultur in den Schweizer Spitälern verbessern. Wie beurteilen Sie den Fall in Wil? Es handelt sich um einen klassischen Fall, in dem die Sicherheitskultur versagte. Die Signale der Oberärzte für die lebensbedrohlichen Komplikationen bei der Patientin wurden von der Hierarchie, in diesem Fall der Chefärztin, nicht ernst genommen. Bei Spitälern handelt es sich um Hochrisikoorganisationen wie bei Fluggesellschaften oder AKW. In solchen Unternehmen ist typischerweise von allen Mitarbeitern eine hohe Aufmerksamkeit für Alarmsignale erforderlich. Braucht es, wie in Wil, Zivilcourage, um an die Vorgesetzten zu gelangen, stimmt die Sicherheitskultur nicht.

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