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Die Jungsozialisten haben sich verspekuliert

Das deutliche Scheitern der Bonzensteuer in Zürich zeigt: Klassenkampf ist kein Erfolgsrezept. Die Zukunft gehört lokalen und regionalen Wirtschaftsmodellen.

Die deutliche Niederlage der sogenannten Bonzensteuer ist kein gutes Omen für die Jungsozialisten. Wenn die Zürcherinnen und Zürcher nicht für ein härteres Anfassen der Superreichen zu überzeugen sind, dann wird es im Rest der Schweiz noch schwerer werden. Die nationale 1:12-Initiative steht so gesehen ziemlich im Gegenwind. Das Beste, das sie sich erhoffen kann, ist, kein Debakel zu erleiden.

Dabei scheinen die Vorzeichen auf den ersten Blick günstig zu sein. Die Globalisierung hat zur berechtigten Angst vor einem neuen Geldadel geführt. Die Gewinne des internationalen Handels fliessen in die Taschen von wenigen, das Wachstum der Produktivität fliesst vorwiegend in die Taschen der Aktionäre, in der IT- und der Finanzindustrie entstehen Milliardäre über Nacht.

Die schweizweite Angst der Zugisierung

Auch in der Schweiz hat sich diese Entwicklung bemerkbar gemacht. Die «Zugisierung» ist zu einem Symbol geworden für die Angst, aus der eigenen Heimat vertrieben zu werden, weil man sich Miete und Lebenskosten nicht mehr leisten kann. Diese Angst und die damit verbundene Wut haben der Abzockerinitiative kürzlich zu einem Triumph verholfen. Dieser Sieg war jedoch mehr als symbolische Warnung an die Superreichen gedacht denn als Ermunterung in Richtung neue sozialistische Experimente. Weder Sozialismus noch Neoliberalismus geniessen derzeit übermässig grosse Sympathie bei den Bürgerinnen und Bürgern, auch oder gerade nicht bei den Jungen.

Die Welt braucht neue Wirtschaftsmodelle

Hingegen wächst die Einsicht, dass eine neue Wirtschaftsordnung keine Utopie mehr, sondern zu einer Notwendigkeit geworden ist. Weder Neo- noch Linksliberalismus werden die wichtigsten Herausforderungen der Zukunft meistern können. Eine Erde mit zehn Milliarden Menschen nachhaltig und sozial gerecht zu bewirtschaften, erfordert andere Modelle.

Erste Ansätze dazu sind bereits zu beobachten. Versuche in der Sharing Economy beispielsweise, wo Tauschen und Teilen wichtiger werden als Gewinnoptimierung. Das wachsende Interesse an Urban Gardening zeigt ebenfalls, dass der Mensch nicht allein am Bildschirm oder in der virtuellen Realität glücklich werden kann. Gleichzeitig macht die rasante Entwicklung der Technologie neue Wirtschaftsformen möglich. Das jüngste Beispiel ist der 3-D-Printer, der nun auch in der Schweiz angekommen scheint.

Die Globalisierung hat ihren Sex-Appeal verloren

Der Sozialismus ist nicht nur ein gescheitertes Wirtschaftsmodell, er ist auch eine globale Bewegung. «Arbeiter aller Länder vereinigt euch», heisst es schliesslich. Das kommt immer weniger gut an, die Globalisierung hat an Sex-Appeal eingebüsst. Neue Wirtschaftsmodelle müssen wieder vermehrt Rücksicht auf lokale und regionale Kreisläufe nehmen. Dank der technischen Entwicklung wird dies zunehmend möglich. Die Massenproduktion mit riesigen Fabriken wird zum Auslaufmodell.

Diesen veränderten Umständen sollten sich auch die Jungsozialisten zuwenden. Mit Kraftmeierei gegen Bonzen lässt sich langfristig kein Blumentopf gewinnen. Die Alternative zum Neoliberalismus liegt nicht beim Wachküssen eines gescheiterten Sozialismus. Sie liegt im Aufbau einer technisch hoch entwickelten lokalen und regionalen Wirtschaft.

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