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Die grössten Probleme der Schweizer Verkäufer

Die Unia hat die Arbeitsbedingungen der Detailhandelsangestellten untersucht und sieht sich im Kampf gegen längere Öffnungszeiten in Tankstellenshops bestätigt.

Viele Verkäuferinnen und Verkäufer lehnen längere Ladenöffnungszeiten laut einer Umfrage im Auftrag der Unia ab. Die Gewerkschaft steigt mit diesem Befund in den Schlussspurt der Abstimmungskampagne zum Tankstellenshop-Referendum.

Leidtragende der immer längeren Ladenöffnungszeiten seien die Angestellten, sagte Unia-Co-Präsidentin Vania Alleva vor den Medien in Bern. Die langen Arbeitszeiten sind gemäss der Umfrage das Hauptproblem für das Verkaufspersonal im Schweizer Detailhandel: 36 Prozent der Befragten sagten, die Arbeitszeiten störten sie am meisten.

Damit wird die lange Arbeitszeit als noch grösseres Problem empfunden als der tiefe Lohn. Für eine Tieflohnbranche sei dies erstaunlich, hält die Unia fest. 85 Prozent der 300 befragten Verkäuferinnen und Verkäufer gaben in der Umfrage des Marktforschungsinstituts GFK an, sie wären nicht bereit, am Abend, in der Nacht oder am Sonntag zu arbeiten.

Salamitaktik unterbinden

Die Frage wurde explizit mit Verweis auf hängige Vorstösse im Parlament gestellt. Aus Sicht der Gewerkschaften zielen mehrere Vorstösse im Parlament darauf ab, das im Arbeitsgesetz verankerte Nacht- und Sonntagsarbeitsverbot für das Verkaufspersonal «systematisch auszuhöhlen».

Das Muster sei stets dasselbe: Erst würden Ausnahmen geschaffen, und dann würden diese zur allgemeinen Regel erklärt, sagte Unia-Vertreter Arnaud Bouverat. Eine erste Gelegenheit, diese Salamitaktik zu unterbinden, biete sich bei der Abstimmung über die Lockerung des Arbeitsgesetzes für Beschäftigte von Tankstellenshops am 22. September.

Kommt die Änderung des Arbeitsgesetzes durch, würde die Abend-, Nacht- und Sonntagsarbeit im Detailhandel voraussichtlich zunehmen. Tankstellenshops dürften dann rund um die Uhr sämtliche Produkte aus ihrem Sortiment verkaufen. Heute müssen diese Shops nachts einen Teil des Sortiments abdecken. Gegen die Lockerung ergriffen Gewerkschaften und christliche Kreise das Referendum.

Auf Kosten der Angestellten

Längere Ladenöffnungszeiten führten zu einer Verschlechterung der Arbeitsbedingungen, sagte Bouverat: mehr Stress, mehr Unsicherheit und mehr Probleme bei der Vereinbarkeit von Familienleben und Beruf. Nur selten würden neue Stellen geschaffen. In der Umfrage gaben 40 Prozent der Befragten an, die Öffnungszeiten an ihrem Arbeitsplatz seien verlängert worden. Nur 5 Prozent sagten, es sei gleichzeitig mehr Personal eingestellt worden.

Die GFK-Umfrage war Mitte Mai durchgeführt worden. Befragt wurden 300 Personen, die als Verkäuferinnen und Verkäufer tätig sind oder waren. Mit dieser Stichprobengrösse ist die statistische Unschärfe beträchtlich. Markus Zumbühl vom Forschungsinstitut GFK sagte dazu, es handle sich nicht um eine auf die Kommastelle exakte Erhebung, doch genügten die Daten für ein Stimmungsbild.

Forderung nach Gesamtarbeitsverträgen

Vania Alleva wies auf frühere Befragungen hin, die ähnliche Resultate ergeben hätten. Die Ergebnisse bestätigten auch die Klagen, welche die Gewerkschaft tagtäglich von Verkäuferinnen und Verkäufern höre. Um die Arbeitsbedingungen im Detailhandel zu verbessern, brauche es dringend Gesamtarbeitsverträge.

Vor der Abstimmung über die Ladenöffnungszeiten in den Bahnhöfen vor acht Jahren hätten die Arbeitgeber versprochen, die Lohn- und Arbeitsbedingungen in einem GAV verbindlich zu regeln. Nach der Abstimmung hätten sie ihr Versprechen aber rasch wieder vergessen.

SDA/fko

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