Die Bauern sind mitschuldig

Christoph Lenz über die Folgen des Falls Hefenhofen.

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Christoph Lenz@lenzchristoph

Hefenhofen. Innert Wochenfrist ist der Name des Oberthurgauer Dorfs zur Chiffre für das Schlechte in der Schweizer Landwirtschaft geworden. Bauer Ulrich K. hielt Dutzende Pferde in unerträglichen Zuständen. Die Behörden waren Komplizen bei der Tierquälerei. Erstens, weil sie beharrlich wegschauten. Zweitens, weil sie den Hof von Ulrich K. mit Hunderttausenden Franken Agrarsubventionen jahrelang über Wasser hielten. Der Staat zahlte. Die Tiere litten. Ein perverses System. Die Politik muss einen Weg finden, um gewaltbereiten, renitenten oder tierquälenden Landwirten sämtliche Direktzahlungen zu streichen.

Mitschuldig am Fall Hefenhofen sind aber auch die Bauern aus der Nachbarschaft. Viele wussten Bescheid über die Bedingungen auf dem Pferdehof von Ulrich K. Doch sie hielten still, kümmerten sich nur um das eigene Vieh, den eigenen Betrieb. Diese Verantwortungslosigkeit könnte sich nun rächen. Denn der Skandal kommt für die Schweizer Bauern zur Unzeit. In sechs Wochen stimmen die Bürger über einen Verfassungstext zur Ernährungssicherheit ab.

Namhafte Opposition gibt es nicht. Zu offen ist der Vorschlag formuliert. Seitens der Landwirtschaft rollt dennoch eine wuchtige Kampagne an. Flauschige Imagebilder aus einer heilen Agrarwelt sollen Vertrauen und Wertschätzung schaffen. Das Kalkül: Am 24. September muss die Ernährungssicherheit eine so überwältigende Zustimmung erzielen, dass der Inhalt der Vorlage zur Nebensache wird. Die Bauern streben ein generelles Plebiszit über den Bauernstand an. Ein Zeichen des Volks, dass es zufrieden ist mit seinen Landwirten. Mit diesem Hebel wollen die Bauern in Bern alle neuen Auflagen, den weiteren ökologischen Umbau der Subventionen und mögliche Sparbestrebungen abwenden.

Der Fall Hefenhofen – auch wenn er Seltenheitswert besitzt – hat dem Land vor Augen geführt, wie weit die Realität auf den hiesigen Höfen von unserer Vorstellung entfernt sein kann. Er hat das Potenzial, die Vorzeichen der Abstimmung vom 24. September zu drehen. Denn diese Landwirtschaft, die will niemand in der Schweiz.

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