Zum Hauptinhalt springen

Die Hoffnung der Atom-Freunde

Der Ständerat hat gestern den Entscheid zum Atom-Ausstieg relativiert: Eine Hintertür soll für Reaktoren der vierten Generation offen bleiben. An diesen wird fleissig geforscht – auch in der Schweiz.

Hier suchen Forscher nach Materialien, die den hohen Temperaturen in Reaktoren der vierten Generation standhalten: Gelände des Paul-Scherrer-Institut
Hier suchen Forscher nach Materialien, die den hohen Temperaturen in Reaktoren der vierten Generation standhalten: Gelände des Paul-Scherrer-Institut
Keystone

Die Umweltkommission des Ständerats hat mit ihrem Entscheid gestern die Türe offen gelassen für neue Atomenergie-Technologien. Diese werden am Paul Scherrer Institut (PSI) vorangetrieben, wo zurzeit an Reaktortypen der vierten Generation geforscht wird.

Die Reaktoren der Generation IV sollen unter anderem höhere Temperaturen erzeugen als jene der Vorgängergeneration. Eine Gruppe von Forschern sucht am PSI nach Materialien, die diesen hohen Temperaturen ausgesetzt werden können, wie PSI-Laborleiter Horst-Michael Prasser sagt, der auch Mitglied des Eidg. Nuklearinspektorats Ensi ist.

Etwas weniger Atommüll

Mit den Reaktoren der vierten Generation soll der Energiegehalt von Uran voll ausgeschöpft und die Menge des radioaktiven Abfalls minimiert werden. Wohl wären Tiefenlager laut Prasser immer noch unumgänglich: «Unabhängig vom Reaktortyp fällt immer etwa dieselbe Menge von Spaltprodukten an». Die Menge der langlebigen Stoffe würde sich aber verringern.

Auch soll mit der neuen Kerntechnologie die Sicherheit erhöht werden. Laut Prasser hat «der grosse Sicherheitssprung» aber bereits mit dem Schritt von der zweiten zur dritten Generation in den 90er-Jahren stattgefunden. Reaktoren der Generation III werden zurzeit im Ausland gebaut und sind mit zusätzlichen Einrichtungen zur Beherrschung einer allfälligen Kernschmelze ausgerüstet.

Die bestehenden AKW in der Schweiz gehören der zweiten Generation an. Zusammen mit Deutschland habe die Schweiz die wohl grössten Anstrengungen bei der Nachrüstung der Reaktoren unternommen, sagte Prasser.

Zeitplan von mehreren Faktoren abhängig

Mitglieder der ständerätlichen Umweltkommission nannten gestern das Jahr 2050 als möglichen Zeithorizont für die «neue Technologie». Prasser macht den Zeitplan von den finanziellen Rahmenbedingungen sowie dem politischen Willen abhängig. «Wenn ein starker politischer Wille da ist, kann man in zehn Jahren zu einem vernünftigen Projekt kommen und in weiteren zehn Jahren zu einem Prototypen.» Ein nationaler Alleingang komme aber nicht in Frage.

Dass in der Schweiz an der Entwicklung von neuen Reaktortypen gearbeitet wird, geht laut Prasser auf die Mitgliedschaft des Landes im «Generation Four International Forum» zurück. Dem Forum gehören zwölf weitere Länder an, darunter Russland und China. Die Vereinigung erwartet die kommerzielle Einführung von Reaktoren der vierten Generation in den Jahren 2015 bis 2030.

Anhaltendes Interesse an Studium

Die Wissenschaft müsse nun zuerst ihre Hausaufgaben machen, sagte Prasser. Der Leiter des PSI-Labor für Thermohydraulik erforscht zusammen mit seinen Mitarbeitern zurzeit alternative Kühlmittel für die Reaktoren der Generation IV. Statt mit Wasser sollen die Brennelemente in Zukunft mittels flüssigem Natrium oder Helium gekühlt werden.

Prasser sieht für die Kernenergie trotz der Vorkommnisse im japanischen Fukushima eine Zukunft – zumindest im internationalen Kontext. In Polen, Tschechien und Grossbritannien beispielsweise sei das Interesse an der Kernenergie sehr gross. Als weiteres positives Zeichen interpretiert Prasser das ungebrochene Interesse am Studiengang «Nuclear Engineering» der ETH Zürich. Die Anzahl der Studienbewerber sei gleich gross wie im vergangenen Jahr.

SDA/ami

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch