Die lustige Beerdigung

Endlich hat unsere Regierung ein neues Foto. Aufgenommen wurde es anscheinend nach einer Beerdigung, beim geselligen Teil.

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Philipp Loser@philipploser

Dieser Alain Berset ist schon ein schlauer Fuchs. Unser neuer Bundespräsident beherzigt die erste und wichtigste Regel der Amateurfotografie für Fortgeschrittene: Jedes Sujet, egal wie unansehnlich es ist, wird durch einen guten Hintergrund aufgewertet. Berset treibt es mit seinem Trick allerdings etwas weit. Der Hintergrund, gezeichnet von einem Freiburger Künstler, bewegt sich sogar! «BUNDESART» heisst das, ist gross geschrieben, und jeder Witz über dieses Wortspiel aus einer dunklen Ecke der Wortspielhölle verbietet sich, weil: zu banal.

«BUNDESART» also, «das kunstvolle Bundesratsfoto» wie es im Nachsatz erklärend heisst (man weiss ja nie, ob das Wortspiel vielleicht doch etwas zu komplex gewesen sein könnte), zeigt die «grosse Vielfalt der kleinen Schweiz» im braunbeigeweiss gehaltenen Hintergrund. Diese «Vielfalt» besteht aus einer Uhr, vielen Bergen, vielen Löchern in vielen Bergen, einer Kuh, einem bewaffneten Frosch (was da wohl Guy Parmelin dazu meint?), einem Veloweg und einem Ufo über der Bundeshauskuppel (subtile Anspielung auf Brüssel wahrscheinlich). Und eben: der Hintergrund bewegt sich.

Bundesart 2018: Das animierte Bundesratsfoto.

Tagelang könnte man den fahrenden Zügen, dem ruckelnden Segelflugzeug und dem wackelnden Dach des Bundeshauses zuschauen, bis man überhaupt merkt, dass da vorne auch noch was ist. Es sind Bundesräte. Oder eben BUNDESÄRTE (sorry). Diese unsere Regierung scheint offensichtlich gemeinsam eine Beerdigung besucht haben. Der ernste Teil ist allerdings bereits vorüber, man hat sich zum Leichenmähli ein paar Gläser genehmigt und steht jetzt gelockert und lächelnd im schwarzen Anzug zusammen.

Ein paar Brocken Dreck

Und hat man sich dann, endlich, von den lustigen Zeichnungen im Hintergrund losgeeist, fallen einem vorne durchaus auch ein paar amüsante Dinge auf. Beginnen wir ganz links, mit dem Weinbauern in unserer Regierung, der vor dem Beerdigung und vor dem gemeinsamen Bild offenbar durch seine Weinhänge lustwandelte und dabei ein paar Brocken Dreck mit nach Bern brachte (man brauche die Zoomfunktion). Guy Parmelin ist ja bekannt dafür, dass er auf gemeinsamen Bildern der Regierung des öfteren abfällt, aber man muss sagen: Er hat sich gemacht. Der Anzug sitzt, die Hosen sind nicht zu kurz, die rechte Hand steckt einigermassen locker in der Hosentasche.

Wahrscheinlich ist es einfacher, da Parmelin jetzt nicht mehr der New Guy (Hehe… Wortspiel!) ist. Denn vielleicht gehört es ja dazu, dass man man sich als neuer Bundesrat auf einem ersten gemeinsamen Bild zuerst einmal zum Affen machen muss, bevor man von der Gruppe akzeptiert wird.

Bundesratsfoto 2018: Klicken Sie auf das Bild, um es in hoher Auflösung anzusehen.

Und damit: Fokus auf Ignazio Cassis, den Mann aus dem Tessin. Der Mann der gelöschten Tweets und gelöschten Vereins- und Staatsbürgerschaften. Der neue New Guy und ein Mann des Glaubens. So muss man sich klein Ignazio als Ministranten vorstellen. Die Haare sauber frisiert, die Füsse perfekt parallel, die Hände katholischkonform um die Oblate gehüllt und ein Gesicht, das offen und fröhlich all der Wunder harrt, die noch kommen werden - oder auch nicht. Ein Ave Maria für Ignazio! (Still mitgesungen von Bundeskanzler Walter Thurnherr rechts daneben: Endlich nicht mehr der einzige Kleine!)

Leuthards keck abgewinkelter Fuss

Cassis hätte sich vorher bei seinen Kollegen erkundigen sollen. Bei Altmeistern wie Ueli Maurer, der es mit seiner verwegenen Armstellung in jeden Tchibo-Katalog für Gentleman-Mode schaffen würde. Oder bei Alain Berset, der sein Fotografie-Wissen nicht nur beim passenden Hintergrund beweist, sondern auch beim richtigen Aufstellen der Kompagnons: Je grösser die Lücke links und rechts, desto bedeutender der Mann in der Mitte. Oder auch bei den beiden Frauen, so schwarz gewandet wie die Herren, aber halt doch irgendwie besser. Man beachte etwa den keck abgewinkelten Fuss bei Doris Leuthard auf deren wohl letzten Bundesratsfoto.

Ach wie schön wäre es gewesen, hätten die Freiburger Künstler nicht nur den Hintergrund animiert.

Konkurrenz macht Cassis in seiner Unbeholfenheit höchstens noch der Nachbar. Johann Schneider-Ammann, der in seiner ganzen Haltung die Antithese zum abgewinkelten Fuss von Leuthard darstellt – und das muss man erst mal schaffen. Ach wie schön wäre es gewesen, hätten die Freiburger Künstler nicht nur den Hintergrund animiert. Man stelle sich Schneider-Ammann vor, grazil von einem auf den anderen Fuss hüpfend.

Dergestalt präsentiert sich also unsere Regierung für das kommende Jahr. Beschwingt irgendwie, fast schon lustig, doch in Beerdigungskleidern vor einem Comic. Man bleibt ratlos. Vielleicht hilft ja beten. Herr Cassis, Sie sind dran.

DerBund.ch/Newsnet

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