Die grossen Fragen ausgelassen

Die Weiterentwicklung der Armee bleibt eine Minireform, die in die richtige Richtung geht.

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Daniel Foppa@DFoppa

Nein, die grosse Armeereform ist es nicht, über die das Parlament berät. Abgesehen von der Bestandesreduktion auf 100'000 Mann, was angesichts der Bedrohungslage angebracht ist, sind keine einschneidenden Änderungen vorgesehen: Die Ausrüstung wird verbessert, Teile der Armee können rascher mobilisiert werden, WK dauern weiterhin drei Wochen, und Kader verdienen den Grad während einer ganzen Rekrutenschule ab. Das ist sinnvoll. Bei zweiwöchigen WK, wie es der Bundesrat wollte, bliebe zwischen Fassen und Abgabe des Materials zu wenig Zeit für Ausbildung und Anwendung. Und wer seinen Grad während einer ganzen RS abverdient, verfügt über mehr Führungserfahrung.

Die Krux dabei: Längere Dienstzeiten am Stück sind nicht wirtschaftsverträglich. In den zunehmend international geprägten Unternehmen fehlt das Verständnis für WK-bedingte Absenzen. Karrierebewusste junge Männer verzichten deshalb oft auf eine militärische Laufbahn. Damit gehen der Armee jedes Jahr fähige Kader verloren.

Ein höherer Anteil von Durchdienern, die ihren Dienst am Stück erfüllen, könnte Abhilfe schaffen. Doch davor schreckt die Politik zurück, weil sie dies als Gefahr für den Milizgedanken sieht. Ebenso wird beim Abbau der schweren Waffen zu wenig konsequent vorgegangen – auch wenn sogar Ueli Maurer gestern einräumte, die Zeit der Panzerschlachten sei vorbei.

Damit bleibt die Weiterentwicklung der Armee eine Minireform, die in die richtige Richtung geht – aber die grossen Fragen auslässt. Auch als neutraler Staat muss die Schweiz ihre Sicherheitspolitik stärker in eine europäische Sicherheitsarchitektur einbetten. Alles andere heisst, die Augen vor der Realität eines von Freunden umgebenen Staates in Mitteleuropa zu verschliessen. Wie die Krise in Osteuropa zeigt, ist Sicherheit – wenn überhaupt – nur im internationalen Verbund möglich. Das ist der Schluss, der aus der Ukrainekrise zu ziehen ist. Und nicht die Forderung nach einem Massenheer, mit der die Milizverbände voraussichtlich in einen Referendumskampf ziehen werden.

Tages-Anzeiger

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