Die FDP und ihr Frauenproblem

Die FDP-Frauen sahen zu, wie die Männer Partei und Posten über­nahmen.

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Es passiert allen Bundesratskandidaten. Den ­mächtigsten Strippenziehern und den schwächsten Hinterbänklern. Wenn sich das Rennen zuspitzt, ­verschwinden sie alle hinter den politischen ­An­sprüchen, die sie verkörpern. Nun hat es auch ­Ignazio Cassis und Jacqueline de Quattro erwischt. Tessiner oder Frau? Das ist jetzt die Frage.

Bemerkenswert ist dabei, dass der Anspruch der Südschweiz auf den FDP-Sitz seit der Rücktrittsan­kündigung von Bundesrat Didier Burkhalter allseits bekräftigt wird. Das Tessin! Seit 1999 bundesratslos!

Und die Frauen? Wir können warten, verkündete Frauenpräsidentin Doris Fiala eilfertig. Hätte sich nicht letzte Woche die Waadtländer Regierungsrätin Jacqueline de Quattro ein Herz gefasst, die Staats­gründerpartei könnte noch heute so tun, als stelle sich diese Frage nicht: Frauen? Sind wir nicht alle ­einfach Freisinnige?

Dass die FDP eine Präsidentin hat, das liegt wohl nicht zuletzt am Desinteresse der Herren.

Dabei war es einst ein Wesensmerkmal der FDP, dass sie starke Politikerinnen hervorbringt, ganz ohne starre Quoten und grimmige Geschlechterduelle. Die Partei vibrierte vor Stolz, als sie den Schweizerinnen 1984 mit Elisabeth Kopp endgültig die Tür zum Bundesratszimmer aufstiess. Seither hat der Freisinn fünf Magistraten hervorgebracht. Alles Männer.

Im Bundeshaus beträgt der Frauenanteil der FDP-Fraktion noch knapp 18 Prozent. Bei den eidgenössischen ­Wahlen 2015 schafften 15 neue FDP-Politiker den Sprung nach Bern. 14 davon sind Männer. Und dass die FDP als einzige Bundesratspartei eine Präsidentin hat, das liegt wohl nicht zuletzt am Desinteresse der freisinnigen Herren an diesem undankbaren Job.

Die FDP hat ein Frauenproblem. Aber es ist ­primär das Problem der FDP-Frauen. Sie haben zu­gesehen, wie die Männer Partei und Posten über­nahmen. Wollen sie den verlorenen Einfluss zurückgewinnen, brauchen sie mehr als eine beherzte ­Bundesratskandidatin. Die Frauen benötigen eine Strategie, und zwar rasch. Die nächste Vakanz im ­Bundesrat kommt oft früher, als man denkt. Und wenn sich das Rennen dann zuspitzt, müssen die ­Ansprüche der Frauen unbestritten sein.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 25.07.2017, 22:30 Uhr

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